Neubau „Grünes Erlebniszentrum im Luisenpark“ in Mannheim

Projektspezifische Architektur

Bez+Kock Architekten
9. January 2019
Panorama
Bez+Kock Architekten mit Koeber Landschaftsarchitektur gewinnen den Wettbewerb um den Neubau „Grünes Erlebniszentrum im Luisenpark“ in Mannheim. Martin Bez stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.
In Mannheim soll der Luisenpark zu einem „Grünen Erlebniszentrum“ qualitativ und nachhaltig weiterzuentwickelt werden. Welche Bedeutung hat der Wettbewerb für Mannheim?
Den Luisenpark kennt in der Region Mannheim /Heidelberg fast jedermann als beliebtes Ausflugsziel für Jung und Alt. Er zählt jährlich etwa 1,2 Mio Besucher. Die Verknüpfung einer üppig durchgrünten Parklandschaft, durchzogen von einem feinmaschigen Fußwegenetz, einem weitläufigen See und der eingestreuten Präsentation ganz unterschiedlicher Tierarten machen Ihn zu einem sehr wertvollen Erholungsraum im Rhein-Neckar-Raum. Die baulichen Elemente innerhalb des Parks entstanden zu großen Teilen im zeitlichen Zusammenhang mit der Bundesgartenschau 1975 und entsprechen somit nicht mehr den heutigen Anforderungen. Nun bietet die anstehende Bundesgartenschau 2023 die Gelegenheit dem Bereich rund um das südliche Ende des Kutzerweihers ein neues, zeitgemäßes Gesicht zu geben. So kann der Luisenpark auch für die kommenden Generationen seiner Rolle als Ort für Freizeit und Erholung gerecht werden. Für uns als Planer zeigt sich die Bedeutung des Wettbewerbs insbesondere an dem sehr großen Interesse an unserem Entwurf, welches uns seitens Presse und Öffentlichkeit entgegen schlägt.
Bestand Kutzerweiher
Welche Antworten gibt Ihr Entwurf auf die Frage, die der Wettbewerb stellt?
Derzeit befindet sich an zentraler Stelle auf dem Baufeld ein sehr unansehnlicher Wirtschaftshof, umgeben von mehreren Wirtschaftsgebäuden, der nun an den Rand des Luisenparks verlegt wird. Dadurch wird es möglich diese derzeitige no-go-area für die Besucher zu erschließen, so dass aus der bisherigen Rückseite eine Vorderseite werden kann. Alle Neubauten orientieren sich zum mittig gelegenen Kutzerweiher und profitieren von der reizvollen Aussichtssituation. Das Raumprogramm der Baumaßnahme ist sehr vielfältig. Es umfasst neben einer Grünen Schule, einem Freizeithaus, mehrere Gastronomiebereiche, einen Shop, sowie den Neubau von Vogelvolieren, einer Pinguinanlage, eines Aquariums und eines Insektariums. Unser Ziel ist es, diese vielfältigen Funktionen mit einem durchgängigen gestalterischen Leitbild zu realisieren, so dass ein Ensemble von hohem Wiedererkennungswert entstehen kann.
Modell
Wie organisieren Sie das „Grüne Erlebniszentrum im Luisenpark“? 
Zunächst einmal fällt es dem Architekten schwer ein solch umfangreiches Raumprogramm in diesen wunderschönen Landschaftspark einzusetzen, ohne dass die Baulichkeiten die Landschaft zu sehr dominieren. Unsere Strategie war es deshalb dieses Raumprogramm in einem ersten Schritt auf mehrere eingeschossige Pavillons aufzuteilen. Durch die gewählte Eingeschossigkeit bleibt die Dachkante unterhalb der Baumkronen. Der zweite Schritt war die Wahl einer frei geschwungenen Formensprache. Die Weichheit der Grundrissformen ermöglicht es, an jeder Stelle auf die vorgefundenen Elemente wie Topographie, Uferlinie oder Vegetation sehr flexibel zu reagieren. Dies wäre mit einer orthogonalen Struktur sehr viel schwieriger gewesen. In einem dritten Schritt haben wir dann die Kontur der Pavillons von der Kontur der Dächer gelöst. Dadurch entstehen gut nutzbare überdeckte Freibereiche, die verglasten Fassaden treten in den Hintergrund. Innen und Außen gehen fließend ineinander über. Die Baulichkeit tritt zurück und wird Bestandteil der Parklandschaft. Ein weiterer Vorteil der amöbenförmigen Pavillons ist, dass diese zunächst einmal allseitig sind, also keine unattraktiven Rückseiten ausbilden, sondern allseitig vom Park umspült werden.
Grundriss Erdgeschoss
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?
Das Projekt im Luisenpark Mannheim ist für uns ein ganz besonderes Projekt, welches sich von allen anderen Arbeiten unseres Büros deutlich unterscheidet. Wir sind aber davon überzeugt, dass unser Ansatz der passende für diesen Ort und diese Aufgabe ist. Deshalb wollen wir uns voller Neugierde auf den spannenden und herausfordernden Weg begeben, hier eine in höchstem Maße projektspezifische Architektur zu realisieren.

