Kinderhaus der Universität Konstanz

德国

one room

1. das zimmer und der ganze raum
2. disperse öffentlichkeit
3. verdrängte privatheit
4. fragment und bild

Der Text formuliert die Überlegungen zu den Themen urban planning und public space, welche aus den Arbeiten und Projekten des one room studios entwickelt wurden. Er ist, so wie die Projekte, das Ergebnis einer Überlagerung von Konzepten und Erfahrungen und somit die Momentaufnahme einer sich verändernden Diskussion.

1. das zimmer und der ganze raum

Grundlage für jede urbane Bebauung ist die Aufteilung der Fläche in Parzellen und offenen Raum. Parzellen waren nicht immer da und sichtbar werden sie erst durch ihre Nutzung. Verfügungsrecht und Besitz der Flächen sind der Ausgangspunkt städtischer Entwicklung. Erst durch diese Aufteilung der gesamten Fläche wird die Entwicklung sinnvoll begründet. Dieses abstrakte System der Fragmentierung einer bestehenden Topographie legt den Massstab und die Spielregeln fest und ermöglicht dadurch die ständige Veränderung und die kontinuierliche Entwicklung im Stadtgefüge. "Um einen architektonischen Raum zu schaffen, muß der Mensch in den mathematisch-physikalischen Raum eingreifen und einen bestimmten Bereich oder Teil davon abgrenzen, abstecken oder markieren. Auf diese Weise wird architektonischer Raum erkennbar, er wird erfahrbar, er wird definiert."(1). Physikalisch ist der abgeteilte Raum unverändert. In gewisser Weise bleibt er Teil des Ganzen. Aus diesem Phänomen lässt sich ableiten, dass der abgeteilte Raum gleichsam vom gesamten Raum nur "ausgeliehen" ist. Ein wesentlicher Anteil des Zimmers bleibt als Referenz des ganzen Raumes erhalten. Architektonischer Raum entsteht nicht nur durch die Abgrenzung von, sondern auch durch die gleichzeitige Verbindung mit der Umgebung. Das Zimmer definiert sich aus seinen Grenzen, um diese als solche zu erfahren, ist die transzendente Anwesenheit des Aussen notwendig. Die Anwesenheit von Licht und Luft stellt neben der praktischen Notwendigkeit auch eine symbolische Präsenz des Kontinuums im separierten Teil dar. Subjektiv stark empfunden wird diese Abteilung wenn der Kontrast zum Aussenraum sinnlich wahrnehmbar wird ( kalt / warm, nass / trocken, dunkel / hell, fremdbestimmt / selbstbestimmt, etc.). Architektonische (Fenster, Tür, Kamin, etc) und transzendierende Verbindungen (künstliches und natürliches Licht, Pflanzen, Medien, Kunst, Bücher, etc.) zum ganzen Raum thematisieren permanent diese Verhältnisse. Das Zimmer ist die Bewusstseinsmaschine, die dem Subjekt jenes Spielfeld abgibt, auf dem sein Verhältnis zur Umgebung thematisiert wird.
Sieht man bauliche Massnahmen unter dem Aspekt, daß sie einen Teil der gesamten Raumressource speziellen Nutzungen und Nutzer/inne/n zur Verfügung stellen, und andere, bei gleichzeitiger Verknappung verfügbaren Raumes, von diesem ausschliesst, wird klar, welche Bedeutung öffentlichem Raum in Städten zukommt. Konkreter offener Stadtraum benötigt, um sich zu definieren, jene baulichen Elemente, die vorher vom Gesamtraum abgeteilt wurden. Deshalb sind qualitative Festlegungen für Gesamtraum und Gebäude in bezug auf die Konzeption und Beurteilung der Architektur wichtig. Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Verbindung von indoor- und outdoor-Situationen auf der Erdgeschossebene zu, denn sie prägt die Atmosphäre städtischen Lebens in besonderem Masse. Hier findet man verschiedenste Formen der Nutzung, die Möblierung eines Cafes, Werbung, künstlerische Projekte, etc., die sich mit einem bestimmten Ziel und unterschiedlichen Mitteln an ein Publikum wenden und so den öffentlichen Raum inhaltlich aufladen. Die tatsächliche oder symbolische Präsenz von solchen Inhalten über die vorhandenen Grenzen des Gebäudes hinaus repräsentiert jene "...dualistische Vorstellung einer Figur- Grund-Kontinuität von Masse und Hohlraum als komplementäre Erscheinungsform ein und desselben Raumes"(2). Architektonisch abgeteilte Räume werden damit inhaltlich wieder verknüpft.
Aus der gegenseitigen Beeinflussung von Topographie und Fragmentierung, sowie umbautem und offenem Raum leitet sich die gegenseitige Verantwortung und Durchdringung ab. Architektur erzeugt nicht einfach Innen- und Aussenraum, sondern ein System von Räumen, in dem das jeweils andere anwesend ist.

