Urbanes Foyer – neue Stadthalle in Wien

Ulf Meyer
5. april 2021
Visualisierung © Kronaus Mitterer Architekten mit Reinhardt Gallister / Expressiv

In Wien soll eine neue Veranstaltungshalle entstehen. Der zeichenhafte Entwurf stammt von Kronaus Mitterer Architekten und Reinhardt Gallister. Gerade wird das Projekt überprüft und weiterbearbeitet.

»Am Tag erzeugt eine Metallrohr-Struktur ein abgehobenes, schimmerndes Volumen, abends entsteht durch Hinterleuchtung ein strahlender Bau« – mit diesen blumigen Worten beschreiben Kronaus Mitterer Architekten ihren Entwurf, der beim Wettbewerb für den Neubau einer großen Veranstaltungshalle an der Wiener Stadtautobahn mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde. Das junge Büro hatte zuletzt mit dem Haus der Digitalisierung in Tulln für Furore gesorgt. Christian Kronaus und Peter Mitterer haben bei diesem Projekt mit dem Wiener Architekten Reinhardt Gallister zusammengearbeitet. 

Visualisierung © Kronaus Mitterer Architekten mit Reinhardt Gallister / Expressiv

Der Stadtteil Neu Marx hatte sich in einer Standortanalyse als bester Ort für die Veranstaltungshalle herausgestellt. Neu Marx ist durch die U3 und die S-Bahn gut erschlossen. Im Umfeld der Arena sind 2000 Stellplätze vorhanden. Die Umgebung wird so entwickelt, wie man das von den Mantelbebauungen moderner Stadien her gewohnt ist. 

Die Bauherrin, die städtische Wien Holding, setzt ebenso wie die prämierten Architekten auf Zeichenhaftigkeit: Abends soll der Veranstaltungsbetrieb durch die leuchtende Fassade schon von Ferne erlebbar werden, tagsüber soll die Form der Halle und eines benachbarten, neu geplanten Hochhauses die Aufmerksamkeit der vorbeifahrenden Autofahrer*innen auf sich ziehen. Verglaste Schlitze in der inneren Fassade erlauben Blicke in Umgänge und Foyers. 

Visualisierung © Kronaus Mitterer Architekten mit Reinhardt Gallister / Expressiv
Visualisierung © Kronaus Mitterer Architekten mit Reinhardt Gallister / Expressiv

Auch im Inneren setzen die Entwerfer auf »Aus- und Durchblicke«, wie sie betonen: Von den Zugängen öffnet sich der Innenraum visuell noch zum Freiraum, die geschlossene Fassade darüber bekleidet einen metallischen Baukörper mit Dachterrasse. Städtebaulich haben Kronaus Mitterer und Reinhardt Gallister die Arena über mehrere Vorplätze eingebunden, welche die Topographie des Ortes nutzen.

Aufenthaltsbereiche und die Verteilerebenen sind über breite Freitreppen und Rampen miteinander verbunden. Die Geometrie des benachbarten Hochhauses setzt einen Kontrapunkt zur Halle. 

Visualisierung © Kronaus Mitterer Architekten mit Reinhardt Gallister / Expressiv
Visualisierung © Kronaus Mitterer Architekten mit Reinhardt Gallister / Expressiv

Der Bau im 3. Bezirk ist für Konzerte, Shows, Entertainment und Sportanlässe mit bis zu 20 000 Zuschauer*innen ausgelegt. Im zweistufigen EU-weit offenen Wettbewerb waren voriges Jahr 48 Projekte aus Österreich, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz eingereicht worden. Die Jury unter Vorsitz von András Pálffy hat unter den zehn Finalisten jenen Entwurf gekürt, der »gestalterisch und wirtschaftlich in Betrieb und Erhaltung« am besten abschnitt. Die Halle sei »ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig«, behauptet die Bauherrschaft, außerdem lasse sie sich energieeffizient und multifunktional betrieben. 250 Millionen Euro sind für den Bau veranschlagt.

Bis zum Herbst wird das Siegerprojekt nun erneut geprüft und weiter »optimiert«. Denn die Corona-Krise hat gezeigt, wie schnell die Veranstaltungsbranche lahmgelegt werden kann. Und wie rasch beziehungsweise ob sie sich von dem empfindlichen Schlag, der ihr zugefügt wurde, erholen kann, ist offen. Genauso wie die Frage übrigens, wie Menschen Großveranstaltungen nach der Pandemie überhaupt annehmen werden. Anforderungen an Hygiene und Sicherheit, aber auch eventuell veränderte Nutzungsszenarien werden bei der Überarbeitung jedenfalls kritisch evaluiert. 

Kronaus Mitterer Architekten und Reinhardt Gallister haben sich gegen namhafte Konkurrenz durchgesetzt. Unter den zehn Finalisten sind viele sehr bekannte Büros wie Berger+Parkkinen auf dem zweiten Rang und Coop Himmelb(l)au auf Platz drei.
 
Die Betrachtung der Finalisten ist architektonisch interessant. Unter den besten Projekten finden sich unter anderem Holz-Hybrid-Bauten und einige Projekte mit begrünten Fassaden. Der Standard zeigt in einem Artikel alle Finalisten noch einmal im Detail.

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