Araburg – eine Ruine spielt auf

synn architekten
11. junho 2021
Foto: Hertha Hurnaus

Historiker wissen, Burgen wurden ständig umgebaut und ergänzt. Michael Neumann und sein Team von synn architekten haben die Ruine der Araburg in Niederösterreich mit einem neuen Veranstaltungssaal versehen, der mit der tatkräftigen Hilfe der Bevölkerung gebaut wurde.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Einerseits ist die Bauaufgabe selbst etwas ganz Besonderes – einen multifunktionalen Veranstaltungssaal in eine Ruine einbauen »darf« man nicht alle Tage –, andererseits ist es unser wirklich längstes Projekt: Der Wettbewerb fand schon 2008 statt, Fertigstellung war erst 2020. 

Foto: Hertha Hurnaus
Foto: Hertha Hurnaus
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Die Araburg ist die höchstgelegene Burg Niederösterreichs und bot ab dem 12. Jahrhundert als wehrhafte Festung der Bevölkerung Schutz. Natürlich wurde das Bauwerk fortlaufend erweitert und den militärischen Erfordernissen angepasst. Innerhalb der Mauern erfolgten viele solcher Ergänzungen in Holzbauweise, sie wurden kubisch aneinander gebaut und waren vielfältig nutzbar. Genau diese Tradition der Erweiterungen als Holzleichtbauten innerhalb der bestehenden Strukturen haben wir aufgenommen. Dabei waren wir sehr umsichtig, denn wir wollten den historischen Bestand natürlich in keiner Weise beeinträchtigen. Es war uns wichtig, möglichst viel vom Alten zu belassen und auch die denkmalgeschützten Sitznischen in den mittelalterlichen Mauern in unser Konzept zu integrieren.

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Der neue Eingriff sollte zwar von innen und außen ablesbar bleiben, jedoch zumindest von außen nicht in Erscheinung treten – in lapidarer Selbstverständlichkeit ist der Zubau an das Burgstüberl gesetzt. Er stört die Burgsilhouette weder von der Ferne noch beim Aufstieg. Auch der Blick aus dem Bergfried kann ungetrübt über das Tal schweifen. Die mittelalterliche Ruine bildet im Süden die landschaftsprägende Außenschale von Burgstüberl und Saal. Auf der Seite des Burghofs treten diese als kubische Holzaufbauten in Erscheinung. Dort galt es in besonderem Maße, mit der komplexen Niveausituation umzugehen. Unsere Lösung schafft unterschiedliche Zonen im Saal und eine Terrassenlandschaft am Dach, die einen fulminanten Ausblick bietet.

Foto: Hertha Hurnaus
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Es wurde zwar ein geladener Wettbewerb ausgelobt, aber von Anfang an war klar: Das Budget ist minimal! Die Bereitschaft der Bevölkerung zur Eigenleistung war dafür umso größer. Wir haben unseren Entwurf schon im Wettbewerb auf diese beiden Gegebenheiten abgestimmt: Wir sahen minimale Technik vor und entwickelten eine simple Konstruktion und einfachste Details, die auch von bauwilligen Laien problemlos ausgeführt werden können. Die Wände sind als Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Fichte errichtet, Holzleimbinder überspannen den Saal und tragen die Decke. Innen ist er mit Lärchenholz verkleidet. Natürlich wurde das Gebäude professionell errichtet, aber an die 70 Freiwillige halfen beim Bau.

Die Entscheidung für Holz als Baustoff hing darüber hinaus auch mit der Lage der Burg im Wald zusammen: Die Zufahrt mit großen Baufahrzeugen ist gar nicht möglich. Außerdem stellte das Stift Lilienfeld als Grundstückseigentümer Holz aus dem umgebenden Wald zur Verfügung.

Foto: Hertha Hurnaus
Foto: Hertha Hurnaus
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Eine wirklich große Leidenschaft unseres Büros ist der Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden. Oder anders gesagt: Wir versuchen gerne, ein altes Gebäude zu verstehen und durch kleinere oder größere Eingriffe seinen Charakter zu unterstreichen. Und es ist einfach spannend, sich mit der Geschichte eines Bauwerks und dem Umgang seiner Erbauer mit Materialien und Raum zu beschäftigen und dies in die heutige Zeit zu übersetzen.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Die Einfachheit der Materialien und die möglichst naturbelassenen Oberflächen verbindet sich mit der unverputzten Burgmauer aus dem Mittelalter sehr selbstbewusst zu einem harmonischen Ganzen.

Lageplan
Grundriss Eingangsebene
Schnitte
Bauwerk
Ruine Araburg
 
Standort
2572 Kaumberg
 
Nutzung
Veranstaltungssaal
 
Auftragsart
Wettbewerb
 
Bauherrschaft
Gemeinde Kaumberg
 
Architektur
synn architekten ZT-OG, Wien 
 
Fachplaner
DI Pfaffenbichler, St. Pölten
 
Bauleitung 
Gemeinde KAumberg
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Energiestandard 
keine Heizung
 
Fotos
Hertha Hurnaus

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