Das Haus wächst

Dietrich | Untertrifaller Architekten
5. marzo 2021
Foto: Bruno Klomfar

Dietrich | Untertrifaller haben den legero united campus entworfen. Was macht das Projekt im Süden von Graz aus?

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Wir haben eine flexible Aufstockungs- und Andocklösungen durch zusätzliche »Satelliten«-Ringe entwickelt. Das soll den Campus architektonisch interessant und das Gebäude samt seiner Umgebung zukunftsfähig machen: Es kann mit dem Unternehmen in mehreren Zyklen mitwachsen. legero united befindet sich in einem stetigen Wachstum und in laufender Veränderung. Uns war von Anfang an klar: Das Bauwerk muss diesen Ansprüchen gerecht werden und sich der Firmengröße fortlaufend anpassen können.

Konkret ist eine Aufstockung um ein weiteres Geschoss mitgedacht und hinsichtlich der Architektur, der Statik und der Haustechnik bereits eingeplant worden. Zusätzlich besteht räumlich und architektonisch die Möglichkeit, mit weiteren »Satelliten« rund um das Headquarter anzudocken. 

Foto: Bruno Klomfar
Foto: Chris Zenz
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Der legero united campus steht an einem speziellen Ort. Dieser ist einerseits ein logistisch hochinteressanter Standort im Süden von Graz, gleichzeitig aber ist die Umgebung gesichtslos und von Gewerbebauten geprägt. Außerdem befinden sich Autobahn, Flughafen und eine Zugstrecke in unmittelbarer Nähe, sodass man von einem herausfordernden Bauplatz für ein Headquarter mit über 400 Arbeitsplätzen sprechen kann.

Das ringförmige Gebäude schafft es, sich richtungslos in die Umgebung einzugliedern. Gleichzeitig grenzt es sich nach außen hin ab und spannt im Inneren einen eigenen Kosmos für die Nutzer*innen auf. Es ermöglicht trotz der Umwelteinflüsse eine geschützte Hofsituation mit hoher Aufenthaltsqualität, selbst der Lärm der abhebenden Flugzeuge wird hier kaum wahrgenommen. Auch die Außenraumgestaltung ist eine Reaktion auf das beschriebene Umfeld und unterscheidet deutlich zwischen außen und innen. Durch die Nähe zum Flughafen ist ferner auch der Blick von oben ein wichtiger Aspekt in der Planung geworden. 

Foto: Bruno Klomfar
Foto: Bruno Klomfar
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Der Wunsch nach einem Arbeitsplatz, an dem man sich wohl fühlt, der Leitsatz »der Mensch im Mittelpunkt« sowie die Bewahrung von Flexibilität im Wachstum und der Ausrichtung der Firma waren wohl jene Kriterien, die, neben der Umgebung, den Entwurf am wesentlichsten beeinflusst haben. 

Unser Ziel war es, einen Campus zu planen, der die internen Abläufe und den gewünschten Außenauftritt der Firma legero united widerspiegelt: Die Richtungslosigkeit des Kreises unterstreicht die Gleichwertigkeit jedes Bereiches im Inneren des Gebäudes. Zusätzlich schafft die Form eine Ungebundenheit in der Ausrichtung und Organisation der Büros. Spannende, fließende Raumfolgen im Inneren und Äußeren waren beabsichtigt. Das Ringförmige Gebäude mit 90 Metern Durchmesser erscheint imposant, ohne mächtig zu sein. Unverwechselbarkeit und Charakter sind so garantiert. Durch die permanente Krümmung sind abwechslungsreiche räumliche Erlebnisse in der Bewegung durch die Geschosse programmiert, aber auch eine hohe Flexibilität für die einzelnen Abteilungen.

