Widerstand!

Elias Baumgarten
26. März 2019
Die Initiative Fairplanning zeigt dem Stadion des LASK, das in einem Naherholungsgebiet bei Linz entstehen soll, die »Rote Karte«. Bild: Fairplanning

In Oberösterreich hat sich die Initiative Fairplanning gegründet. Mit ihr machen sich Architekt*innen und andere Expert*innen aus der Planung für transparente Planungsprozesse stark. Stein des Anstoßes ist ein neues Stadion am Pichlinger See ostwärts Linz. Es soll ohne jede architektonische Qualitätskontrolle entstehen.

Schon über 160 Unterschriften können die Gründer*innen der Initiative Fairplanning in Oberösterreich vermelden. Sie fordern, dass Land, Städte und Gemeinden künftig transparenter und fairer planen. Insbesondere sollen die wirtschaftlichen Interessen einzelner Personen nicht länger vor denen der Allgemeinheit gehen. Verlangt wird eine vernünftige und langfristig ausgelegte Stadt- und Regionalplanung. Zudem sollen die in Paragraf 2 des oberösterreichischen Raumordnungsgesetzes definierten Ziele besser erfüllt werden. Die Initianten verteilen »Rote Karten« an Projekte, die ihren Forderungen widersprechen. Der erste Feldverweis wurde jetzt gegen den Linzer Athletik-Sport-Klub, LASK, ausgesprochen. Dieser plant ein Stadion auf der gründen Wiese am Pichlinger See östlich der Stadt – inmitten eines Naherholungsgebiets. Die Initianten verlangt, das Großprojekt zu überdenken und insbesondere den sehr schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebundenen Standort zu hinterfragen. Außerdem soll die Bevölkerung künftig über alle Planungsvorgänge umfassend informiert werden. Denn ein Bauvorhaben dieser Größe, so schreiben sie auf ihrer Webseite, sei keine Privatangelegenheit.

So soll das Stadion einmal aussehen, wenn es nach der Bauherrschaft geht. Auf der Visualisierung nicht dargestellt sind Trainingsplätze und Nebengebäude, die ebenfalls entstehen sollen. Bild © LASK
Geheimprojekt ohne Qualitätskontrolle

Doch warum hat sich am LASK-Stadion überhaupt eine derart heftige Debatte entzündet? Der Fußballverein plant, die Sportstätte mit 20'000 Zuschauerplätzen mitten im ausgewiesenen Naherholungsgebiet am Pichlinger See zu errichten, das dadurch nachteilig verändert würde. Das etwa 45 Millionen Euro teure Projekt zeichnet sich dabei durch große Intransparenz und mangelnde Kontrolle in der Planung aus. Eine öffentliche Debatte wird bislang von Bauherrschaft und Politik torpediert: Informationen über das Vorhaben werden kaum preisgegeben. Eine Volksbefragung wurde im Januar 2019 vom Gemeinderat nicht eingeleitet. Eine breite Koalition aus SPÖ, FPÖ und ÖVP wusste sie zunächst zu verhindern. Einzig die NEOS, die Grünen und die KPÖ unterstütze den Plan. Jetzt müssen über 6'000 Unterschriften gesammelt werden, um doch noch eine Abstimmung zu erzwingen.

»Aus Gründen der Kostensicherheit hat sich der LASK dazu entschieden, ein sogenanntes Totalunternehmerverfahren durchzuführen.«

Statement des LASK gegenüber OÖNachrichten

Die Anlage würde sich nur 50 Meter vom Seeufer entfernt befinden. Für das Projekt müssten insgesamt 20 Hektar Grünraum umgewidmet werden. Der Bauplatz auf der grünen Wiese hat – wie erwähnt – keine Anbindung an das ÖV-Netz. Die Öffentliche Hand müsste zusätzlich rund 20 Millionen Euro ausgeben, um ihn gut zu erschließen. Und auch die Gestaltung findet hinter verschlossenen Türen statt: Ein Architekturwettbewerb lobte der Fußballverein mit Verweis auf die Kosten nicht aus. Stattdessen entschied man sich für ein Totalunternehmerverfahren. Den Baufirmen wird dabei ein vorab definiertes Raumkonzept beziehungsweise Pflichtenheft übermittelt. Auf dieser Basis müssen diese dann Entwürfe mitsamt einer Aufstellung der Kosten ausarbeiten. Eine architektonische Qualitätssicherung gibt es nicht. Die ersten Visualisierungen zeigen, wohin das führt.

Sie können die Initiative Fairplanning mit einer Unterschrift unterstützen.

Vorgestelltes Projekt

SPF:a

Wallis Annenberg Center for the Performing Arts

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