Zweifaches Doppel in Salzburg

Ulf Meyer, Manuel Pestalozzi
22. Oktober 2021
Visualisierung © Berger+Parkkinen 

Gleich neben ihrem Paracelsus Bad dürfen Alfred Berger und Tiina Parkkinen ein Institutsgebäude für die Universität Mozarteum am Kurgarten bauen. Es wird aus zwei Gebäudeteilen bestehen.

Es kommt nicht häufig vor, dass Architekt*innen für verschiedene Bauherren zwei Gebäude entwerfen dürfen, die unmittelbar nebeneinander stehen. Am Rande des Kurgartens in Salzburg wird es bald solch einen Fall geben: Direkt neben dem Paracelsus Bad (2019), das vom finnisch-österreichischen Team um Alfred Berger und Tiina Parkkinen entworfen wurde, werden dieselben Architekten nun auch ein Institutsgebäude der Universität Mozarteum am Kurgarten (UMAK) bauen. 

Der Neubau soll »den Raumnotstand der Universität etwas lindern, vor allem aber auch einen einzigartigen Meilenstein in Richtung Zukunft setzen«, sagte die Rektorin Elisabeth Gutjahr dazu der Kulturzeitschrift DrehPunktKultur. In dem Gebäude sind unter anderem ein X-Reality-Labor, eine Künstlerwerkstatt sowie ein Forschungs- und Produktionsraum geplant. Hinzu kommen Säle und Übungsräume. Kosten soll das Projekt insgesamt rund 20 Millionen Euro. Den Löwenanteil der Finanzierung wird der Bund stemmen: 13,6 Millionen wurden gesprochen. 3 Millionen Euro werden vom Land Salzburg investiert, 1,5 kommen schließlich aus Eigenmitteln der Universität. 

Der Kurgarten, die gründerzeitliche Bebauung der Umgebung und das Paracelsus Bad als Bezugspunkte

Bei ihrem Entwurf legten Alfred Berger und Tiina nach eigener Darstellung ein besonderes Augenmerk auf die Morphologie des Kurgartens mit seiner historischen Befestigungsanlage und auf die Akzentuierung der Freiräume. Wesentlicher Grundgedanke ihrer Gestaltung sei es, so sagen sie, den Übergang von der barocken Anlage des Schlosses Mirabell bis zur gründerzeitlichen Markus-Sittikus-Straße erlebbar zu machen. 

Der neue UMAK-Bau wird in zwei Baukörper gegliedert sein, die in gestaffelter Höhe und Größe zwischen der Bebauung an der Auersperg- und Schwarzstraße vermitteln. Das Erdgeschoss des Universitätsbaus wird dabei öffentlich zugänglich sein. Betreten wird das Gebäude vom neuen Platz an der Straßenecke. Herzstück ist eine bis ins oberste Geschoss reichende Halle mit Oberlicht. Die Säle und Übungszimmer bekommen größere Raumhöhen, sodass eine interessante Schnittfigur entsteht. Möglich wird dies durch die angesprochene Zweiteilung. Die Auskragung der Obergeschosse über dem Eingang betont den Platz darunter. Von drinnen wird man in diesem Bereich einen guten Blick auf das benachbarte Bad haben.

Visualisierung © Berger+Parkkinen 

Die Fassade aus keramischen Platten ist – im Unterschied zu jener des Bades mit einer offenen Lamellenstruktur – geschlossen und hinterlüftet. Der Eingang und die Fuge zwischen den beiden Gebäudeteilen werden verglast. Auch die Säle bekommen große Glasflächen, während die Studios ohne direktes Tageslicht auskommen werden. Zur Belichtung haben die Architekten für sie Spezialfenster mit integriertem Sonnen- und Blendschutz entwickelt. Die verglasten Bereiche werden durch feststehende vertikale Lamellen vor Sonneneinstrahlung geschützt. Die Lamellen des Nachbargebäudes werden damit in Material, Farbe und Proportion zitiert.

Flexibilität und thermische Vorzüge

Trotz der komplexen technischen Anforderungen an das Gebäude wurde bei der Planung auf ein hohes Maß an Flexibilität geachtet, um später Änderungen bei der Bespielung der Flächen zu ermöglichen. Darüber hinaus unterstützt nach Aussage der Architekten die ausgesprochene Kompaktheit der beiden Baukörper mit ihrem günstigen Hüllflächenverhältnis die Umweltfreundlichkeit des Neubaus in thermischer Hinsicht.

Lageplan
Grundriss 2. Obergeschoss
Längsschnitt

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