Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing

Stadtkrone für Poing

meck architekten
9. January 2019
Das neue Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing bei München (Bild: Florian Holzherr)
Meck Architekten haben kürzlich das Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing fertiggestellt. Andreas Meck und Axel Frühauf beantworten unsere Fragen zum Projekt.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Eine neue Kirche zu bauen ist eine besondere Herausforderung und zählt heute zu den äußerst seltenen Bauaufgaben. Die neue Kirche, als Solitär konzipiert, entfaltet mit ihrer differenzierten Dachlandschaft skulpturale Kraft. Durch Form und Höhe dominiert sie die städtebauliche Situation und wird zum identifizierbaren Zeichen für Poing und zur weithin sichtbaren Stadtkrone.
Kirchenraum mit Raumkrone (Bild: Michael Heinrich)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Die Inspiration für das Projekt ist ein Kristall – ein Bergkristall. Seine religiöse und spirituelle Bedeutung ist seit jeher die eines Lichtsteins, der Reinheit und Glaubensstärke symbolisiert. Man findet diesen besonderen Edelstein vor allem in Gruppen aus in unterschiedliche Richtungen weisenden Stäben. Naturbedingt ist jeder Stein ein Unikat, das je nach Einfall der Sonne unterschiedlich schimmert.
Kirchplatz (Bild: Florian Holzherr)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Das neue Kirchenzentrum besetzt eine städtebaulich wichtige Stelle in unmittelbarer Nähe zu Bürgerhaus, geplantem Rathausstandort und evangelischer Kirche. Die neue Ortsmitte ist Bindeglied zwischen dem neuen nördlichen und dem alten südlichen Ortsteil. Sie bildet den Auftakt eines nach Nordwesten verlaufenden großen Grünzuges mit einem naturnah gestalteten Weiher in unmittelbarer Nähe des Grundstücks. Die neue Kirche ordnet mit ihrer skulpturalen Form wie ein Schlussstein die städtebaulich äußerst sensible Situation an der Schnittstelle zwischen Grünzug und Ort. Der Entwurf greift dabei die unterschiedlichen Wegebeziehungen zwischen Landschaft und Stadt auf und führt sie auf dem Kirchplatz zusammen, der sich als öffentlicher Ort einladend zum Straßenraum präsentiert.
Kirchenraum mit Raumkrone (Bild: Michael Heinrich)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Die Basis der Kirche ist als massiver Sockel aus Nagelfluh – dem typischen Konglomeratstein der oberbayerischen Schotterebene, der im bayerischen auch als „Herrgottsbeton“ genannt wird – gemauert. Dies soll dem Gebäude den Anschein verleihen, aus dem Boden zu wachsen.
Darüber erhebt sich als prägendes und identifizierbares Zeichen der neuen Pfarrkirche die bewegte, mit weißen Keramikkacheln bekleidete Dachlandschaft.
Die besondere plastische Gestaltung der Keramikkacheln ist dem Lichtraumprofil des Kirchenraumes entlehnt und erzeugt mit ihrer stark differenzierten Geometrie eine mannigfache Lichtbrechung. Mit dem Licht spielend wird die Dachlandschaft so zur kristallinen ‚Stadtkrone’ der Gemeinde Poing. Die Differenzierung zwischen der weißen Raumkrone und dem steinernen Boden und Wandsockel thematisiert die Vorstellung von Himmel und Erde, von Transzendenz und Immanenz, in deren Spannungsfeld der Kirchenraum verortet ist.
Detail (Bild: Michael Heinrich)
Schwarzplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer, Poing
2018

Gebrüder-Asam-Straße 2
85586 Poing

Auftragsart
Wettbewerb, 1. Preis

Bauherrschaft
Katholische Kirchenstiftung St. Michael
vertreten durch Erzbischöfliches Ordinariat München

Architektur
meck architekten gmbh, München
Andreas Meck, Axel Frühauf
Projektleitung: Wolfgang Amann, Tobias Jahn
Mitarbeiter: Martina Frieling, Stefan Zöls, Benjamin Nejedly, Carlos Wilkening

Fachplaner
Tragwerksplanung: haushofer ingenieure, Markt Schwaben
Gutachter Keramikfassade: Ingenieurbüro Schießl Gehlen Sodeikat, München
Bauphysik: IBN Bauphysik Consult, München
Brandschutzplanung: K33 Architekten, München
HLS-Planung: Planunion, München
Elektroplanung: bbs-project Tiefenbach
Akustikplanung: Müller-BBM, Planegg
Lichtplanung: luna.lichtarchitektur, Karlsruhe
Freiraumgestaltung: lohrer.hochrein landschaftsarchitekten, München

Ausschreibung und Bauleitung
Rudolf+Sohn Architekten, München
Herr Rudolf

Ausführende Firmen
Baumeisterarbeiten: Baugesellschaft Gebr. Rank GmbH & CO, München
Fassadenarbeiten: Degen + Rogowski GmbH, Herzogenrath
Schreinerarbeiten: Schreinerei Pettmesser GmbH & Co. KG, Oberhausen
Naturstein- und Fliesenarbeiten: F. X. Rauch GmbH & Co. KG, München
Metall- und Kunstschlosserarbeiten: Metallbau Böhm GmbH, Eichstätt; Kunstschmiede Bergmeister, Ebersberg

Hersteller
Innenputz: Jacob Schnitzer & Sohn, Augsburg/München 
Türtechnik: Dormakaba, Rümlang
Schalter: Albrecht Jung, Schalksmühle

Energiestandard
Nach dem Gesetz zur Einsparung von Energie in Gebäuden (Energieeinsparungsgesetz - EnEG) Paragraph 4, Absatz 1, Nr. 7 fällt ein Gebäude was zu religiösen Zwecken dient unter die Sonderregelung und unterliegt somit nicht der Energieeinsparverordung (EnEV).

Bruttogeschossfläche
1.900 m²

Gebäudevolumen
Bruttorauminhalt 15.300 m³

Gesamtkosten
netto 12.339.487 €

Fotos
Michael Heinrich, München
Florian Holzherr, München

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