2. disperse öffentlichkeit

Voraussetzung für Öffentlichkeit ist ein gemeinsamer öffentlicher Raum. Der Raum den Medien und Computernetze für Öffentlichkeit bieten und konkreter öffentlicher Stadtraum in dem sich "wirkliche" Körper befinden gehören zu diesem gemeinsamen Raum. Öffentlicher Stadtraum wird durch die Konkurrenz medialer und vitueller Räume inhaltlich ausgedünnt. "Wir leben in einer Zeit der Doppelexistenz von "Baukörpern" und "Informationskörpern", von wahrnehmbaren, aber besiegten Städten und nicht wahrnehmbaren aber siegreichen Nicht-Städten."(3) Die Öffentlichkeit teilt sich in immer speziellere Teilöffentlichkeiten und verlagert sich tendenziell von den konkreten Stadträumen in private oder zumindest abgegrenzte Bereiche und auch in die neuen medialen Räume. Ein großer Teil der Bevölkerung bleibt so von der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, was scheinbar feststehende Vorstellungen von Demokratie und Politik, sozialer Integration und Kultur in Frage stellt. "Diese neue Politik ohne Polis, d.h. neue soziale Organisation des Zusammenlebens ohne die traditionellen Formen und Grenzen der Stadt, stellt die Demokratie vor neue Aufgaben. Denn die neuen Herrscher sind die Beherrscher der Netzwerke."(4) Öffentliche Stadtäume reduzieren sich immer mehr auf reine Verkehrsräume. Gemeinsam mit Parks stellen sie den Rest öffentlich verwalteten Raumes dar. Andere Orte (Theater, Museen, Sportstätten, Bäder, Schulen, etc.), die als Treffpunkte dienen können, werden privatisiert.
Neue öffentliche Räume (shopping center, fun park, etc.) entstehen meist an der Peripherie der Städte. Das Motiv für privates Betreiben solcher Einrichtungen ist zwar ein ökonomisches, politische, soziale und kulturelle Inhalte werden mitgetragen, sofern sie mit den Interessen der privaten Investoren übereinstimmen. Da die privaten Eigentümer bestimmen wollen wer was in diesen Räumen macht, kontrollieren sie den Zugang. Um diese Kontrolle wirksam ausüben zu können, befinden sich diese neuen öffentlichen Räume meist im Inneren von Gebäuden. Diese neuen öffentlichen Räume polarisieren, weil sie ausgrenzen. "Für mich ist völlig klar: der öffentliche Raum ist tot. Manchmal erwacht er wieder zum Leben, aber das hat dann nichts mit Architektur zu tun. Die Schwierigkeit mit dem öffentlichen Raum ist die gleiche wie in der Politik, eine Art Lähmung ist da, eine Inaktivität. Der öffentliche Raum ist tot, weil die Stadt zu einem System miteinander verknüpfter Innenräume geworden ist."(5) Auf konkrete Räume bezogen wäre eine Frage, ob man traditionelle öffentliche Räume stärken und damit erhalten will, und/oder ob man die Entwicklung der neuen Zentralen fördert. Also die Frage nach dem Weg, wie man von einem entweder shopping center an der Peripherie, oder Geschäfte in den historischen Stadtkernen zu einem "sowohl als auch" findet. Von den Politikern wird private Initiative in den stark reglementierten historischen Stadtteilen angestrebt, was aber eine Deregulierung auf der Ebene der Gesetze und Verordnungen verlangt. Die alten Stadtzentren stärken, hieße womöglich ihren besonderen Schutz aufgeben, um ihre Entwicklungsmöglichkeiten neu zu entfalten. Die neuen Zentren an der Peripherie sind meist große Monokulturen. Sie positiv zu beeinflussen, hieße für eine Anreicherung und Durchmischung mit anderen (sozialen, kulturellen, politischen) Funktionen zu sorgen.

