Alternativ genutzt

Manuel Pestalozzi
28. 8月 2020
Statt lärmender Autos und Trams befindet sich noch bis Ende des Monats eine temporäre Oase auf dem Wiener Gürtel. (Foto © art:phalanx / Kurt van der Vloedt)

Für drei Wochen ist eine siebenspurige Kreuzung zwischen dem 7. und 15. Bezirk am Wiener Gürtel zu einem grünen Lebens- und Aufenthaltsraum umgestaltet. Die »Gürtelfrische WEST« dauert noch bis 30. August und regt zum Nachdenken an.

Das Projekt »Gürtelfrische WEST« wurde gemeinsam vom Verkehrsressort der Stadt Wien und den Bezirken Neubau (7) und Rudolfsheim-Fünfhaus (15) mit dem Ziel lanciert, die räumliche und soziale Verbindung zwischen den beiden Stadtteilen, die zu den am dichtesten bebauten der Stadt zählen, zu stärken. So soll die Bedeutung des öffentlichen Grünraums in der Stadt thematisiert werden. Auch die KÖR – Kunst im öffentlichen Raum Wien und die Mobilitätsagentur Wien unterstützen das Projekt. Die Agentur art:phalanx verantwortet das Detailkonzept sowie das Generalmanagement.

Nahe dem Westbahnhof, wo sich sonst täglich eine Blechlawine vorüber wälzt, wurde ein Grünraum mit Swimmingpool und Liegewiesen geschaffen. Es gibt Tanz- und Bewegungsprogramme, konsumfreie Zonen, ein feines Gastronomieangebot, mobile Möbel und verschiedenste Freizeitangebote für Jung und Alt. Auch kulturelle Angebote (Konzerte, DJ-Abende, Chöre, Tanzworkshops und dergleichen mehr) sind Teil des Projekts, ebenso ein Bus-Labor mit Workshops und Veranstaltungen zum Thema Stadt sowie einem Bus-Hotel zum Übernachten. Auf Radfahrer*innen wartet zu bestimmten Zeiten ein gratis Radcheck.

Der Rasen ist zwar nur aus Plastik, trotzdem eröffnet das Projekt neue Perspektiven auf die wohlbekannte Kreuzung. (Foto © art:phalanx / Kurt van der Vloedt)

Ganz ohne Kritik geht diese »Disruption« in Wien nicht über die Bühne. Die Presse sammelte die internationalen und lokalen Stimmen zum Projekt. Manche kritisieren es harsch als Propagandaaktion der Stadtregierung. Einige Kommentare stellen auch die Nutzbarkeit der Installation infrage. Die Rede ist beispielsweise vom »kleinen, leeren, überwachten Pool« oder einer Kletterwand in der gleißenden Hitze, »deren Griffe man nur mit Handschuhen angreifen kann«. Spott und Häme löste auch der Plastikrasen aus. Dennoch ist der sommerlichen Ausstattung ein vorübergehender Denkmaleffekt wohl nicht abzusprechen. Sie erinnert an den Klimawandel und die Notwendigkeit, die Stadt neu zu denken.

Der etwas beengte Pool eignet sich eher zum Plantschen, doch ist die Chance, den Stadthimmel für einmal auf dem Rücken treibend zu begutachten, trotzdem verlockend. (Foto © art:phalanx / Kurt van der Vloedt)

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