Im Takt aus der Reihe getanzt

juri troy architects
10. septiembre 2021
Foto: Juri Troy

Juri Troy hat mit seinem Team ein Haus in Tulln entworfen. Er erklärt, wie die Vorgaben der Gemeinde das Bauwerk geformt haben und warum er darin einen Gewinn für die architektonische Qualität sieht.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Der Ausgangspunkt für das Projekt waren die strikten Vorgaben vonseiten der Gemeinde – sowohl in Bezug auf das Gebäudevolumen also auch zur Materialität und dem Anteil der Öffnungen. Diese Einschränkungen haben den Entwurf entscheidend beeinflusst und schließlich auch die Qualitäten umso deutlicher herausgearbeitet. So durften wir beispielsweise maximal 50 Prozent der Fassade mit einer Holzlattung versehen. Dadurch entstand die klare Gliederung in den oberen Baukörper als Holzvolumen und den unteren mit einer mineralischen Fassade. Aufgrund der Beschränkung der Glasfläche wurden die Öffnungen sehr gezielt gesetzt: Der massiv anmutende Sockel löst sich bewusst Richtung Garten auf, während er zur Straße geschlossen bleibt.

An der Straße tritt der Sockel mit einer geschlossenen Betonfassade in Erscheinung … (Foto: Juri Troy)
… zum Garten hin öffnet er sich mit raumhoher Verglasung. (Foto: Juri Troy)
Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?


Der Baukörper präsentiert sich als Abstraktion eines klassischen Gebäudes mit Satteldach. Das klar definierte Holzvolumen sitzt auf einem Sockel, der der Straße eine Betonfassade zukehrt und zum Garten hin von Glasflächen geprägt ist. 

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Das Gebäude reiht sich mit seiner klassischen Silhouette in einen Straßenzug mit Häusern aus den 1960er-, 70er- und 80er-Jahren ein. Durch seine Materialität und seine Formensprache hebt sich der Baukörper jedoch zugleich auch deutlich ab. Er behauptet sich eigenständig im Ortsbild.

Kinderzimmer (Foto: Juri Troy)
Im Inneren treffen Holz- und Betonoberflächen aufeinander. (Foto: Juri Troy)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Die Einschnitte in das Volumen sind mit jeder Planungsphase wichtiger geworden – sowohl bei der Loggia, die gartenseitig zwischen innen und außen vermittelt, als auch beim Rücksprung für den Eingangsbereich. Die versteckte Loggia im Obergeschoss ist auf Wunsch der Bauherrschaft entstanden, um dem Bedürfnis nach einem privaten, nicht einsehbaren Außenbereich nachzukommen, der dem Schlafzimmer zugeordnet ist.

Schlafzimmer (Foto: Juri Troy)
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Drei Materialien definieren das Gebäude: Holz, Beton und Glas. Untergeschoss und Erdgeschoss wurde aus Ortbeton in Sichtbetonqualität von der Firma Müllner-Bau aus Stockerau hergestellt. Im Innenraum treffen die rohen Betonoberflächen im Erdgeschoss auf sanfte Holzoberflächen aus Weißtanne. Außenseitig ist das Erdgeschoss mit Faserbetonplatten der Firma Rieder verkleidet und bildet so eine geschlossene Fassade zur Straße. Gartenseitig weicht die massive Fassade raumhohen Verglasungen, die den Wohnraum in den Garten erweitern. Das Obergeschoss ist als Holzmassivbau von der Firma Pölsterl aus Baumgarten am Tullnerfeld auf den Betonsockel gesetzt worden. Hier dominieren Oberfläche aus Weißtanne den Innenraum, und die Holzfassade übersetzt den Holzbau nach außen.

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Bauwerk
»Haus W1T«
 
Standort
3430 Tulln
 
Nutzung
Einfamilienhaus
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
privat
 
Architektur
juri troy architects, Wien
 
Fachplaner
Holzbau: Firma Pölsterl, Baumgarten am Tullnerfeld
Massivbau: Firma Müllner-Bau, Stockerau
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Fotos
Juri Troy

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