Pichler & Traupmann Architekten sollen eine Überbauung in Wörgl realisieren. Doch es regt sich Kritik

Manuel Pestalozzi
31. agosto 2022
Die Überbauung würde für das Bahnhofsquartier ein Maßstabssprung bedeuten. Die Politik erhofft sich von dem Projekt eine Stärkung der städtischen Struktur Wörgls. (Visualisierung © Pichler & Traupmann Architekten)

Die Befürworter des Projekts »City Link« sehen in ihm die Chance, Wörgls Siedlungsgefüge zu festigen und aufzuwerten. Das Stadtgebiet sei zersiedelt, beklagt etwa Bürgermeister Michael Riedhart. Einen städtischen Kern würde lediglich die Bahnhofstraße bilden, welche die Kirche mit dem Bahnhof verbindet. »Die Immobilienpreise werden zunehmend unleistbarer und der Boden in Tirol bleibt eine knappe Ressource«, fügt er hinzu. »Wer das Land liebt, stärkt die Stadt. Deshalb wollen wir in Wörgls Zentrum nicht nur nachverdichten, sondern die Stadt auch als Stadt spürbar machen.«

Gemischt genutzte Überbauung als Aufwertung des Bahnhofplatzes

Die neue Überbauung »City Link« soll unmittelbar östlich des Bahnhofs entstehen, also zwischen dem Gleisfeld und dem Angather Weg. Sie würde die Schmalseite des Bahnhofplatzes fassen. Um die Gestaltung der Anlage wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den Pichler & Traupmann Architekten aus Wien gewinnen konnten. Ihr Projekt besteht aus einem Sockelbauwerk, das den Angather Weg mit einer moderaten Höhe begleitet, öffentliche Funktionen aufnimmt und die Straße wie auch den Bahnhofplatz belebt. Letzterer würde durch die klare Kante eines Hotelturms, der sich über dem Sockel erhebt, gerahmt und als städtischer Platz artikuliert werden. Die im Grundriss schräge Linienführung der östlichen Hotelfassade referenziert dabei auf die Schrägstellung eines bestehenden Hochhauses an der Bahnhofstraße. Auf diese Weise soll eine Ensemble-Wirkung erzielt werden. Außerdem würde das besagte Bestandsgebäude, das bisher auf manche etwas erratisch wirkt, besser ins städtische Gefüge eingebunden.

Der Bahnhofplatz soll künftig durch ein Hotel gerahmt werden. Treppen führen zu einem Restaurant und einer Terrasse zwischen den beiden Türmen. (Visualisierung © Pichler & Traupmann Architekten)

Am gegenüberliegenden Rand des Sockelbaus ist indes ein Wohnturm vorgesehen. Er fällt noch etwas größer aus als das Hotel. Seine Westfassade hat das Entwurfsteam gegengleich zur Ostfassade des Hotels gedreht. Sie erhalte dadurch eine ideale Süd-West-Orientierung, so die Architekten. Die Fassade ist zudem leicht gekippt, um eine Terrassierung zu erreichen und eine Vielzahl unterschiedlicher Wohnungsgrößen und -typologien anbieten zu können. 

Unter dem Wohnturm ist das Sockelbauwerk mit einer großzügigen, begrünten Terrasse ausgestattet. Eine Abfolge von Treppen- und Sitzstufen führt von dort hinab auf die Fußgängerebene des Bahnhofplatzes. »Es wird ein zeitgemäßer Lebens- und Arbeitsort in bester Lage sein – nicht nur in Wörgl selbst, sondern im Herzen Europas«, freut sich Alexander Wolf, Geschäftsführer von Zima Tirol. 

Der geplante Nutzungsmix in der neuen Überbauung (Axonometrie © Pichler & Traupmann Architekten)
Redebedarf – der lange Weg zum Spatenstich

Noch ist das Projekt allerdings nicht in trockenen Tüchern: Der Gemeinderat und der Bauausschuss müssen sich noch mit ihm befasst. Wörgls ehemalige Bürgermeisterin Hedi Wechner äußerte sich unterdessen zum in Aussicht gestellten Erwerb eines Teils des Gebäudes durch die Stadt: Über diesen sei noch nicht entschieden. Die politischen Ebenen seien erst einzubeziehen, wenn es zur Flächenwidmung beziehungsweise zum Bebauungsplan komme, ergänzt Stadtamtsdirektor Philipp Binder-Ostermann. Vizebürgermeister Roland Ponholzer, der dem Projekt kritisch gegenübersteht, nennt jenes eines der »intransparentesten Themen überhaupt«. Dass nun bereits die ersten Bürgerinitiativen auftauchten, sei nur eine logische Konsequenz. »Wir haben in der Stadt ganz andere Probleme als jetzt ein Dubai von Tirol zu errichten«, so Ponholzer polemisch. 

Andere bemängeln derweil, dass noch zu wenig Details bekannt seien, es keine Verkehrslösung gebe und vor allem, dass die direkt betroffenen Bürger*innen überhaupt noch nicht einbezogen worden seien. Zwar sei die Belebung des Bereichs der unteren Bahnhofstraße etwas Positives, meint ein Kommunalpolitiker, ob allerdings das vorliegende Projekt bereits der Weisheit letzter Schluss sei, bleibe abzuwarten. So scheint es, dass in der Tiroler Stadt noch einige Punkte auszudiskutieren sind. Bis die Bauarbeiten gegebenenfalls beginnen können, bleibt noch viel zu tun.

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