Hybride Erweiterung

 Carsten Sauerbrei
8. December 2017
Mit massivem Erdgeschoss und bronzefarben verkleidetem Obergeschoss evoziert die neue Sporthalle das Bild eines traditionellen Hauses der Voralpenregion. (Bild: Stefan Müller-Naumann, München)
Zu Beginn des laufenden Schuljahres wurde im bayrisch-schwäbischen Affing-Bergen die neue Doppelsporthalle der Realschule, inklusive Flächen für den Ganztagsbereich von Schwinde Architekten München eingeweiht.
Zeitgenössische Architektur hat es im ländlichen Raum oft noch schwerer als im städtischen Kontext. Dort ist es häufig besonders wichtig, eine moderne Gestaltung mit einem meist immer noch homogenen Ortsbild und den lokalen Bautraditionen in Einklang zu bringen. Nicht anders stellte sich die Situation im 10 km nordöstlich von Augsburg gelegenen Ortsteil Bergen der Gemeinde Affing für das Münchner Büro Schwinde Architekten dar, als sie den Auftrag für die Erweiterung der bestehenden Realschule um Doppelsporthalle und Flächen für den Ganztagsbetrieb bekamen.
Neben Sichtbeton war Holz das zweite, wichtige Baumaterial. (Bild: Stefan Müller-Naumann, München)
Dem Bild des traditionellen Hauses in dieser bayrisch-schwäbischen Voralpenregion entsprechend besitzt der neue Erweiterungsbau ein massives Erdgeschoss mit einem darüber liegendem, vom Holzbau geprägten Obergeschoss, abgeschlossen durch ein flaches Satteldach. Den zweigeschossigen Baukörper platzierten Schwinde Architekten nordwestlich des Bestandsgebäudes und verbanden ihn über einen gläsernen Steg mit der Ringerschließung der Realschule. Ganztagsschüler erhalten damit einen trockenen Übergang zum Speisesaal. Die Basis des Neubaus bildet eine zur Hälfte in den Hang eingegrabene Sichtbetonkonstruktion, die - direkt gegenüber vom Bestand liegend - nur durch den großzügig verglasten Eingangsbereich unterbrochen wird.
In den Umkleiden setzten die Architekten bewusst Farbakzente. (Bild: Stefan Müller-Naumann, München)
Auch im Inneren des Gebäudes ist Sichtbeton eines der dominierenden Materialien, das sich im Treppenhaus, den Umkleiden sowie in der Doppelhalle und im Ganztagsbereich findet. In der Halle setzten die Architekten außerdem auch Holz als traditionelles, regionales Baumaterial ein, u.a. bei Prallwand und Brettschichtbindern. Die «Kombination aus wirtschaftlichen Konstruktionsprinzipien und einer modularen Bauweise im Ausbau mit einfachen, umweltfreundlichen Materialien» lege die Verwendung von Holz nahe, erläutern die Architekten. Parkettfußböden, eine Weißtannendecke und Einbaumöbel aus Holz finden sich darüber hinaus auch im Ganztagsbereich und sollen dort eine wohnliche Atmosphäre garantieren.
Die Verwendung von Holz bei Fußboden, Decke, Möbeln soll den Ganztagsbereich wohnlich wirken lassen. (Bild: Stefan Müller-Naumann, München)
Dank der klaren Struktur und Geometrie der Innenräume und der bewussten Materialkombination Sichtbeton, Holz bewahrt die Innenraumgestaltung das fragile Gleichgewicht zwischen Tradition und Moderne. Auch im Äußeren gelingt Schwinde Architekten mit der präzisen Geometrie des neuen Baukörpers, der bronzenen, an Holz erinnernden Bekleidung des Obergeschosses aus robustem, langlebigen stranggepresstem Aluminium sowie mit dem flachen, unregelmäßig geneigten Satteldach ein Anknüpfen an die lokale Bautradition bei gleichzeitig gelungen zeitgenössischer Gestaltung.

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