3. verdrängte privatheit

Gleichzeitig mit den Veränderungen im öffentlichen Raum haben sich die privaten Räume inhaltlich polarisiert. Durch das Vorhandensein von Fernsehen und Computernetzen in der Wohnung ist diese nicht mehr nur privat. "Durch die allgegenwärtige Tele-Präsenz und globale Simultaneität, geschaffen durch die Telemaschinen und computergestützten Netzwerke, wird die Erde zu einem Herd, schrumpfen Kontinente zu Keksen. Kontinente werden zu Möbeln im Wohnzimmer Erde, Länder werden zu Tellern auf dem Tisch der Städte."(6) Innerhalb der und durch die computergestützten Netze entsteht ein anderer Massstab, Distanzüberwindung ist keine Frage der Bewegung von Körpern, das Netz umspannt die Welt und wir bewegen uns darin. Der Gestaltung des privaten Lebens scheint angesichts der Omnipräsenz an Öffentlichkeit nur mehr periphere Bedeutung zuzukommen. In der derzeitigen Diskussion geht es eher darum wie Arbeit, Information etc. (also eigentlich nicht private Bereiche) in die Wohnungen integriert werden könnten. "Ein möglicher Ausbruch ist das erneute Einwandern von Arbeitsmöglichkeiten in die Wohnung, mithin die Rückgängigmachung der modernen Trennung und des mit der Trennung erreichten sozialpolitischen Standards. Für junge Menschen ist die eigene Wohnung nur mehr bedingt das, was sie für die vorangegangene Generation war, ihre Hauptfunktion ist die einer Operationsbasis für eine auf Teilzeitarbeit, prekäre Jobs, hohe Mobilität angelegte Lebensführung."(7)
Veränderte Lebensweisen und gesellschaftliche Bedingungen könnten hier Veränderungen fördern. Finanzielle Grundversorgung für alle wird privatem Engagement und dem Arbeitsbegriff eine neue Grundlage geben und subjektiven Äußerungen im öffentlichen Bewusstsein wieder mehr Bedeutung verschaffen.
Es geht darum das Entstehen subjektiver Interessen gegenüber einer nivellierenden öffentlichen Meinung zu ermöglichen. Der eigentliche event am gewohnten Ort war das Leben der Kleinfamilie, so wie der Begriff "Wohnen", wie wir ihn heute gebrauchen, ein Produkt der Moderne. Obwohl der Anteil der Kleinfamilien an den Haushalten ständig abnimmt, orientiert sich der Standard der Wohnbauproduktion heute noch ausschliesslich an dieser Lebensform und hemmt so die Entwicklung anderer Modelle. Praktisch sind soziologische Begriffe wie intim, privat und öffentlich, in dem was Wohnung heisst, nicht mehr getrennt oder abgestuft, sondern gleichzeitig und gleichwertig vorhanden. Das zentrale Thema zeitgenössischen Wohnens ist mit den Begriffen Selbstbestimmung, Identität und Sinn beschreibbar. Im Sinne einer selbstbestimmten Lebensführung scheint es logisch, die Wohnung als einen äusseren Rahmen für eine individuelle Sphäre anzubieten, also alle Separierungen und Abteilungen neu zu hinterfragen. Der Architektur bleibt die Definition zwischen fremd- und selbstbestimmt, also im Wesentlichen der tragenden Konstruktion und der Hülle, als Thema. Die "Mission" der Architektur und der Architekt/inn/en (Architektur beeinflusst Lebensweise, Architekt/inn/en kennen die richtige) kann beendet werden. Was sich damit eröffnet, ist nach mehreren Seiten wirksam. Die einseitige Bevorzugung einer Lebensform wäre aufgehoben, die Kosten würden sinken, die Entwicklung zeitgemässer Lebensormen würde durch die Freigabe der Inhalte entidiologisiert und dadurch beschleunigt und unterstützt.

