Säulenhalle und Kettenlinie

Ulf Meyer
14. fevereiro 2020
Foto: Hertha Hurnaus

Das Wiener Büro Berger+Parkkinen hat das Institut für Pharmazie in Salzburg gestaltet. Der schwungvolle Bau wertet das Areal »Stadtwerk« auf, er erzeugt Dichte und Urbanität.

Es ist gut hundert Jahre her, dass Antoni Gaudí (1852–1926) für die Gestaltung des Park Güell in Barcelona seine charakteristischen Tragwerke in Form umgekehrter Parabeln mit Hilfe von hängenden Ketten entworfen hat. Hängemodelle beruhen auf dem Prinzip der Umkehrung der Kettenlinie (Katenoide). Mit ihrer Hilfe können statisch effiziente Formen, die neo-gotisch anmuten, entwickelt werden. Mit parametrischen Modellen können diese heute leicht geometrisch präzise bestimmt werden. Das haben die Wiener Architekten Berger+Parkkinen beim Entwurf des neuen Instituts für Pharmazie in Salzburg getan. 

Ihnen ging es dabei allerdings weder um die Abbildung des Kräfteverlaufs noch um Materialersparnis. Sie verfolgten städtebauliche Ziele: Die Formensprache soll den Bau mit den Häusern rundherum auf dem Areal »Stadtwerk« verknüpfen. Dieser soll als Schlussstein entlang der Gaswerkgasse eine Verbindung zum Stadtteil Mülln und über den Bahndamm hinweg zwischen Altstadt und Lehen bilden.

Das Erdgeschoss des Neubaus wirkt wie eine Säulenhalle. Es erinnert an eine dreischiffigen Basilika, wobei die Stützenreihen nicht unter der Fassade steht, sondern der schrägen Grundstücksgrenze folgt. Dadurch bekommt das Foyer seine konische Form. Halb-ovale Bögen geben der Etage eine fast klösterliche Wirkung und prägen die Erscheinung des gesamten Bauwerks. Im Zentrum befindet sich ein Auditorium, das ringsum verglast ist. Wie im Konzerthaus Musiikkitalo in Helsinki, das den Architekten als Inspiration diente, sind Ränge und Bühne versenkt, sodass der Blick beim Eintreten frei über und durch das Audimax wandert. Durch den geschickten Einsatz von Bögen und Pfeilern entsteht eine Verbindung zwischen dem Auditorium und den Seminarsälen, dem Foyer und den beiden großen Treppenaufgängen. Doppelgeschossige Bögen vor den Stahltreppen machen den Übergang vom Sockel in die höher gelegenen Etagen von außen ablesbar. Die Idee einer skulpturalen Stiege, die entlang der Fassaden geführt wird und von draußen sichtbar ist, haben die Architekten bereits in früheren Projekten erfolgreich umgesetzt. Die Treppenanlage ist als dreidimensionaler Kommunikationsraum gedacht. 

Blick ins abgesenkte Auditorium (Foto: Hertha Hurnaus)

Die Labors in den Obergeschossen haben und benötigen große Tiefen. Ein Rücksprung im dritten Obergeschoss bildet eine Terrasse mit hölzernem Deck. 

Auch das Institut für Anatomie samt Prosekturräumen und die Studiengangsleitung kommt im Neubau unter. Zudem gibt es Übungslabors und Praktikumsräumen sowie das angesprochene Audimax, Mikroskopier-Säle, diverse Hörsäle, Gruppenräumen und Räumlichkeiten für IT-gestützte Lernplattformen.

Parabelbögen prägen das Gebäude. (Foto: Hertha Hurnaus)
Rehabilitation oder Mode?

Das Besondere am Neubau sind die Parabelformen. »Der Bogen als Ur-Motiv der Architektur war jahrzehntelang aus dem Formenrepertoire verbannt«, behaupten die Architekten, doch de facto erlebt er derzeit eine Blüte – von Toyo Itos Tama-Bibliothek über die Arbeiten von David Chipperfield und Olafur Eliasson bis hin zur Architektur von Marte.Marte ist er Teil des Vokabulars vieler zeitgenössischer Gestalter*innen. 

Der Neubau für Pharmazie macht das Areal »Stadtwerk« ein Stück dichter und urbaner, er ist so dreidimensional wie die Topographie der Mozart-Stadt.

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