Renovierung Pfarrkirche St. Ulrich

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Address
Hauptstraße 15, 6840, Götzis
Year
2008

Auftraggeber

Pfarrei St. Ulrich

Planung

Arch. DI Christian Lenz

DI Philipp Berktold

DI (FH) Gerhard Matt

DI Michael Päsler

Neubau

Fotos

Bruno Klomfar



Situation: Die Pfarrgemeinde Götzis besteht aus ca. 7.600 Katholiken. In der Pfarrkirche mit ca. 900 Sitzplätzen finden in der Regel wöchentlich ca. zwei Gottesdienste mit jeweils ca. 200 bis 300 Besuchern statt. Die Situation einer voll belegten Kirche tritt in der heutigen Zeit nur zu den hohen kirchlichen Feiertagen bzw. zu bestimmten Anlässen wie Erstkommunion und Firmung auf. Der Kirchenraum entspricht heute nicht mehr ganz den Vorstellungen der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils. Vor allem das Gemeinschaftserlebnis, die aktive Mitfeier der Gottesdienstbesucher kommt zu kurz. Die Neugestaltung der Kirche soll das Miteinander von Priester und Gemeinde fördern, räumliche Barrieren abbauen und die Gemeinde näher zusammenbringen. Ziel sollte sein, dass die architektonischen Eingriffe ein gewisses Maß an Flexibilität des Kirchenraums ermöglichen.

Wettbewerb: Seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Pfarre Götzis mit einer Renovierung der so genannten Neuen Pfarrkirche. Der Kirchenraum kann immer weniger der Pfarre Heimat für die liturgischen Feiern bieten und ist durch ihren düsteren Charakter kein Ort individuellen Gebets.

Nach einem Studentenwettbewerb im Jahr 2003 wurde die Diskussion in der Pfarre über die Kirche intensiviert. 2004 wird ein Gutachterverfahren in Form eines geladenen Wettbewerbes ausgeschrieben, aus welchem das Projekt vom ArchitekturBüro DI Christian Lenz ZT GmbH  als Gewinner hervorging. 2005 erfolgt die Beauftragung für die Umgestaltung und Restaurierung der Pfarrkirche.

Leider konnte das im Wettbewerb vorgeschlagene aufgeständerte Tagescafé und die Jugendräume aus Kostengründen nicht verwirklicht werden.

Eine sehr schwierige Entscheidungsfindung war die Lösung für die natürliche Belichtung des Kirchenraumes. Mehrere Vorschläge wurden im Bauausschuss ausgearbeitet, diskutiert und bemustert. Durch das Versetzen der „Häuslefenster“ in die Ebene der Innenseite der Außenwand konnte ein sehr großer Tageslichteinfall erreicht werden. Diese Maßnahme wurde bemustert und vom Bauausschuss gutgeheißen und beschlossen. Dieser Vorschlag fand jedoch von Seiten des Bundesdenkmalamts keine Zustimmung.

Ebenso gab es politische und private Einsprüche bei der Diözese in Feldkirch.

Auch gegen die ausgeführten Lichtschlitze sind ebenfalls große Bedenken geäußert worden, diese haben nun aber größtenteils Zustimmung erhalten.

Aussenkonzept

Sakristei: Bezug nehmend auf das neu errichtete Sozialzentrum und den Park der Generationen rückt die Pfarrkirche St. Ulrich weiter ins Zentrum des Geschehens von Götzis. Die Ansicht von Osten wird zu einer Hauptansicht aufgewertet. Die proportional an die alte im Norden gelegene Sakristei angelehnte, jedoch neu ausformulierte Sakristei aus Sichtbeton ergänzt die Kirche zu einem Ganzen und erwirkt ein Beruhigung der gesamten Baugestalt.

Kirchplatz: Das Gestaltungskonzept für die Außenanlage sieht die Schaffung von eindeutig der Kirche zugeordneten neu gepflasterten Freiflächen vor. Diese sind gut in die umliegenden Flächen eingebunden und offen für die weitere Zentrumsgestaltung durch die Gemeinde. So ergibt sich ein von der Straße deutlich abgegrenzter erhöhter Kirchplatz, (von drei Seiten umgeben durch Betontröge, welche den Höhenversatz aufnehmen und durch klassische Begrünung mit Buchs und Lindenbaum bepflanzt sind) der durch diverse Einrichtungsgegenstände wie Sitz- bzw. Liegebank und Außenbeleuchtung eine hohe Aufenthaltsqualität erhält. Der neue Kirchplatz steht auch für erweiterte Formen der Liturgie – wie z.B. in der Osternacht oder für Agapen – zur Verfügung. Die Seiteneingänge in die Querschiffe und die Sakristei sind barrierefrei ausgeführt.