4. fragment und bild

Durch die Überlagerung der konkreten Räume mit dem medialen Raum verwischt sich die Bedeutung von Architektur. Sie verliert ihre Abschirmungsfunktion gegenüber einer sich dispers in den privaten Raum ausbreitenden Öffentlichkeit. Die dadurch hervorgerufene Dynamisierung stellt an die Menschen die Anforderung eines dauernden Oszillierens zwischen den Bereichen (Arbeit / Freizeit, intim / öffentlich, etc.) . Eine Vision der Stadt, nämlich an einem Ort, aber mit allen anderen Orten verbunden zu sein, scheint Realität geworden zu sein. Ganz im Sinne von Relativität existieren verschiedene Schichten der realen Stadt und ökonomische, mediale, kulturelle Netze gleichzeitig und gleichwertig ."Im Normalfall waren und sind die Städte tief in die wirtschaftlichen Gegebenheiten ihrer Region eingebettet und spiegeln deren charakteristische Züge oft deutlich wider..... In manchen Fällen kommt es dabei zu einer Überlagerung verschiedener Bezugssysteme: Paris oder London zum Beispiel sind nicht nur in ihr jeweiliges nationales Städtesystem, sondern auch in das transnationale europäische und das globale Städtesystem eingebunden."(8) Stadtentwicklung bewegt sich immer auf mehreren Diskursniveaus gleichzeitig: von globaler Positionierung bis zur Verbesserung der konkreten Situation am Ort, im Quartier und der Nachbarschaft. Die Überlagerungen der Ressourcen von Städten ergeben nie und nirgendwo gleiche Bilder. Die Topographie, die Eigenheiten der Architektur und des Stadtplanes, die Geschichte und die Vergangenheit ebenso wie die aktuelle ökonomische, politische und kulturelle Situation sind zusammengenommen immer unverwechselbar. Bei der Analyse bestehender städtischer Strukturen stellt sich die Frage wo diese Ressourcen kulminieren, d.h. komplexe inhaltliche Verschränkungen für weiterführende Strategien einer Stadtentwicklung existieren, um diese vorhandenen, aber oft unsichtbaren, Werte neu wirksam werden zu lassen. Positive Analyse beschäftigt sich weniger mit Mängeln im Bestehenden, trachtet auch nicht vordergründig nach deren Entfernung, sondern sucht durch Verwendung vorgefundener Situationen den Wert und die Identität zu stärken. Eine wichtige Überlegung geht von der Erfahrung aus, dass die Bewertung einer Situation oder eines Gebäudes nie absolut ist, sondern von verschiedenen Perspektiven und zu unterschiedlichen Zeiten andere Resultate ergibt. Das bedeutet, es gilt eine Methode anzuwenden, die ohne Bewertung auskommt, mit dem Vorteil, auch nichtmoralische Szenarien ernsthaft durchspielen zu können.
Ganzheitliche Planungsmethoden im urbanen Bereich neigen dazu vorhandene Bedeutungen zu löschen anstatt sie zu integrieren. Diese Entwertung oder Marginalisierung vorhandenen Materials vermindert in der Folge den Handlungsspielraum. Der Wert urbaner Fragmentierung liegt in der Fähigkeit begründet sofort umgesetzt werden zu können. Jeder einzelne Teil macht für sich schon Sinn. Fragmentierte Elemente können wie "homäopatische Injektionen" eingesetzt werden, um Entwicklungen einzuleiten, ohne ein festgelegtes Gesamtbild erfüllen zu müssen. Sie sind nicht in erster Linie ästhetisch, oft das Gegenteil.
"Man kann im Grunde nur aus der Erfahrung heraus wissen, dass Städtebau etwas anderes ist als Architektur. (...) Das Wichtigste am Städtebau ist, dass es niemals wirkliche Gestaltung geben braucht." (9). Städtebauliche Konzepte müssen die bauliche Entwicklung und deren Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Bedingungen gewährleisten. Eine bis ins Detail festgelegte Vorstellung von Stadt oder ihrem Aussehen wäre gleichzeitig ihr Ende. Sie kann deshalb auch nicht das Ziel einer urbanistischen Methode sein. Dem könnte man die Frage entgegenhalten: warum ist etwas etwas und nicht nichts? Damit meine ich, dass Planung ohne Gestalt, ohne ein "Bild" das entworfen wird, auch im Städtebau nicht ausreicht.
Die Kunst liegt demnach darin, "strategische" Bilder einer zukünftigen Stadt von perfekter Unvollkommenheit zu entwerfen.

Karl Meinhart, August 1997

Karl Meinhart
Geboren 1954. Architektur-Diplom an der TU Wien.
Seit 1992 Atelier in Wien.
Seit 1997 gemeinsame Arbeit mit Georg Huber im one room studio Salzburg-Wien (Collective Spaces, West Arc Competition, Cultural Capital of Europe 1997, Thessaloniki).
Mitglied der Kuratorengruppe für das internationale Kunstprojekt "Öffentlicher Raum / public space, Salzburg 1997-98".

