Besucherzentrum von Lindt & Sprüngli

Ulf Meyer
8. oktober 2020
Foto: Walter Mair

Christ & Gantenbein haben mit ihren Museumsbauten internationale Bekanntheit erlangt. Nun ist ihr Besucherzentrum von Lindt & Sprüngli am Zürcher Seeufer fertiggestellt. Hinter schlichten Backsteinfassaden verbirgt sich eine spannende, schwungvolle Erlebniswelt.

Foto: Walter Mair

Das schlichte Äußere des Lindt Home of Chocolate neben der Unternehmenszentrale in Kilchberg lässt auf das Innere in keiner Weise schließen: Die roten Backsteinfassaden passen zwar gut zum Charme der historischen Fabrikgebäude von 1899 rundherum, sind aber wenig spektakulär – fast könnte man den Neubau zwischen seinen Nachbarn übersehen. Einzig die Eingangsfassade ist mit weiß glasierten Ziegeln verkleidet und schwingt sich in einer Kurve zurück, um einen kleinen Vorplatz zu schaffen. Drinnen hingegen bietet sich ein anderes Bild: Das Atrium wird von halbrunden Balkonen, runden Stützen und Treppentürmen in Weißbeton geformt wie eine dreischiffige, 15 Meter hohe Kathedrale. Das gestalterische Thema «Schokolade» wird mit weichen, runden Formen übersetzt, ohne die Braun- und Kupfertöne der Lindt-Shops in aller Welt aufzugreifen. Der Bau bietet ein beeindruckendes Raumerlebnis, die Architektur ist um vieles schwungvoller und spannungsreicher als in den anderen Museen des Basler Büros.

Foto: Walter Mair
Foto: Walter Mair

Neben einem 500 Quadratmeter großen Laden, einem Café und einer Chocolateria für Schokoladenkurse enthält das Gebäude den größten Schokoladenbrunnen der Welt. Das Museum zeigt eine interaktive «Schokoladentour», die von Atelier Brückner aus Stuttgart entworfen wurde. Die multimediale Ausstellungsarchitektur vermittelt Ursprung, Geschichte und Produktion der Delikatesse. Jeder Ausstellungsraum ist einem anderen Aspekt gewidmet: Zunächst reisen die Besucher*innen auf eine Kakaoplantage in Ghana. Die Geschichte der Bohne wird mit einem digital animierten 360-Grad-Panorama dargestellt, und der «Swiss Pioneers»-Raum zeigt, weshalb die Schweiz zur Heimat der Schokolade wurde. Ein Zeit-Tunnel veranschaulicht die Veränderungen in Herstellung und Vermarktung der Süßigkeit. Die Geheimnisse der Schokoladenproduktion erfährt man in einem Raum mit glatten, glänzenden Oberflächen. An drei Schokoladenbrunnen können die Besucher*innen die Zusammensetzung von weißer, Milch- und dunkler Schokolade erschmecken. Der «Kosmos»-Raum stellt Schokolade in den globalen Kontext, bevor es im «Schokoladen-Himmel» an die Verkostung geht. Über eine Brücke quert man schließlich das Foyer und erreicht ein «Innovation Lab» sowie die Schauproduktion – dann droht die Vertreibung aus dem Schokoladen-Paradies. 

Foto: Atelier Brückner, Michael Reiner
Foto: Atelier Brückner, Michael Reiner
Grundriss 2. Obergeschoss
Schnitt
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