Foto © Patricia Weisskirchner
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Eiermuseum

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Jahr
2010
Kosten
Vertraulich
Stockwerke
1–5 Stockwerke
Bauherrschaft
Waltraud und Wander Bertoni
Team
Alexander Hagner, Ulrike Schartner, Anja Löffler
Statik
Werkraum Ingenieure ZT GmbH

DIE AUFGABE: Errichtung eines privaten Neubaus zur Unterbringung der ca. 4000 Exponate umfassenden Eiersammlung von Wander Bertoni.

DER ORT: (ist einer der eindrucksvollsten, den wir kennen)
Der Bauplatz befindet sich im Kontext des Freilichtmuseums um eine alte Mühle vom Bildhauer Wander Bertoni.
Der weitläufige Außenraum inmitten von Weingärten, wird neben einem alten Baumbestand vor allem von den zahlreichen großformatigen Skulpturen des Bildhauers geprägt.

DIE POSITION: Der Neubau formt zusammen mit dem alten Atelierhaus und dem Ausstellungsgebäude von Arch. Johannes Spalt eine zur Strasse offene (und öffentliche) Hofsituation; die bestehende Zufahrt ist Tangente an der Grundplatte unseres neuen Gebäudes.

DIE GRUNDFLÄCHE: Der Ei-Grundriss ist ein Kreis.
Nachdem die umgebende Landschaft von den skulpturalen Plastiken des Bauherrn dominiert wird, wollen wir unser Gebäude klar der Architektur zuordnen und wählen so für den Grundriss das Quadrat. Zusätzliche Motivation dazu finden wir im quadratischen Grundriss des Mühlenturms am anderen Ende der Mühle.

DIE ANORDNUNG : Eine weitere Besonderheit ist die Vegetation am Areal: es fehlen Büsche und Sträucher – bzw. was eigentlich als Strauch wachsen wollte wie z.B. der Holunder im Hof, hat der Bildhauer zu einem Baum erzogen. Die Bäume aber lassen eine „Sichtschicht“ von zumindest 2 m vom Boden bis zum Beginn ihrer Kronen frei, so dass fast überall am Gelände, wo keine Architektur im Weg steht, der Blick in die umgebenden Weingärten führt – für uns Anlass, das Gebäude vom Boden abzuheben.

DIE FORM: Da viele Exponate bemalt sind und somit nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden dürfen, stülpen wir ein Zeltdach mit heruntergezogenen Rändern zum Schutz über den künftigen Inhalt.
Ein Abstand zwischen Dach und Galerieebene ermöglicht durch Reflexion die indirekte Beleuchtung des Obergeschosses mit ausreichend Tageslicht.

DAS TRAGWERK: Der Vorstellung der maximal freien Sichtschicht und der Sehnsucht nach Leichtigkeit kommt eine weitere und schließlich tragende Überlegung zugute: die meisten Kreaturen, die Eier legen, wie sie Bertoni sammelt, haben nicht 4 sondern 2 Beine – das wäre nur sehr aufwendig zu konstruieren. Da wir aber auch noch eine Stiege benötigen, um auf die Hauptebene zu gelangen, könnten wir diese als „heimliche“ dritte Stütze verwenden …

DER RAUM: Das Gebäude beherbergt 2 vollkommen unterschiedliche Innenräume: der untere, komplett verglaste, sucht und schafft extrovertiert die Verbindung zur Umgebung. Dabei dient das EG als Vitrine und wird so auch bei geschlossenen Türen Teil des Freilichtmuseums.
Der obere ist introvertiert und fördert die Auseinandersetzung mit seinem Inhalt.
Während unten die Eier gezeigt werden, die Sonnenlicht vertragen ( Steineier, Porzellaneier, etc.) sind oben die lichtempfindlichen untergebracht.

DIE INNENEINRICHTUNG: Alle von uns geplanten Möbel (Vitrinen, Regale und Schaukästen) sind derart mit dem Gebäude verbunden, dass sie den jeweiligen Fussboden nicht berühren. Ausnahme hiervon sind 2 Scheiben, die als Wandvorlage für Holzvitrinen des Tischlers Walter Loos aus der Sammlung Bertoni dienen und in denen zugleich die Elektroverteiler untergebracht sind.
Alle Elemente sind modular aufgebaut, so dass sie erweiterbar sind und so das gewünschte Wachsen der Sammlung ermöglichen.

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DAS MATERIAL: Außen überwiegt – entsprechend der Nachbarschaft – das Kupfer der Dacheindeckung gefolgt von den Verbundglasscheiben der Vertikal- und der Schrägverglasung. Für die Glasstöße haben wir Silikonprofile entwickelt, die nicht – wie bei einer Nassverglasung mit Silikon – als Wartungsfugen gelten.
Die Stahlbetonfundamentplatte wurde als gleichzeitiger Fertigfussboden flügelgeglättet und geht in einem Stück als verbindendes Element von außen nach innen durch.
Innen dominiert die Farbe weiß in satt-matter Ausführung, um den überwiegend sehr kleinen Exponaten einen maximal ruhigen Hintergrund zu geben. Einzig der Fußboden auf der Galerie macht hier eine Ausnahme: weit entfernt von den Eiern ist er aus Riemen von Lärchenschichtholzplatten und fließt zwischen den Stahlwangen der Stiege in Form von Treppenstufen bis hinunter zum Stahlbeton.

DIE NACHHALTIGKEIT: Da sowohl große Hitze wie auch extreme Kälte der Sammlung nichts anhaben kann und die bestehende Nachbarschaft alle notwendigen sanitären Einrichtungen enthält, konnten wir auf jegliche HKLS verzichten, wodurch das Gebäude keine Energie verbraucht. Einzig die Stromversorgung für die Beleuchtung könnte hier eine Ausnahme machen, jedoch hat sich herausgestellt, dass die natürliche Belichtung selbst bei bedecktem Himmel sogar im Dachgeschoss völlig ohne künstliches Licht auskommt.
Mit seiner Fertigstellung endet also im wesentlichen auch die Umweltbelastung des Bauwerks.

Wirklich nachhaltig erscheint uns aber seine Bedeutung:
Anlass und Ziel aller Bemühungen im Zusammenhang mit der Entwicklung dieses Projekts ist die Unterbringung und die Präsentation einer Sammlung – also schon das zentrale Thema an sich dreht sich hier um eine Wertschöpfung, die durch das Zusammentragen von bereits Existierendem entsteht und deren Ziel es ist, auch für die Zukunft anderen zur Verfügung gestellt zu werden. Wir haben dieser Idee in diesem Kontext die adäquaten Formen, Konstruktionen und Materialen zur Verfügung gestellt.
Oder mit den Worten einer Mitarbeiterin von uns gesagt:
„gute Architektur ist überhaupt das Nachhaltigste, was man bauen kann“

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