Wirtshausg’schichten

Wien
Wir mögen Orte, die wie gute Weine nicht vordergründig, sondern auch beim dritten Mal noch interessant ‚schmecken‘.
Photo © Hertha Hurnaus
Gutes Restaurantdesign geht vom Tisch aus: kompakt wie in der italienischen Trattoria oder üppig wie beim amerikanischen Bankett.
Photo © Hertha Hurnaus
Photo © Hertha Hurnaus
Photo © Hertha Hurnaus
Photo © Hertha Hurnaus
Grundriss Untergeschoss
Architectes
Franz&Sue
Adresse
Am Heumarkt 25, 1030 Wien
Année
2010
Équipe
Yvonne Biering, Michael Eder
Statik
DI Margarete Salzer
Lichtplanung
Christian Ploderer

Das ist die Geschichte des Gmoakellers. Genau genommen: des Kellers des Gmoakellers. Wir haben sie erforscht und architektonisch weiter erzählt.

Die Geschichte geht so: Früher war der Gmoakeller das Reich zweier Schwestern, die Tante Grete und Tante Mitzi. Die Mitzi röstete die beste Leber, die Grete stand an der Budel und schmiss Gäste raus, die sie nicht mochte. „Kommst Du vom Heumarkt oder vom Konzert?“, fragte die Grete jeden Gast. Wer Heumarkt sagte, konnte gleich wieder gehen. Von dort kam das Gsindel.

Wegen dem Gsindel
„Das Gsindel“ wollte die Tante Grete nicht in den Gmoakeller lassen. Und schon gar nicht in den geheimnisvollen Keller des Gmoakeller. Dort ruhte eine Kegelbahn. Und vor ein paar Jahrzehnten hätte hier eine Disco entstehen sollen. Ein Neffe der Tante Mitzi hatte schon alles vorbereitet. Doch am Abend, als die Disco eröffnet werden sollte, legte sich Tante Grete quer. Der Keller blieb zu. „Wegen dem Gsindel.“

Die Tanten sind schon lange tot. Das Gasthaus gehört heute unserem Auftraggeber, Sebastian Laskowsky. Man kocht hier noch immer exzellente Leber und viel mehr, und wir konnten nicht nur Küche, Schank und Windfang sanft renovieren, sondern vor allem auch: den Keller.

Wirtshaus wird neu
Wir haben den verbotenen Ort verwandelt. Wir haben jeglichen Kellerromantik-Kitsch verbannt, das Ziegelgewölbe weiß getüncht, die Lüftungsrohre verschwinden lassen. Die Böden und die Holzwände, die sogenannte „Lamperie“ haben wir dunkel gebeizt.

Man genießt hier an weiß gedeckten Resopal-Tischen exzellente Wiener Küche und mit wenigen Handgriffen kann der Wirt den Raum für Veranstaltungen adaptieren. Mit einem Vorhang (wir wählten einen Stoff von Kenzo!) können die Wirtsleute den Saal in Nischen gliedern, für große unangemeldete Gruppen oder das romantische Abendessen eines frisch verliebten Paares. Grete Nowak hätte dem Paar freilich zugerufen, „nehmts Euch ein Zimmer!“

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