Das Haus am Park

feld72 Architekten
30. agosto 2019
Die Staffelung des Volumens sorgt für optimale Lichtverhältnisse. (Foto: Hertha Hurnaus)

feld72 Architekten haben im neuen Wiener Quartier Sonnwendviertel Ost ein Haus mit 29 Wohnungen, einem Tanzstudio und drei Büros gestaltet. Anne Catherine Fleith spricht über das Projekt und beantwortet unsere Fragen.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Haus am Park ist das erste von insgesamt elf »Quartierhäusern« im neuen Wiener Stadtentwicklungsgebiet Sonnwendviertel Ost. Bezeichnend für diese Haustypologie ist eine Mischnutzung mit einer öffentlich bespielten Erdgeschosszone. Sie soll einen positiven Beitrag zur Urbanität, Identität und Vitalität des neuen Stadtteils leisten. Um dies zu gewährleisten, wurden die künftigen Nutzer*innen der Sockelzone bereits in der Wettbewerbsphase in die Planung eingebunden – in unserem Fall ein Tanzstudio für Kinder und Jugendliche, das Büro mit Kundenforum eines Bauträgers sowie das Büro des Bauherrn. 

Über der Sockelzone mit Tanzstudio und Büros befinden sich ab dem 2. Obergeschoss Wohnungen. (Foto: Hertha Hurnaus)
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Das Haus betont seine städtebaulich prominente Lage direkt am Park mit einem Hochpunkt und entfaltet dadurch als Kopfbau seine Signalwirkung. Wichtig war uns, dass die Lichtsituation für alle gleichermaßen vorteilhaft ist – sehr wohl auch hinsichtlich der angrenzenden Bebauung. Deshalb haben wir eine umsichtigen Staffelung entwickelt, die dem Haus gleichzeitig ein signifikantes Erscheinungsbild verleiht. Große Bedeutung kam auch der aktiven Integration des Umfelds zu: Die Übergänge von öffentlichen und halböffentlichen Räumen im Erdgeschoss sind fließend.

Galerie als Erschließungsraum (Foto: Hertha Hurnaus)
Zweigeschossiger Gemeinschaftsraum (Foto: Hertha Hurnaus)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Von Anfang an waren die Bauherrschaft beziehungsweise Auftraggeber, wir Architekten und selbst die Nutzer*innen der Sockelzone in einem intensiven Prozess miteinander verbunden. Wir sind davon überzeugt, dass dessen gute Ergebnisse nur durch den konstruktiven Diskurs zwischen allen Projektbeteiligten zustande kommen konnten.

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Wir verfolgen keinen Stil beziehungsweise stehen formale Aspekte in unseren Arbeiten selten im Vordergrund. Wir versuchen bei allen Bauaufgaben neben hoher architektonischer Qualität und Ressourcenschonung vor allem auch auf soziale Nachhaltigkeit zu setzen. Uns interessiert es, Prozesse in Gang zu setzen, um Architektur und gebaute Stadträume lebenswert zu machen und soziale Interaktionen zu verstärken. Jedes Projekt verlangt natürlich nach anderen Antworten und so sind diese Orte der Begegnung jedes Mal anders ausformuliert. Beim Haus am Park haben wir versucht, die Vernetzung der Hausgemeinschaft durch Gemeinschaftsräume und -terrassen zu fördern. Gleichzeitig war es uns ein großes Anliegen, ein offenes und einladendes Stadthaus zu entwerfen, das auch die unmittelbare Nachbarschaft bereichert.

Gemeinschaftsterrasse mit Dachgarten (Foto: Hertha Hurnaus)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Im Haus wurde ein kombiniertes Energiesystem aus Fern- und Erdwärme zum Heizen und Kühlen verbaut (KLIMA LOOP von KALLCO). Konstruiert wurde das Gebäude nach einem vom Bauherrn entwickelten modularen System aus schlanken Stahlstützen und Betondecken, welches so gut wie keine tragenden Wandscheiben benötigt (SLIM BUILDING von KALLINGER). Die flexible Struktur ermöglicht Wandelbarkeit über den Lebenszyklus des Gebäudes hinweg und die Anpassung an sich ändernde Wohnbedürfnisse. Langfristige, qualitätsvolle und flexible Lösungen für energetische und konstruktive Systeme im Wohnbau zu finden, betrachten wir weniger als »Tendenz«, sondern viel mehr als Notwendigkeit und unsere Verantwortung als Architekten.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Die Sockelzone ist betont öffentlich wirksam gestaltet und spricht eine eigene architektonische Sprache: Sie ist transluzent und wirkt leicht. Dies haben wir durch den Einsatz einer Profilit-Verglasung und von hellem Putz erreicht. Darüber liegen die Wohngeschosse mit französischen Holz-Alu-Fenstern, metallischen Laibungen, strukturiertem dunkleren Putz und spielerisch gesetzten Balkonen. Ein vor- und rückspringender Einschnitt aus Profilit zieht sich markant über die Fassade. Er verknüpft das natürlich belichtete Stiegenhaus und die übereinander angeordneten Gemeinschaftsräume, welche mit bunten Wänden ausgestattet sind. Die durchscheinenden Profilit-Paneele zeigen bei Tag und noch mehr bei Nacht die Konturen der Aktivitäten dahinter wie ein Schattenspiel.

Situationsplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Name des Bauwerks Das Haus am Park
Ort Sissy-Löwinger-Weg 7, 1100 Wien
Nutzung Wohnhaus mit 29 Wohnungen, 1 Tanzstudio und 3 Büros
Auftragsart zweistufiger Bauträgerwettbewerb
Bauherrschaft KALLINGER Bauträger GmbH, Wien
Architektur feld72 Architekten: Yuliana Abisheva, Martin Bauer, Marie-Theres Genser, Raphael Gregorits, Hannah Jöchl, Hanna Kovar, Gerhard Mair, Jasmin Plaikner, Ralph Reisinger, Nora Sahr, Wilhelm Scherübl, Mario Steiner, Elian Trinca
Fachplaner Landschaftsplanung: Susanne Kallinger, YEWO Landscapes | Statik und Bauphysik: Dipl.-Ing. Alexander Katzkow & Partner | Haustechnik: Gebäudetechnik Kainer
Bauleitung KALLCO Development GmbH & Co KG, Wien
Jahr der Fertigstellung 2018
Kunst am Bau Norbert Brunner, VALIE EXPORT, Susanne Kallinger, Oswald Stimm, Nico Kiese
Auszeichnung Schorsch 2018 – Auszeichnung der MA 19
Fotos Hertha Hurnaus

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