Die Stadt ist der Star

Ulf Meyer
16. 1月 2020
Foto: Christian Richters, Berger+Parkkinen Associated Architects

Das österreichisch-finnische Büro Berger+Parkkinen hat in Salzburg ein Schwimmbad und Kurhaus gestaltet. Den Berliner Architekturjournalisten Ulf Meyer erinnert der schwungvolle Bau mit seinen charakteristischen Lamellen an Alvar Aalto.

Die Altstadt von Salzburg ist ein Pfund, mit dem sich gestalterisch wuchern lässt. Das neue Paracelsus Bad und Kurhaus in der Auerspergstraße, entworfen von dem österreichisch-finnischen Büro Berger+Parkkinen, lebt vom visuellen Dialog des modernen Neubaus mit der historischen Stadt und den nahen Bergen. Die Badehalle im 3. Stock ist als optische Erweiterung des berühmten benachbarten Mirabellgartens konzipiert und liegt auf dessen Höhe. Der Bauherr des neuen Schwimmbads, die Stadt Salzburg, hatte 2012 einen Architekturwettbewerb ausgelobt, aus dem Berger+Parkkinen als Sieger hervorgingen. 

Städtebaulich bildet ihr Entwurf ein Scharnier zwischen den gründerzeitlichen Baublöcken und der offenen Bebauung der Schwarzstraße. Die Form nimmt auch Bezug auf die barocken Bastionsmauern. 

Der mit Aalto-artigen, hellen vertikalen Keramiklamellen verkleidete Sockel beinhaltet Kurhaus und Garderoben. Darüber liegen die »Panorama-Badeebene« sowie die Gastronomie und die Sauna. Der Dachgarten bietet einen Außenpool und dazu einen wunderbaren Blick über die Stadt. 

Foto: Christian Richters, Berger+Parkkinen Associated Architects
Foto: Christian Richters, Berger+Parkkinen Associated Architects
Foto: Christian Richters, Berger+Parkkinen Associated Architects

Eine lange Stiege führt vom Haupteingang durch alle drei Geschosse bis zur Badehalle mit vier Schwimmbecken. Ein zentrales Oberlicht erleichtert die Orientierung und lässt den Raum leicht und offen erscheinen. Die Schwimmhalle wirkt, als wäre sie im dritten Obergeschoss durchschnitten und würde sich als Freiraum fortsetzen. Selbst der Sprungturm ist als »Mini-Architektur« gestaltet. Holzverkleidungen treffen in den Gängen auf die zur Schau gestellte Stahlkonstruktion, welche die Kragarme trägt. 

Eine keramische Wellendecke aus weißen Lamellen schafft unterschiedliche Raumhöhen. Sie ist aufwendig gestaltet. Während das Restaurant im Hochpunkt der Welle liegt, befinden sich die vier Saunen und die Dampfbäder in den flacheren Bereichen und nutzen die Dachebene als Plattform und Austritt. Drei Saunen sind zur Stadt orientiert, der zentralen Großsauna hingegen ist eine Raum mit gerahmtem Blick auf die Müllner Kirche vorgelagert. Eine Ruhezone bietet Ausblicke auf die Hügellandschaft im Norden der Stadt und die Wallfahrtskirche Maria Plain in Bergheim. Im Außenbecken können Gäste das Gefühl genießen, über den Dächern der Stadt zu baden: »Physische Entspannung und baukulturelle Anregung durch den Blick« kommen hier glücklich zusammen, so drücken es die Architekten aus. 

Als erstes Hallenbad in Österreich hat das Paracelsus-Bad die höchste Zertifizierung »Klimaaktiv Gold« des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus erreicht. 

Foto: Christian Richters, Berger+Parkkinen Associated Architects
Foto: Christian Richters, Berger+Parkkinen Associated Architects
Lageplan
Grundriss 3. Obergeschoss
Grundriss 5. Obergeschoss
Längsschnitt
Querschnitt

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