Die helle und strahlende Farbgebung vom Innenraum wird auch für die Außenfassade verwendet.



Innenkonzept:

Altarbezirk: Zentraler Leitgedanke bei der Renovierung der Pfarrkirche St. Ulrich ist die Konzentration auf den in der Vierung präzisierten liturgischen Raum. So ist der Altar genau in der Mitte des Altarbezirks positioniert und nimmt gleichermaßen Bezug auf alle ihn umgebenden Kirchenräume. Die Bankblöcke im Hauptschiff und in den Querschiffen ermöglichen eine `circum-stantes Lösung´ mit der `tätigen Teilnahme´ der Gemeinde. Hierzu sind die Seitenaltare in die Querschiffe verlegt, der Boden des Chors und der Apsis auf 56cm abgesenkt und das dort befindliche Sgraffito verkleidet worden. Die Dreischiffigkeit des neuromanischen Baues wird durch die neu zugeordneten Funktionen und Abläufe betont.

Bankmittelblock: Die Kirchenbesucher sind in Form von Bankmittelblöcken im Hauptschiff und den Querschiffen (im Chorraum lose Bestuhlung für diverse Aktivitäten) jeweils an jenen Orten mit den besten akustischen und visuellen Bezügen zum Altarbezirk konzentriert. Die kubisch gestaltete Sitzbank aus Eichenholz, mit ihrem vorgelegten kleinen Pendant der Kniebank, erzeugt in ihrer Wiederholung zusammen mit dem unter den Bänken befindlichen Eichenboden eine der Raumgröße entsprechende inselartige Atmosphäre zum Verweilen.

Umgang: Im einladenden Umgang, der zur Durchwanderung des gesamten Kirchenraumes vom Haupteingang entlang der Seitenschiffe, durch den Chor bis in die Apsis anregt, befinden sich die mit Worten versehenen sieben Sockelflächen des deutschen Künstlers Franz Erhard Walther. Sie sind flächenbündig in die großformatigen Solnhofnerplatten eingelassen und ergänzen bzw. bereichern diese Zone thematisch.

Lichtlinien: Zusätzlich unterstrichen und differenziert wird diese Raumzone durch die belichtungsflächenmässig minimale Intervention der Lichtlinien. Diese dienen der natürlichen Belichtung der Bewegungsflächen, und begleiten den Besucher durch den gesamten Kirchenraum. Aufgrund der enormen Mauerstärke kommt dabei dem an den Leibungsflächen reflektierten Licht eine besondere Bedeutung zu. Außerdem verhindert ihre leicht asymmetrische Lage zu den künstlerisch wertvollen Bleiglasfenster – gestaltet vom Künstler Martin Häusle - jegliche Konkurrenz.

Im Bereich des Hauptschiffs erwirken sie den atmosphärischen Sprung zum sinnlich gedämpft dämmrigen Raum.



Materialisierungskonzept:

Ausgehend von der in massiver Bauweise errichteten Kirche und den darin vorgefundenen Einrichtungsgegenstände leitet sich folgendes Materialisierungskonzept ab:

Lediglich drei verschiedene, miteinander harmonierenden Materialien Stein (Solnhofner), Holz (Eiche) und Metall (Bronze) erzeugen ein stimmiges und klares Materialisierungskonzept.

Stein: Die Bodenflächen des Kirchraumes, des Raumes der Gastfreundschaft und der Sakristei wurden durchgängig mit geschliffenen 50 x 50 cm großen Solnhofer Platten schachbrettartig verlegt.

Holz: Unter den Kirchenbänken ist ein massiv geölter Eichendielenboden verlegt worden. Die Emporenerweiterung, die für den Kirchenchor ebenfalls in massiver Eichenholzkonstruktion errichtet wurde, ragt wie eine ausgezogene Schublade in den Kirchenraum.

Die Kirchenbänke, der Beichtstuhl, die Sedilien und die lose Bestuhlung in der Apsis wurden in massiv geölter Eiche erstellt.

Bronze: Bezogen auf den bestehenden Altar in Travertin, gestaltet vom Künstler Herbert Albrecht aus Wolfurt, wurden die von mir entworfenen liturgischen Einrichtungen wie Tabernakel, Ambo, Taufstein, ewiges Licht, Weihwasserbecken, Opferstöcke in einer Kombination von Travertin und Bronze gewählt.

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