Ein Versuch, zu berühren

LP architektur
7. mei 2021
Foto: Albrecht Imanuel Schnabel

Zunächst kritisch beäugt, wurde der Entwurf des Büros LP architektur für eine Kapelle in Straß im Attergau zum Erfolg. Tom Lechner über die Geschichte des kleinen, atmosphärisch reichen Bauwerks.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Eine Herausforderung bestand sicherlich darin, die Skepsis unserem Entwurf gegenüber in vielen Gesprächen auf Augenhöhe mit den Mitgliedern des Kapellenvereins aufzuarbeiten und zu entkräften. Wir konnten ihnen erfolgreich Mut machen, Neues zu denken und ihre gewohnten Wege und Vorstellungen zu verlassen. 

Foto: Albrecht Imanuel Schnabel
Foto: Albrecht Imanuel Schnabel
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem spirituellen Thema Glauben beziehungsweise der Idee einer höheren Ordnung. Inspiration haben wir außerdem im ungewöhnlichen Bauplatz gefunden: Er liegt am Rand einer aufgelassenen Schottergrube.   

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Sehr stark, da sich der Entwurf, wie eben angedeutet, neben dem Inhaltlichen auch aus dem Ort und dessen Topographie entwickelt hat. Der bestehende Naturraum ist dabei Bühne und Kulisse zugleich – das heißt, Räume zum Ankommen und Verweilen wurden subtil definiert. Der Ort wird somit ein wichtiger Teil eines übergeordneten Gesamtkonzeptes. 

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Trotz der vielen und oft sehr kontroversen Diskussionen wurde nie erwogen, den Entwurf abzuändern. Stattdessen stand zeitweise die Idee im Raum, einen anderen Weg mit einem neuen Entwurf und einem neuen Architekten einzuschlagen. Dies wurde schließlich auch in die Tat umgesetzt. Doch nach einer Auszeit der Findung, die etwa ein Jahr dauerte, fanden die Bauherrschaft und wir wieder zusammen. Danach wurde uns ein hohes Maß an Vertrauen entgegengebracht, man bestärkte uns fortan in unserem Konzept.

Foto: Albrecht Imanuel Schnabel
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


An der Grundkonzeption wurde auch nach intensiven Diskussionsrunden der Mitglieder des Kapellenvereins nichts geändert – lediglich die Höhenentwicklung wurde überdacht. 

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Es ist für uns ein sehr wertvolles Projekt, mit dem wir unsere Haltung zur Architektur und Baukultur in einer ungeschminkten und ehrlichen Art zum Ausdruck bringen durften, eine Bereicherung für uns alle.

Foto: Albrecht Imanuel Schnabel
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Holz und Beton in einer handwerklichen Ausführung – so wie bei vielen unserer Projekte.

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Bauwerk
Auferstehungskapelle 
 
Standort
Straß im Attergau
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft   
Kapellenverein Straß
Obfrau: Marianne Pachler
 
Architektur
LP architektur ZT GmbH, Altenmarkt im Pongau
Tom Lechner und Barbara Vierthaler
 
Fachplaner
Tragwerkspartner ZT GmbH, Innsbruck
 
Bauleitung
Gebetsberger ZT GmbH, Weyregg am Attersee
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer 
Holzbau Kreuzer Holzbau GmbH, Innerschwand am Mondsee
Baufirma: Reindl Bau GmbH, Mondsee
Beleuchtung: Bechterl Licht GmbH, Hittisau
 
Fotos
Albrecht Imanuel Schnabel, Rankweil

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