Zweiter Frühling in Bad Gastein

Manuel Pestalozzi
11. März 2021
Gemäß dieser Fotomontage wird der Eingriff am Straubingerplatz, links neben dem Gasteiner Wasserfall, das bestehende Ortsbild respektieren. (Foto: maxsteinbauer.com, Bearbeitung: BWM Architekten)

Der alte Kurort Bad Gastein hat eine lange Durststrecke hinter sich. Die Sanierung von gleich drei historischen Gebäuden im Zentrum soll den Erfolg vergangener Tage zurückbringen.

Die alten Häuser am Straubingerplatz in Bad Gastein sollen 2023 in neuem Glanz erstrahlen. Drei Hotels wird neues Leben eingehaucht, wie Projektbetreiber, Architekten und Politiker Ende Februar bekannt machten: Das generalsanierte Hotel Straubinger soll künftig als Fünf-Sterne-Haus mit 50 Zimmern geführt werden, das historische Badeschloss vis-à-vis wird sich in einen Vier-Sterne-Plus-Betrieb mit 100 Zimmern verwandeln. Und hinter dem mehr als 200 Jahre alten Gemäuer ist ein 35 Meter hoher Zubau mit 13 Geschossen geplant. Ferner wird schließlich der Bau des alten Postamts aufgefrischt. Im Erdgeschoss soll ein »Concept Store« einziehen. Die Fertigstellung ist für 2023 anvisiert. 

Der Straubingerplatz, an dem das Ensemble liegt, ist ins Sanierungskonzept eingebunden. (Visualisierung: BWM Architekten)

BWM Architekten aus Wien sind als Generalplaner für die Sanierung, das Interior Design und die Gestaltung des Neubaus zuständig. Seine Aufgabe sieht das Entwurfsteam als ein Arbeiten mit den Schichten der Vergangenheit: Das zwischen 1791 und 1888 erbaute Ensemble aus Hotel Straubinger, Badeschloss und Postamt prägt das Zentrum des Kurortes bis heute und steht unter Denkmalschutz. »Unseren planerischen Gedanken geht auch immer eine genaue historische Analyse voran – frei nach Adolf Loos: Man kann alles verändern, wenn man weiß, was man verändert«, sagt BWM-Architekt Erich Bernard. Sämtliche Arbeiten erfolgen in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt sowie in Abstimmung mit der Gemeinde.

Die Pracht der historischen Bauwerke soll durch die Eingriffe konserviert werden. (Foto: Hans Schubert)
Auf den Tourismus setzen – auch in Krisenzeiten

Natürlich geht es bei dem Vorhaben nicht nur um das Bewahren von Baugeschichte, sondern vor allem auch um touristische Interessen. Ungeachtet der Corona-Krise soll in den Tourismus investiert werden. Bezahlt machen wird sich dies, so die Hoffnung der Beteiligten, sobald die Pandemie abflaut. Das Team von BWM hat ein offenes Hotelkonzept entwickelt, das den Straubingerplatz mit einbezieht. In den knapp 50 Zimmern des Hotels Straubinger geht es darum, die Geschichte zu pflegen und mit neuen Elementen würdig zu ergänzen. Im Sinne eines »Neuen Luxus« wird mit den besonderen Reizen und der Authentizität des Bestandes gearbeitet. Die Patina an den Wänden, die Originaltüren und andere erhaltene Bauteile werden als historische Spuren behandelt und vorsichtig ergänzt, um aktuellen Normen und Anforderungen zu genügen. Die Gesamtkomposition der Farben und des Lichtes im Raum sei inspiriert von Farb- und Lichtimpressionen historischer Ölgemälde, sagen die Architekten. Ein ausdrucksstarkes Spiel aus Hell und Dunkel in kräftigen Tönen soll das Ergebnis sein. Restaurant und Bar laden im Erdgeschoss mit dem eindrucksvollen und geschichtsträchtigen Saal neben den Hotelgästen auch andere Tourist*innen und die Einwohner*innen des Kurortes ein.

Der Bestand im Hotel Straubinger werde nach Möglichkeit erhalten, versprechen die Architekten. (Visualisierung: BWM Architekten)

Das Badeschloss wird, wie eingangs erwähnt, neu über 100 Zimmer verfügen. »Ein Bad, in dem man auch schlafen kann« – dieses Motto umschreibt das Konzept für die Zimmer im Bestandsgebäude. Keines gleicht dabei dem anderen. Durch zusätzliche Angebote rund ums Baden soll das eigene Zimmer kurzerhand in einen »Private Spa« verwandelt werden. 

Der turmartige Zubau passt in gewisser Weise hervorragend zum Kur- und Wintersportort, der im Volksmund »Wolkenkratzerdorf« genannt wird. Er wartet mit einem »Rooftop Spa« auf. Die Zimmer sollen »einfach« ausgestattet werden und primär vom Ausblick leben. Der Gemeinschaftsgedanke, die »Community« auf Neudeutsch, soll bei diesem Bau nach dem Willen des Entwurfsteams im Vordergrund stehen. In der Lobby fließen die einzelnen Bereiche wie Restaurant, Bar oder Kiosk ineinander. 

Noch einmal zurück zum Hotel Straubinger: Dort wird über dem alten Bädertrakt auf der Westseite neu eine Pool-Landschaft errichtet. Den Badegästen eröffnet sich von dort aus ein schöner Blick auf das Gasteiner Tal. Man könne, so die Verantwortlichen, gleichsam »in die Landschaft hinausschwimmen« – mit dem Rauschen des nahen Wasserfalls als Untermalung. 

Dass das Projekt im steilen Gelände an eine glanzvolle Vergangenheit anknüpft, soll auch diese Visualisierung kommunizieren. Sie erinnert an eine historische Postkarte. (Visualisierung: BWM Architekten)
Investitionen gegen den Stillstand

Die Verantwortlichen der Gemeinde freuen sich auf die nun einsetzende Bautätigkeit. Sie hoffen, an längst vergangene Glanzzeiten anknüpfen zu können. Nach einer langen Phase des Stillstandes gehe es jetzt wieder bergauf, sagte Tourismusreferent und Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) dem ORF. Das Land Salzburg hatte die drei Gebäude 2017 vorübergehend erworben, übernommen wurden sie danach von der deutschen Hirmer-Gruppe.

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