Hallenbad Svetice in Zagreb von Vjera Bakić und Matthias Kulstrunk

Raumschichten

20. Mai 2017
Das Svetice ist das jüngste Hallenbad in Zagreb von der schweizer-kroatischen Archtiekten-Verbindung Vjera Bakić und Matthias Kulstrunk. (Bild: Marko Mihaljevic)
Nach einer langen Zeit des Umbruchs entstehen in Kroatien seit einigen Jahren wieder neue Sportbäder. In Zagreb haben die Architekten Vjera Bakić und Matthias Kulstrunk nicht nur ein Hallenbad errichtet, sondern ein gesellschaftliches Zentrum.
Projekt: Hallenbad Svetice (Zagreb, HR) | Architektur: Bakic & Kulstrunk Architekten (Baden, CH) bzw. PLAZMA d.o.o (Zagreb, HR) | Bauherr: Stadt Zagreb | Hersteller: Agrob Buchtal GmbH (Schwarzenfeld, DE), Kompetenz: ChromaPlural | vollständige Bautafel siehe unten
Kroatien ist ein Land mit teilweise mediterranem Klima und einigen malerischen Küstenstreifen. Die Länge der adriatischen Küstenlinie entlang des Festlands beträgt stolze 1778 Kilometer. Zum Vergleich: Mit 2197 km ist die Gesamtlänge der Landgrenzen nicht wesentlich länger. Entsprechend populär und beliebt ist in Kroatien der Wassersport in allen Facetten. So wurden – nach einer allzu langen Phase der Stagnation und des politischen Umbruchs – in den letzten Jahren in nahezu allen größeren Städten des Landes neue und moderne Sportbäder erbaut. So auch in der Hauptstadt Zagreb, die nicht in Küstennähe, sondern in 170 km Entfernung am Fuß des Medvednica-Gebirge liegt. Den entsprechenden Wettbewerb haben die Architekten des kroatisch-schweizerischen Architektenduos Vjera Bakić und Matthias Kulstrunk bereits im Jahr 2005 gewonnen. Nach Baubeginn 2009 und einer Projektunterbrechung von 2011 bis 2013 konnte das Hallenbad «Svetice» nun fertiggestellt werden. Ganz zutreffend ist «Hallenbad» in diesem Fall jedoch nur bedingt. Vielmehr handelt es sich um einen Sport-, Freizeit- und Schwimmkomplex mit vielfältigen Möglichkeiten für Wasserratten und Sonnenhungrige. Der bietet neben einem olympischen 50-Meter-Becken mit 10 Bahnen ebenfalls ein 25-Meter-Becken, einen separaten Kinderbereich mit Lehrschwimmbecken und Wasserspielplatz, einen Wellnessbereich, ein Restaurant und ein Fitnesscenter. Gesäumt wird das Gebäude von einer Sonnenterrasse und verschiedenen Anlagen zur sportlichen Betätigung. All das an einem ziemlich interessanten Ort im Stadtgefüge: Das Gebäude befindet sich an einem urbanen Übergang zwischen dem östlichen Ende des Stadtzentrums, Plattenbausiedlungen aus der Ära des Sozialismus und dem Maksimir-Landschaftspark, in Nachbarschaft zum Fußballstadion von Dinamo Zagreb und inmitten eines großen Freiraums mit Fußballplätzen und Leichtathletikanlagen, wo sich einst ein Militärsportareal befand.
Möbel und Decks aus slawonischem Eichenholz in den Aussenbereichen laden die Badegäste zum Entspannen ein. (Bild: Marko Mihaljevic / Agrob Buchtal)
«Raum für alle» lautet die räumliche Idee der Architekten. So steht die Hauptnutzung als Hallenbad im Zentrum, in dem das Schwimmen als öffentliches Ereignis inszeniert wird. Dies erreichen die Architekten durch die Schaffung öffentlichen Raums und die Realisierung möglichst vieler Außenaktivitäten, von wo aus man aus vielen Perspektiven das Geschehen drinnen betrachten kann. Die Raumgrenzen zwischen innen und außen werden dabei meist auf eine dünne, technisch notwendige Membrane aus Glas reduziert. Die Schwimmhalle wird – umgekehrt betrachtet – zu einem Teil des Stadtraums. Den Architekten gelingt es dadurch, ein raffiniertes Raumkontinuum zu erzeugen, auf dessen Weg man immer weiter ins Innere vordringen kann. Die intimsten Räume mit den Garderoben und Duschen sowie der Wellnessanlage schließlich liegen geschützt im mauerartigen Sockelbau der Seitentrakte aus geschliffenem Beton (Körnung 16-32), der sich drinnen in einen sandgestrahlten Beton zeigt. Hier entstehen Räume in einem warmen, graubraunen Farbton, die als Kontrast dazu in den Nassbereichen mit farbigen Fliesen (ChromaPlural, Agrob Buchtal) in verschiedenen Nuancen zur Gliederung der einzelnen Bereiche versehen sind. Verbindendes Element ist in allen Berichen deren Format: Schlanke Riemchen in 6,25 x 25 cm erzeugen ein feinmaschiges Raster, das hie und da regelrecht skulpturale Qualitäten erhält, etwa wenn keramische Formteile wie Hohlkehlen oder Radialleisten die Ecken etwa der Bänke abrunden oder sich in den Durchgängen wie nach außen stülpen. Die Oberfläche der Riemchen ist übrigens mit HT versiegelt (Hydrophilic Tiles), werkseitig in die Glasur eingebrannt, was sie ziemlich reinigungsfreundlich macht, antibakteriell wirkt und eventuelle Gerüche bzw. Luftschadstoffe abbaut. So lässt es sich auch drinnen sorglos entspannen.
Für die Kinder steht ein separierter, geschützter Bereich mit einem Düsenfeld zur Verfügung. (Bild: Tamas Bujnovszky)
Die Halle wird überspannt von einer Stahlkonstruktion, die wie alle sichtbaren Installationen in Weiß gehalten ist. (Bild: Tamas Bujnovszky)
Sandstrahlter, graubrauner Beton im Innenraum wechselt zur farbigen, fast skulpturalen Oberflächen in den Nassbereichen. (Bild: Tamas Bujnovszky)
Über verschiedene Farben werden die einzelnen Funktionsbereiche differenziert. (Bilder: Tamas Bujnovszky und Marko Mihaljevic / Agrob Buchtal)
Bei aller Farbigkeit ist das verbindende Stilelement immer das Fliesenformat, schlanke ChromaPlural-Riemchen. (Bild: Marko Mihaljevic / Agrob Buchtal)
Schwarzplan und Lageplan (Quelle: Bakic & Kulstrunk Architekten)
Grundriss Erdgeschoss (Quelle: Bakic & Kulstrunk Architekten)
Quer- und Längsschnitte (Quelle: Bakic & Kulstrunk Architekten)
Fassadendetail und -ansicht (Quelle: Bakic & Kulstrunk Architekten)
Den geschliffenen Beton verstehen die Architekten als Referenz an die lokale Nachkriegsmoderne und an die ästhetischen Qualitäten der für Zagreb typischen gewaschenen Putze und Terrazzoböden in den Stadthäusern. (Bild: Tamas Bujnovszky)
Vom Dach des Westtraktes aus besteht ein direkter Blickkontakt zur Schwimmhalle. (Bild: Tamas Bujnovszky)
Im Bistro im Obergeschoss hat man ebenfalls vielfältige Blickbeziehungen nach draußen und drinnen. (Bild: Marko Mihaljevic)
Die Schwimmhalle ruht im Prinzip zwischen zwei langen Sockelbauten, die gleichzeitig die intimsten Bereiche in der Raumfolge aufnehmen. (Bild: Tamas Bujnovszky)
Projekt
Hallenbad Svetice
Zagreb, HR

