Boden für Alle

Der Boden ist unser kostbarstes Gut. Die Oberfläche der Erde ist endlich. Ein sorgloser oder rein kapitalgetriebener Umgang mit dieser Ressource hat in den vergangenen Jahrzehnten Gestalt und Funktion unserer Städte und Dörfer verändert.

Die fortschreitende Versiegelung von Boden trägt zur Klimakrise bei, während Spekulation mit und Hortung von Grundstücken das Wohnen verteuern, den öffentlichen Raum bedrohen und eine vernünftige Verkehrspolitik erschweren. Außerhalb der großen Zentren resultieren schwache beziehungsweise nicht angewandte Raumordnungsgesetze in einer Landschaft mit Einkaufszentren, Chaletdörfern und einem breiten Teppich an Einfamilienhäusern, während die Ortskerne veröden, das Verkehrsaufkommen explodiert und verlorene Ackerflächen die Ernährungssicherheit gefährden.

Doch es hat sich auch einiges bewegt in den letzten Jahren. Die Klimakrise und der Mangel an leistbarem Wohnen sind im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Verwaltung und Politik werden sich langsam ihrer Verantwortung klar und handeln, nicht zuletzt deshalb, weil der Kostendruck gestiegen und die Knappheit der Ressource Boden kein Abstraktum mehr ist. Dort, wo der Druck am stärksten war, werden bereits neue Herangehensweisen und Instrumente erprobt. Ein guter Zeitpunkt, um den Zustand des Landes zu analysieren, die drängendsten Problemfelder zu orten und verschiedene nationale wie internationale Modelle und Projekte auf ihre Tauglichkeit zu überprüfen.

Der Schlüssel zu einer umweltschonenden, gerechten und schönen Welt liegt zu unseren Füßen und bleibt doch im Alltag abstrakt. Mit der Ausstellung „Boden für Alle“ bringt das Architekturzentrum Wien auf verständliche und eindringliche Art und Weise Licht in die komplexen Zusammenhänge von Bodenpolitik, Raumplanung, wirtschaftlichen Hintergründen, sozialen Fragen und Klimazielen. Oft gehörte Begriffe wie Kompetenzverteilung, Finanzausgleich, Raumplanungsgesetze und Flächenwidmung, aber auch Mechanismen wie der Einfluss von Zinspolitik auf Bodenpreise oder der Zusammenhang zwischen Grundeigentum und Vermögensverteilung werden anschaulich erklärt. Denn ein tiefergehendes Verständnis der bodenpolitischen Zusammenhänge ist für die Wende zu einer klimagerechten und sozial gerechten Weiterentwicklung unserer Gesellschaft unabdingbar. Die Ausstellung bereitet den Boden dafür.

Kuratorinnen: Karoline Mayer & Katharina Ritter, Az W
Assistenz: Christina Kirchmair

Boden für Alle: Verbaute Erde - Parkflächen statt Ackerland © ÖHV
When
19 November 2020 to 5 April 2021
Where
Architekturzentrum Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien
Organizer
Architekturzentrum Wien
Link
www.azw.at

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