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Wesentliche Änderungen am Wettbewerbsprojekt gab es nicht. Einzelne Anpassungen sind in der Entwurfsphase eingeflossen, danach wurde das Projekt umgesetzt wie geplant. Eine dichte Folge von Besprechungen, ein intensiver Austausch mit dem Auftraggeber und gegenseitiges Vertrauen haben sicherlich unter anderem wesentlich dazu beigetragen

Foto: Bruno Klomfar
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Der Wunsch nach einem modernen, zukunftsfähigen Gebäude seitens des Auftraggebers wurde auch unserem Anspruch gerecht, energetisch, konstruktiv und gestalterisch auf aktuelle Tendenzen und den derzeit möglichen hohen technischen Standard einzugehen. Im Vordergrund steht hier sicherlich der Holzbau, der sich stetig und aktuell besonders rasch entwickelt, mit seinen großen Vorteilen, die – sofern am richtigen Ort eingesetzt – unumstritten sind.

Energetisch antworten wir schon mit der Architektur selbst auf die wesentlichen Anforderungen. Die Form des Gebäudes ermöglicht beispielsweise eine optimierte Tageslichtnutzung an den Arbeitsplätzen. Die Gebäudehülle fungiert mit sehr gutem Wärmeschutz als Energielieferant und schützt im Winter wie auch im Sommer. Erdwärme und Brunnenwassernutzung unterstützen optimal beim Heizen und Kühlen mittels Bauteilaktivierung. 

Foto: Bruno Klomfar
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Die Verwendung von nachhaltigen und hochwertigen Baustoffen prägt den Campus. Die gezielte Mischung aus den Materialien Beton und Holz macht dieses Bauwerk aus. Es wurden nur heimische Hölzer und, wo es möglich war, Recyclingbeton verwendet. Die Kombination dieser beiden Materialien reagiert auf die unterschiedlichen Anforderungen der Nutzung des Gebäudes. Jedem Material gehört sein Platz. 

Das Erdgeschoss und auch seine Umgebung im Außenbereich spiegeln eine Robustheit wider, die den überwiegend infrastrukturellen und halböffentlichen Funktionen – Empfang, Besprechungsbereiche, Speisesaal und Küche, Lager, aber auch Musterproduktion und Designerarbeitsplätze – gerecht wird. Im Obergeschoss dreht sich die Kombination aus harten und weichen Materialien um. Die sichtbare Holzkonstruktion, Teppichböden und Raumtextilien schaffen eine Wohlfühlatmosphäre für die Großzahl der Arbeitsplätze, die sich dort befinden. 

Das Material Holz wurde dabei zum Gewinner in der Frage des Raumklimas. Es trägt maßgeblich zum »Wohlfühlcharakter« im Inneren des Gebäudes bei. Die Holzkonstruktion besteht aus Stützen und einer Holz-Beton-Verbunddecke. Wie schon eingangs erwähnt, ermöglicht diese Konstruktionsweise, eine zukünftige Aufstockung rasch und unkompliziert zu verwirklichen. Die Holz-Highlights an der Decke des in Sichtbeton gehaltenen Erdgeschosses verleihen auch diesem Bereich eine angenehme Atmosphäre. 

Lageplan
Grundriss Ebene 0
Grundriss Ebene 1
Bauwerk
legero united campus 
 
Standort
Feldkirchen bei Graz 
 
Auftragsrat
Wettbewerb 2016, 1. Rang
 
Bauherrschaft
legero united campus GmbH
 
Architektur
Dietrich | Untertrifaller Architekten ZT GmbH, Bregenz
Projektleitung: Ulrike Bale-Gabriel und Fabio Verber
 
Fachplaner
Statik Beton: Wendl, Graz
Statik Holz: Merz Kley Partner, Dornbirn
Haustechnik: team gmi, Wien
Elektro: Klauss, Seiersberg
Bauphysik: Spektrum, Dornbirn 
Brandschutz: Norbert Rabl, Graz 
Landschaft: Kieran Fraser, Wien

 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer
Baumeister: Kulmer Bau, Pischelsdorf 
Fassade und Schlosser: Metallbau Wilhelmer, Kolbnitz 
Zimmerer: Lieb Bau Weiz, St. Ruprecht 
Holz-Alu-Fenster: KAPO Fenster und Türen, Pöllau 
Trockenbau: Schreiner, Graz 
Büromöbel: Bene, Waidhofen an der Ybbs
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Fotos
Bruno Klomfar

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