Modulare Aktivhäuser in Winnenden-Schelmenholz von Werner Sobek

Wohnen im hochwertigen Container

9. Oktober 2017
Das Aktiv-Haus-System Serie 700 wurde nun in Winnenden-Schelmenholz umgesetzt und bald darauf mit dem Deutschen Holzbaupreis versehen. (Bild: Zooey Braun / Werner Sobek Stuttgart)
Der Neubau von Wohnungen muss nicht kompliziert sein – und kann bei aller Einfachheit sogar modular und auf höchstem technischem Niveau erfolgen. Das zeigt Werner Sobek in Winnenden bei Stuttgart, wo eine ganze Aktivhaus-Siedlung in kurzer Zeit entstanden ist.
Projekt: Modulare Aktivhäuser (Winnenden-Schelmenholz, DE) | Architektur: Werner Sobek Stuttgart AG (Stuttgart, DE) | Bauherr: Kreisbaugesellschaft Waiblingen mbH (Waiblingen, DE) | Hersteller: AH Aktiv-Haus GmbH (Stuttgart, DE), Kompetenz: Serie 700 | weitere Projektbeteiligte siehe unten
Werner Sobeks Leidenschaft als Ingenieur ist – neben vielen anderen – das Einfamilienhaus. Bereits mit dem eigenen Wohnhaus R128 in Stuttgart begann er im Jahr 1999 eine Reihe, die ein Stück weit auch immer ein Experimentierfeld für neue Technologien war. So waren etwa das Haus F87 in Berlin, spätestens aber das Haus B10 in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung Gebäude, die das Smart Home durchdeklinieren sollten, immer im Rahmen der selbstgesteckten, hohen ökologischen, sozialen und ökonomischen Ziele. Sprich: Unter der Prämisse von „Triple Zero“ (Zero Energy Building, Zero Emission Building, Zero Waste Building), mit einem Weniger an Material ein Mehr an bezahlbarem Wohnraum für alle Generationen und mit geringeren Erstinvestitionen und Lebenszykluskosten durch Einsatz erneuerbarer Energien und Materialien. Aus diesem Anspruch ist die Marke „Aktivhaus“ entstanden, mit der Werner Sobek nicht zuletzt den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt begegnen will. Die Köpfe hinter sind neben Werner Sobek und seinen Mitarbeitern übrigens auch Klaus Fischer, Geschäftsführer bei der im Bauwesen bestens bekannten Unternehmensgruppe fischer, mittlerweile außerdem die Ganter Group und das I-NSE Institut für nachhaltige Stadtentwicklung.
Innerhalb kurzer Planungs- und auch Bauzeit konnte am Rande eines bestehenden Wohnareals in Winnenden-Schlemenholz ein neues Wohnquartier errichtet werden. (Bild: Zooey Braun / Werner Sobek Stuttgart)
Was das Aktivhaus-System zu leisten vermag, hat Werner Sobek jüngst in Winnenden-Schelmenholz bei Stuttgart gezeigt. Die Stadt Winnenden suchte für ein Grundstück am Rande eines bestehenden Wohnareals eine kurzfristig realisierbare Lösung zur Unterbringung von rund 200 Personen, Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien. Es sollten Wohneinheiten mit eigenem Bad und eigener Küche entstehen, die wirtschaftlich gut realisierbar sind, bei denen nachhaltige Standards zu Energieverbrauch und Rückbaubarkeit eingehalten werden und die später auch umnutzbar sein können. Ansprüche also, die bestens zur Serie 700 passen, die beim Aktivhaus quasi das Einstiegsmodell ist. Ein wichtiger Gedanken dabei ist die Modularität, denn die Serie wird werksseitig innerhalb von 12 Wochen komplett vorgefertigt und vorinstalliert, muss vor Ort dann nur noch montiert und kann schlüsselfertig übergeben werden. In Winnenden wurden insgesamt 38 Module der Serie 700 verwendet: 22 Mal in der Variante 701 mit 45 m² und 16 Mal als Variante 702 mit 60 m² und einem Zimmer mehr.
Die in Holzrahmenbauweise gefertigten Module stehen zweigeschossig auf einem leicht ansteigenden Gelände und bieten einen Blick auf die benachbarten Weinberge. (Bild: Zooey Braun / Werner Sobek Stuttgart)
