Farbenfroh strukturiert

 Carsten Sauerbrei
26. September 2017
Die fließenden Formen und intensiven Farben des Klinik- und Forschungsneubaus sollen naturnah und phantasieanregend wirken. (Bild: FSK - S. Deiters)
Das Anfang September eingeweihte «Johanna Quandt Zentrum für Pädiatrische Stammzelltransplantation und Zelltherapie» in Frankfurt/Main fällt wohltuend durch seine organisch geschwungene, intensiv farbige und stark strukturierte Fassade auf.
Nutzen Architekten in großem Umfang Farben bei Entwurf und Gestaltung dann kann dies aus vorwiegend ästhetischen Gründen geschehen, so wie bei den hier unlängst vorgestellten Gebäuden des Vereins SOS-Kinderdorf Berlin und der DAW-Gruppe. Ein anderer Grund für eine farbenfrohe Architektur ist oft, die Phantasie der Nutzer anzuregen. Mit dieser Absicht setzten zum Beispiel wulf architekten beim «Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen» Farbe ein, auch um damit zur Genesung der Patienten beizutragen. Das gleiche Ziel verfolgten die Frankfurter Architekten wörner traxler richter beim Anfang September eingeweihten «Johanna Quandt Zentrum für Pädiatrische Stammzelltransplantation und Zelltherapie» mit der Fassadengestaltung des organisch geformten Klinik- und Forschungsneubaus.
Putz auf das WDVS in Besenstrichform aufgebracht , ein Bossenmuster und eingeschnittene Riefen sollen Assoziationen an Baumrinde wecken. (Bild: wörner traxler richter)
wörner traxler richter, die schon 2002 und 2004 zwei unmittelbar benachbarte Gebäude im Südwesten des Klinikums der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main planten, transformieren mit dem aktuellen Neubau ein weiteres Mal den schon damals entwickelten Entwurfsansatz «der eigenständigen Anlage der Kinder- und Jugendklinik im Grünen mit Eisenbahnblick». Durch den organisch geschwungenen und die Bestandsgebäude teilweise umfließenden Baukörper integrieren sie den nur noch vereinzelt vorhandenen Baumbestand auf dem Gelände und machen das Thema organisches, naturnahes Wachsen zum Schwerpunkt ihrer Gestaltung. An Stelle einer exotischen Frucht, dem Leitmotivs des 2004 errichteten Gebäudes, sind diesmal Baumscheiben Vorbild für Form und Gliederung des Baukörpers, der von der Außenhülle bis zur innersten Gebäudezone den Aufbau einer Baumscheibe von der Rinde bis zum Kern abbilden soll.
Eine vorwiegend sachlich-nüchterne Gestaltung mit dennoch attraktiven Aus- und Einblicken prägt das Gebäudeinnere. (Bild: wörner traxler richter)
Der Fassade des Klinik-Neubaus wiesen wörner traxler richter die Aufgabe zu, identitätsstiftend zu wirken und einen sanften Übergang zwischen Außen- und Innenraum zu generieren. Die Gestaltungsmöglichkeiten bei Verwendung eines Wärmedämmverbundsystems reizten sie dabei bauphysikalisch und technisch aus. Mit der Tiefenstaffelung der Fassadenstruktur, den eingeschnittenen Bossen und dem in Besenstrichform aufgebrachten Putz wecken sie bewusst Assoziationen an Baumrinde und unterstützen damit das Leitmotiv. Abstrakt gesetzte, tief eingeschnittene Fensterbänder sollen eher wie Riefen in der Rinde und weniger als Belichtungsöffnungen wirken. Schade nur, dass im Inneren des Klinik- und Forschungsneubaus die anregende Außengestaltung einer stärker sachlich-nüchternen Formensprache weicht, die nur noch vereinzelt auf naturnahe Muster, Farben, Materialien setzt.
Die organisch geformten Baukörper integrieren den vorhandenen Baumbestand und orientieren sich in Form, Aufbau und Gestaltung an Baumscheiben. (Modellfoto: wörner traxler richter)

Related articles

Featured Project

plandrei Landschaftsarchitektur

Neue Mitte Hallstadt

Other articles in this category