Ein Ort der Begegnung

Dora Iliova und Raimund Wulz
31. 七月 2020
Foto: Tobias Christoph

Dora Iliova und Raimund Wulz haben das neue Dorfzentrum von Patsch in Tirol gestaltet. Dora Iliova erklärt, wie sie einen Raum für die Dorfgemeinschaft geschaffen haben, der vielen unterschiedlichen Nutzungen offensteht.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Besonders war einerseits das Bauumfeld, ein Platz verankert in einem Ort mit starker Ausdruckskraft sowie fantastischer Weit- und Aussicht. Andererseits hat das Planen für die Dorfgemeinschaft eine ganz besondere Bedeutung, um lebendige Beziehungen unter den Bewohner*innen zu fördern. Eine neue Ortsmitte mit einem großzügigen Dorfplatz sollte die bestehenden Bebauungen zudem mit den Neubauten zu einem starken Ensemble zusammenführen. 

Foto: Tobias Christoph
Foto: Tobias Christoph
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Die Inspirationen hat uns das Dorf geschenkt – die gut erhaltenen historischen Bauernhäuser mit ihren blühenden Gärten, der Umgang mit der steilen Hanglage, die atmosphärischen Straßenzüge, bei denen sich enge Zonen zu schönen Plätzen ausweiten, der oft starke Wind und nicht zuletzt die Menschen mit ihrer großen Sehnsucht nach einem Ort, an dem Begegnung stattfinden kann und der ganz unterschiedlichen Nutzungen Raum bietet. 

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Jeder Ort besitzt spezifische Qualitäten, weist bestimmte topografische Gegebenheiten auf und bestimmt den Maßstab durch die Körnung. Dieser gibt für uns den Rahmen für den Entwurfsprozess vor. Bestrebt, aus diesen Potenzialen zu schöpfen, Defizite aufzuheben und neue Beziehungen im Ort zu konstituieren, entwickelt sich die Planung. In Patsch war insbesondere die steile Hanglage eine Gegebenheit, die es uns ermöglichte, das große Volumen ins Gelände zu integrieren und zwei Plätze mit verschiedenen Qualitäten zu schaffen – ein Festplatz vorgelagert vor dem Gemeindehaus und einen durchgrünten, blühenden Garten vor den Proberäumlichkeiten der Musikkapelle. 

Foto: Tobias Christoph
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Der Gemeinderat und besonders Bürgermeister Andreas Danler, der selber Architekt ist, haben wunderbare Bedingungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit geschaffen. Vor dem Wettbewerb fand einen Bürgerbeteiligungsprozess statt, an dem ein Großteil der Bevölkerung teilgenommen hat. Dadurch war von Anfang an die Gemeinde über öffentliche Präsentationen mit in die Planung eingebunden. Von verschiedenen Interessengruppen wurden »Planungsabgeordnete« ausgewählt, mit denen wir gemeinsam die Funktionen auf ihre Bedürfnisse abstimmen konnten. 

Foto: Tobias Christoph
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Für uns ist das Dorfzentrum inzwischen zu einem Herzensprojekt geworden. Wir sind mittlerweile im Ort gut vernetzt und nehmen gerne an wichtigen Festakten teil. Es ist immer ein gutes Gefühl, in Patsch anzukommen und zu sehen wie belebt der Platz ist, dass Kinder nach der Schule auf dem Nachhauseweg einmal um den Brunnen rennen, spielen, lachen… Es ist schön, zu erleben, dass Gedanken und Überlegungen, die man im Atelier tätigt, im Gebauten aufgehen und die Menschen den Raum annehmen, ihn lebendig werden lassen.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Ziel war es, ein Low-Tech-Gebäude zu errichten. Das haustechnische Konzept beruht darauf, mit zeitgemäßer Architektur und intelligentem Management die Energiekosten zu minimieren. 

Foto: Mario Webhofer
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Grundsätzlich ist es uns wichtig, sehr bewusst und möglichst reduziert in Bezug auf die Materialien zu agieren. Charakteristisch für den Ort sind Putze und Holz. Diese Materialien haben wir in unserer Gestaltung neu interpretiert und zeitgemäß übersetzt. 

Es war uns ein Anliegen, viel mit Holz zu arbeiten. Aufgrund ihrer Qualität haben wir hauptsächlich Weißtanne verwendet. Holz schafft die Verbindung vom Musikprobelokal zum Musikpavillon sowie vom Gemeinde- zum Vereinshaus, welche auf sinnlicher und emotionaler Ebene wahrnehmbar ist und die verschiedenen Funktionen zu einem Ganzen zusammenwachsen lässt.

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Westansicht
Name des Bauwerks
Dorfzentrum Patsch
 
Standort
Dorfstraße 22, 6082 Patsch
 
Nutzung
Gemeindezentrum, Dorfplatz, Vereinshaus
 
Auftragsart
Architekturwettbewerb
 
Bauherrschaft
Gemeinde Patsch
 
Architektur
Iliova Architektur, Zirl
Dora Iliova, Raimund Wulz (Architekturhalle Wulz-König), Peter Bucher (Projektleiter)
 
Fachplaner
Tragwerksplanung: Peter Stippler
HSL: Wolfgang Schösser
ELO: Eidelpess GmbH
Bauphysik: Fiby ZT-GmbH
Lichtplanung: Christian Ragg
 
Bauleitung und Kostenmanagement
PM1 Stefan Unterberger
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Energiestandard 
Niedrigenergie
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer
Bodner Bauges.b.b.H&CO.KG, Kematen
Tischlerei Gebrüder Falgschlunger, Patsch
Hartmann Fenster, Nenzing
 
Fotos
Tobias Christoph, Mario Webhofer 

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