Die Konstruktion der Häuser – in Winnenden zweigeschossig auf einem leicht ansteigenden Gelände mit Blick auf die benachbarten Weinberge – basiert auf einem Holztragwerk in Ständerbauweise, einem gewichtsminimierten Rahmensystem, das die Vorfertigung erleichtert. Auch die Außenhaut besteht aus Holz: hochdruckimprägnierte, horizontale Lamellen aus Lärchenholz aus zentraleuropäischem Anbau. Im Innenraum ist das Material Holz ebenfalls vorherrschend, hier als Fichtenholzplatten. Die vielfältige Verwendung von Holz brachte dem Projekt übrigens den Deutschen Holzbaupreis in der Kategorie „Komponenten / Konzepte“ ein. Außerdem erhielt das Siedlungsprojekt jüngst den materialPREIS 2017 in der Kategorie „Materialeinsatz“. „Wie kann man mit ästhetischer Qualität günstigen Wohnraum schaffen? Diese zeitgemäße Frage hat die Jury mit diesem Projekt beantwortet: Containerbau in einer neuen Qualität. Selbst die ausgeführten Dachterrassenzeugen von Angemessenheit. Die architektonische Komposition und die konsequente Verwendung von Lärche im Außen- und Fichte im Innenbereich sorgen für materialgerechten Einsatz, der schlichtweg überzeugt“, urteilte die Wettbewerbsjury.
Mit Holz erzeugt Werner Sobek nicht nur eine behagliche Atmosphäre im Innenraum, sondern entspricht auch seinem Triple-Zero-Konzept voll und ganz. (Bild: Zooey Braun / Werner Sobek Stuttgart)
Werner Sobek hat mit dem aktuellen Stand des Aktivhauses ein System geschaffen, mit dem – das zeigt das Siedlungsprojekt in Winnenden-Schelmenholz – effektiv und sinnvoll Wohnraum geschaffen werden kann, mit einfacher, aber guter Gestaltung, die sich vom Bewohner sehr gut bespielen lässt. Die modulare Bauweise, die Werner Sobek seit einiger Zeit in diesem Segment konsequent einsetzt, kann nicht zuletzt ein wichtiger Teil der Lösung der Herausforderungen im Wohnungsbau sein. Verkauft werden die Module zu einem Fixpreis pro Quadratmeter, wobei die AH Aktiv-Haus GmbH günstige Preise verspricht. Die Erschleißung, Fundamtente, Montage und Außenanalgen sind nicht im Grundpreis enthalten. Ebenso nicht Wärme- und Kältequellen, die jedoch auch – wie in Winnenden – in separaten, gemeinschaftlichen Technikmodulen untergebracht sein können, ebenso wie Waschmaschinen und Trockner, für die es Multifunktionsmodule gibt. Immerhin: In den Kosten enthalten ist die Grundausstattung der Sanitärräume und der Küchen. In Winnenden lag der Preis dafür bei 2.300 € brutto pro m² BGF inkl. aller Baukosten (einschließlich Küche, Beleuchtung und Bad sowie TGA, Fundamente, Treppen, Erschließung), ab 50 Einheiten ist in der Basisversion ohne Küche, Beleuchtung und Bad sogar ab 1.000,- € / m² BGF machbar.
Holz findet sich auch auf den Terrassen, die – je nach Anordnung der Module – auch gemeinschaftlich genutzt werden können. (Bild: Zooey Braun / Werner Sobek Stuttgart)
Grundriss-Varianten 701 und 702 (Quelle: Werner Sobek Stuttgart)
Grundriss bei Mehrgeschossigkeit (Quelle: Werner Sobek Stuttgart)
Explosionszeichnung Wand-, Boden- und Dachaufbau (Quelle: Werner Sobek Stuttgart)
Die Häuser werden fast komplett im Werk vorgefertigt, in leichter Holzrahmenbauweise. (Bild: Werner Sobek Stuttgart)
Parallel zur Vorfertigung können vor Ort die Fundamente errichtet werden, die mit allen Anschlüssen für die Häuser ausgestattet sind. (Bild: Werner Sobek Stuttgart)
Die Stockwerke über dem Erdgeschoss müssen dann im Prinzip nur noch aufgesteckt werden. (Bild: Werner Sobek Stuttgart)
Projekt
Modulare Aktivhäuser
Winnenden-Schelmenholz, DE

Architektur, Tragwerksplanung, TGA-Planung, Bauüberwachung
Werner Sobek Stuttgart AG
Stuttgart, DE

Bauherr
Kreisbaugesellschaft Waiblingen mbH
Waiblingen, DE)

Hersteller
AH Aktiv-Haus GmbH
Stuttgart, DE

Kompetenz
Serie 700

Holzbau
MARLES PSP d.o.o., Podvelka (SL)

Nutzfläche
2.025 m²

Fertigstellung
2016

Fotos
Zooey Braun
Werner Sobek Stuttgart
Projektvorschläge
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Die Rubrik «Praxis» ent­hält aus­schließ­lich redak­tio­nell er­stellte Bei­träge, die aus­drück­lich nicht von der Indus­trie oder anderen Unter­nehmen finan­ziert werden. Ziel ist die un­ab­hängige Be­richt­er­stat­tung über gute Lösungen am kon­kreten Pro­jekt. Wir danken allen, die uns dabei unter­stützen.

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