Schaumstoff aus Abfällen

Martina Metzner
9. April 2021
Foto: eco-softfibre

Das Unternehmen eco-softfibre stellt aus Resten der Lederproduktion einen alternativen Schaumstoff her. Die Firma verspricht, das Material sei umweltfreundlicher als herkömmliche Konkurrenzprodukte.

eco-softfibre steht für die Idee, die Abfälle aus der Lederindustrie zu neuen Produkten zu verarbeiten. Aus Lederspänen stellt die Firma mit Sitz im mitteldeutschen Görlitz eine Alternative zum bekannten Schaumstoff her, die beispielsweise im Innenausbau verwendet werden kann und sich durch besondere akustische Eigenschaften auszeichnet. Firmeninhaber Wolfgang Coutandin sagt, das Produkt sei besonders nachhaltig – nicht nur, weil Material im Kreislauf erhalten wird, sondern auch weil es weniger gesundheitsschädlich sei.

Doch woher stammt der Rohstoff genau? Nach dem Gerbprozess fällt Abfall an: Beim Falzen wird das Leder auf eine gleichmäßige Dicke gebracht. Dabei bleiben Lederspäne übrig, die eco-softfibre als Grundmaterial dienen. Das Naturmaterial ist atmungsaktiv, brennt kaum und dünstet vor allem keine Schadstoffe aus. Im Vergleich dazu geben auf Erdöl basierte Schaumstoffe über ihren gesamten Lebenszyklus giftige Stoffe ab. Diese können die Gesundheit der Menschen, die sie vor allem in Innenräumen einatmen, beeinträchtigen. Coutandin rechnet vor, dass durch die Weiterverwendung der Lederabfälle 3,6 Tonnen CO2 pro Tonne Lederabfall im Stoffkreislauf gehalten würden. Denke man an einen durchschnittlichen Sessel mit einer Polsterung aus herkömmlichem Schaumstoff, so würden 60 Liter Erdöl eingespart, sagt er. Die Abfälle bezieht die Firma von mehreren deutschen Gerbereien.

Foto: eco-softfibre

Das Material wird, wie eingangs bereits geschildert, insbesondere für den Innenausbau zur Schallabsorption angeboten. Je nach Anwendung wird es dafür auf Unterlagen wie Holzwolle oder Krautplatten aufgebracht. Es gibt weiche, biegsame und elastische Bahnen in den Maßen 75 x 55 Zentimeter beziehungsweise 57 x 37 Zentimeter mit einer Aufbauhöhe von 0,5 bis 4 Zentimetern. Individuelle Abmessungen sind auf Nachfrage ebenfalls möglich. Auch Logos und Schrift können auf die Oberfläche appliziert werden. Außerdem bietet eco-softfibre vorfabrizierte Trennwände und Schreibtischaufsätze in verschiedenen Ausführungen und Maßen an. Daneben kann der Schaumstoff zum Beispiel auch als Polstermaterial verwendet werden. Bei Tests wurde eine Schallabsorption in den Bereichen NRC 0,39 bis 0,44 gemessen. Das Material ist in verschiedenen Farben sowie auch im Naturton erhältlich.

Wie alle Produktrezensionen wurde dieser Artikel von German-Architects übernommen.


Das Buch »Upcycling« des Instituts für Architektur und Raumentwicklung der Universität Liechtenstein ist ein Plädoyer für die Wieder- und Weiterverwendung von Materialien und Bauelementen. Wir haben es gelesen.

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