Ziel unseres Ansatzes ist es möglichst kein Gebäude im klassischen Sinne zu planen, sondern eigentlich nur ein sehr filigranes Dach, welches auf sehr dünnen Stützen ruht. Die darunter angeordneten Pavillons sind mit größtmöglicher Transparenz konzipiert. Die gewählten Formen mögen beim ersten Betrachten beliebig erscheinen. Beim näheren Hinsehen wird man jedoch erkennen, dass die Konturen der Dächer und Pavillons vorhandene Wegebeziehungen und Sichtachsen des Ortes aufgreifen und diese miteinander verknüpfen. Ein wesentliches Anliegen unseres Konzeptes ist es, dem Flaneur und Besucher ein abwechslungsreiches Wegenetz zu bieten, bei dem Baulichkeit und Landschaft eng miteinander verwoben sind. So sind auch die beiden großen Volieren in das Passepartout eines umlaufenden Daches eingearbeitet.

Eine Ausnahme von diesem gestalterischen Leitbild bildet das Aquarium, welches wir unter Ausnutzung der Topographie in den Hang eingelassen haben. Durch eine Stützmauer aus Naturstein hindurch betritt der Besucher hier eine dunkle Grotte, deren einzige Lichtquelle die farbig leuchtenden Aquarien sein werden.
Freizeithaus, Gastronomie
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Um die Beeinträchtigung der Besucher durch die laufenden Baumaßnahmen gering zu halten ist eine Realisierung in insgesamt vier Bauabschnitten vorgesehen. Hiervon sollen die ersten beiden Bauabschnitte (Grüne Schule, Freizeithaus, Gastronomie, Shop, Aquarium, Volieren) zur Bundesgartenschau 2023 fertiggestellt sein. Danach werden dann die beiden verbleibenden beiden Bauabschnitte umgesetzt (Sanierung Pflanzenschauhäuser, Indoorspielplatz, Insektarium).
Lageplan
Neubau „Grünes Erlebniszentrum im Luisenpark“ in Mannheim
Nichtoffener Realisierungswettbewerb

Auslober/Bauherr: Stadtpark Mannheim gemeinnützige GmbH, Mannheim
Betreuer: Architekturbüro Thiele, Freiburg

Jury
Prof. Markus Neppl, Vors. | Mieke De Jonge | Klaus Elliger | Christa Fischer | Andreas Kaupp | Stephan Lenzen | Heike Röttgen | Prof. Dr. Anette Rudolph-Cleff | Markus Roeingh


1. Preis
Architekt: Bez+Kock Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart
Landschaftsarchitekt: Koeber Landschaftsarchitektur, Stuttgart

2. Preis
Architekt: Code unique Architekten, Dresden
Landschaftsarchitekt: RSP Freiraum GmbH, Dresden

3. Preis
Architekt: trint + kreuder d.n.a, Köln, Paris
Landschaftsarchitekt: Greenbox Landschaftsarchitekten, Köln, Düsseldorf, Stuttgart

4. Preis
Architekt: Henchion Reuter Architekten, Berlin, Dublin
Landschaftsarchitekt: Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden
Tragwerksplaner: EiSat GmbH, Eisenloffel, Sattler + Partner, Berlin
Szenograph: stories within architecture, Berlin

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