Neue Nationalgalerie auf Eis

Elias Baumgarten
5. December 2019
So hätte das Museum von SANAA aussehen sollen. Es wird nicht gebaut. (Visualisierung: SANAA/Pelaga)

Gergely Karácsony, Budapests frischgebackener grüner Oberbürgermeister, hat den Bau der Neuen Nationalgalerie von SANAA gestoppt. Das Projekt hätte die 200 Jahre alte Parkanlage Varosliget zu sehr in Mitleidenschaft gezogen und viel wertvolle Grünfläche gefressen, so seine Begründung. Zugleich torpediert Karácsony mit der Entscheidung ein Prestigeprojekt von Premier Viktor Orbán.

Grünflächen sind rar in Budapest. Dennoch sollten im historischen Stadtwäldchen mehrere Museumsbauten entstehen – das größte Kulturbauprojekt Europas. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat Gergely Karácsony, neuer Oberbürgermeister der Stadt, nun dem Druck aus Teilen der Bevölkerung nachgegeben und alle noch nicht begonnen Bauvorhaben gestoppt. Davon auch betroffen ist die Neue Nationalgalerie aus der Feder des japanischen Büros SANAA, mit deren Bau 2020 hätte begonnen werden sollen. Objekte wie das sogenannte »Haus der Ungarischen Musik« (Sou Fujimoto), die sich schon im Bau befinden, werden indes fortgesetzt. SANAAs Museum ist derweil noch nicht ganz vom Tisch: Gerüchten zufolge soll ein anderer Bauplatz gefunden werden. Kritiker*innen sagen, dass hierfür aber eine Überarbeitung des Entwurfs und vielleicht sogar ein neuer Wettbewerb nötig wären. Ungarns Regierung bekannte unterdessen gegenüber dem Arts Newspaper, man wolle keine Entscheidung gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen und hoffe auf einen »normalen Dialog im Geiste der Partnerschaft«.

Gergely Karácsony begründet seine Entscheidung damit, dass mit den knappen Grünflächen in Budapest sorgsam umgegangen werden müsse. Die Museumsbauten hätten seinem Dafürhalten nach zu viel davon gefressen. Die Befürworter*innen des Projekts halten entgegen, die Bauten hätten über Parkplätzen und auf den Grundstücken existierender, einzureißender Objekte entstehen sollen. Sie behaupten ferner, die Grünflächen wären unter dem Strich sogar leicht gewachsen. 

Bemerkenswert ist an dieser Stelle auch, dass es sich bei den Museen, wie bereits angetönt, um ein Prestigeprojekt Viktor Orbáns und seiner nationalkonservativen Regierung handelt. Es scheint, dass das Vorhaben nicht nur Brennpunkt einer ökologischen Debatte um den wichtigen Schutz innerstädtischen Grünraums ist, sondern auch Spielball in einem Machtspiel zwischen politischen Gegnern.

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