Gemeindepavillon Anif

Anif
Photo © Klomfar & Sengmüller
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Architects
thalmeier architektur ZT Gmbh
Location
5081 Anif
Year
1995
Cost
Undisclosed
Stories
1-5 Stories
Client
öffentlich

Der universellste architektonische Ort ist heute Suburbia. Ein Konglomerat aus Bauernhöfen, Wohnsiedlungen, Tankstellen und Supermärkten durchsetzt von den Restflächen der Bodenverwertung hat die Idee der dörflichen Mitte eines besseren belehrt. Was wir als Auflösung klassischer städtischer und dörflicher Strukturen erleben, ist in Wirklichkeit Ausdruck einer neuen gesellschaftlichen Verfassung. Der Entwurf des Gemeindepavillons in Anif bei Salzburg kann als Interpretation und Korrektiv dieser Entwicklung verstanden werden.
Anif, eine Kommune am südlichen Stadtrand Salzburgs, gilt gemeinhin als privilegierter Villenstandort. Der Neubau des Gemeindepavillons thematisiert dieses Image, indem er die eingangs beschriebene Problemstellung nicht außer Acht lässt. Form und Charakter des Bauwerkes erschließen sich eher über abstrakte Kategorien als über direkt sichtbare lokale Bezüge. Die den Ort durchschneidende Bundesstraße stellt eine markante Zäsur dar. Grundstücke entlang dieser Durchzugsschneise erfahren durch ihre Imissionsbelastungen eine Wertminderung und werden zu innerdörflichen Brachen.
Der Entwurf von Karl Thalmeier hat vollkommen undramatisch etwas Richtiges und Notwendiges vorgeschlagen: Die unterzubringenden Funktionen, wie Arztpraxis, Vereinsräume und einige Stellplätze für Pkw wurden linear, in einem parallel zur Bundesstraße situierten Baukörper angeordnet. Die Verkehrserschließung legte er zwischen Bundesstraße und neues Gemeindehaus. Dadurch konnte eine vorhandene Straße aufgelassen und ein zusammenhängender Park im Norden des Bauwerkes gestaltet werden. Die einfache Formel Gleiches mit Gleichem zu vergelten und das Bauwerk als Barriere gegenüber den verkehrsberuhigten Bereichen des Hofes zu positionieren, verdeutlicht ein städtebauliches Denken von geradezu biblischer Direktheit. Der Entwurf weist damit auf eine Qualität des Unmittelbaren hin. Im Hier und Jetzt probate Antworten zu geben, wird für die Zukunft der Architektur, sollte sie nicht zwischen globalen Wirtschaftsinteressen und niveaulosen Zipfelmützendebatten aufgerieben werden, von Bedeutung sein. Es ist dies der Wert komplexe Problemstellungen zu lösen und dabei die Analogisierung herrschender Verhältnisse zu vermeiden.
ZUR GESTALT - WIDERSPRUCH UND DIALEKTIK
Hierzulande sind die Menschen keine Puritaner. Deswegen stößt ein Gebäude, das aus wenig mehr als zwei Schachteln besteht, die unter ein beduinenzeltartiges Dach geschoben wurden, auf Misstrauen. Die protzige Bauweise der neutrachtigen Wirts- und Wohnhäuser der Nachbarschaft ist Zeugnis genug. So wird das Einfache, das Normale zum Widerspruch und fordert ihn heraus.
Ein Widerspruch überdies, der sich in Nutzung und Rezeption fortsetzt. Denn obwohl das Objekt von verschiedensten Gruppen und Vereinen, den Jugendlichen wie Senioren bestens angenommen wird, verhindert dies nicht, dass sich die öffentlichen Wortführer hinter dem Volant ihrer schweren Balkonbrüstungen abfällig äußern.
Die geschuppte Wand der Schachteln, die offene, gedeckte Abstellfläche und das leichte Dach erinnern an jene Scheunen und Viehunterstände, welche die Gestalt der Landschaft einst entscheidend prägten. Der Planer aktualisiert unbewusst ein Repertoire, das durch den ökonomischen Strukturwandel verdrängt wurde. Die Leichtigkeit und Durchlässigkeit des Gebäudes steht damit nicht in Analogie zum Charakter der massiven Bauten des Ortes, sondern erinnert an seine verdrängte Geschichte.
Dieses dialektische Prinzip setzt sich im Bezug auf den städtebaulichen Ansatz fort. Thalmeier verstärkt niemals das herrschende, sondern er relativiert es. Denn was wäre nahe liegender und gleichzeitig einfältiger gewesen, als den Riegel zur Straße als Wall auszubilden.
Er entzieht sich der modischen Attitüde, indem er ein horizontales Oberlichtband, das um das ganze Gebäude läuft, vom Dach absetzt.
Mit dieser Haltung ergibt sich die wohltuende Unaufdringlichkeit des Gebäudes. Es sucht nicht die Monumentalität, sondern es wirkt vielmehr als Vermittler, als zeitlich und räumlich durchlässige Zone.
An seinen interessantesten Stellen wirkt es wie das Set aus einem Road-Movie und würde damit all jener trauten Heimatverbundenheit Recht geben, die da sagt, das könnte ja überall stehen, nur eben nicht bei uns. Aber genau das tut es. Es steht hier und es löst entgegen seiner Dimension das Bild von einer großen Weite aus.
Roman Höllbacher
ARCHITEKTUR & BAUFORUM Nr. 194

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