Architektur
Vjera Bakić dipl. Arch. ETH Matthias Kulstrunk dipl. Arch. ETH

Bakic & Kulstrunk Architekten
Baden, CH

PLAZMA d.o.o
Zagreb, HR

Team: Dubravko Bačić, Ana Martina Bakić, Martina Jukić, Bogdan Budimirov, Marko Cvjetko, Iskra Kirin, Ida Križaj , Marin Piršić

Hersteller
Agrob Buchtal GmbH
Schwarzenfeld, DE

Kompetenz
ChromaPlural

Bauherr
Zagrebački Holding d.o.o.
Zageb, HR

Tragwerk
Ivan Palijan, Siniša Lulić, Đuro Uzelac, Vladimir Crneković

Technik Hallenbad
Nenad Šutevski, Dario Butković

Klima
Branko Šegotić, MiroslavŽupanić, Tomislav Kralj, Zlatko Jakoplić, Tihomir Vrtačnik

Elektrotechnik
Branko Čorko

Wasser und Kanalisation
Srđan Grujić

Signaletik
Narcisa Vukojević, Damir Bralić, Hrvoje Živčić, Alma Šavar

Wettbewerb
2005

Fläche
9.648 m²

Kosten
16,7 Mio. €

Fertigstellung
2016

Fotografie
Tamas Bujnovszky
Marko Mihaljević
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