(1) Bernhard Hoesli
Transparente Formorganisation als Mittel des Entwurfes,
in: Transparenz, Colin Rowe und Robert Slutzky, Addendum 1982, Birkhäuser Verlag gta Basel Boston Berlin, vierte erweiterte Auflage, 1997, S.90
(2) Bernhard Hoesli
ebenda, S.92
(3) Martin Pawley
Das Verschwinden der Architektur,
in "Spektrum", Wiener Tageszeitung "Die Presse" vom 7.6.1997, S.2
(4) Peter Weibel
Die virtuelle Stadt im telematischen Raum,
in: Mythos Metropole, hg. von Fuchs, Moltmann und Prigge,
Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M., 1995, S. 227.
(5) Rem Koolhaas
zum Stichwort "öffentlicher Raum"
in: Babylon Berlin etc., das Vokabular der europäischen Stadt,
hg. von Hans Stimmann, Birkhäuser Verlag, Basel Berlin Boston, 1995, S.175.
(6) Peter Weibel
Die virtuelle Stadt im telematischen Raum,
in: Mythos Metropole, hg. von Fuchs, Moltmann und Prigge,
Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M., 1995, S. 223.
(7) Dieter Hoffmann-Axthelm
Wohnen als fixe Idee,
in: Daidalos 60, Juni 1996, Bertelsmann Fachzeitschriften GmbH, Gütersloh, 1996, S.41.
(8) Saskia Sassen
Metropolen des Weltmarkts,
Campus Verlag, Frankfurt/New York, 1996, S. 74.
(9) Joost Meuwissen
Netze der Architektur
Liqueur, Forum Stadtpark Graz, 1996, S. 19

One Room

thematic field

A phenomenon that can be noted in many cities is that of certain parts of the city drifting off into a spiral of crises, while at the same time vital fields of power are emerging at other locations. This has resulted in greater competition in the city, the region and, in many cases, also beyond it. Changing conditions of the city and urban life are causes of this dynamic. Architecture and urban planning must reflect this change if they want to continue to assume a role in urban development.
Concepts and strategies must be developed for concrete situations. At the same time disciplines must orient themselves in the general field of urban developments. In the following, we will attempt to deal with issues related to the changed relationships between public and private life and possible strategies for urban development, on the basis of given elements, i.e., building – plot – public space.

the room and the whole space
The basis of any urban construction is the division of land in plots and public space. Plots have not always existed and only became visible through their use. The right to use the land and ownership of plots marked the beginning of development. Only through this division of all the available land does development assume a meaningful basis. This abstract system of fragmentation of an existing topography determines the scale and the rules of the game and enables constant change and continuous development in an urban structure. "In order to create architectural space man must intervene in the mathematical-physical space and delimit or mark off a certain area or part of it. In this way architectural space can be recognized, experienced, defined."1 In physical terms, the divided space is unchanged. In a certain sense, it remains part of the whole. It can be deduced from this phenomenon that the divided space has only been "lent", as it were, from the rest of the space. A crucial part of the room remains as a reference of the whole space.
Architectonic space does not just emerge through demarcation, but also through the simultaneous link with the surroundings. The room is defined by its boundaries. To experience this as such, the transcendent presence of the outside is necessary. In addition to the practical necessity, the presence of light and air also represents a symbolic presence of the continuum in the separated part. This division becomes pronounced in a subjective sense when the contrast to the outside space becomes tangible (cold/warm, wet/dry, dark/ light, defined from the outside/ self-defined, etc.) Architectonic (window, door, chimney, etc) and transcending links (artificial and natural light, plants, media, art, books, etc.) to the rest of the space are constantly referring to these relationships.
The room is a machine of consciousness which provides the individual with a field of play in which it can relate to the surrounding world.
If one views building regulations as furnishing one part of spatial resources to specific uses and users, while excluding others from this space, in view of the simultaneous tendency of available space becoming increasingly scarce, it becomes clear how important public space is in the city. Concrete open urban space is needed to be able to define oneself, those building elements which had been separated from the entire space. For this reason qualitative definitions are so crucial for the entire space and building with regard to the conception and assessment of architecture.
A special role in this connection is played by the link between indoor and outdoor situations on the ground level, for it defines the atmosphere of urban life in a significant way. Here you find a wide variety of uses, furnishing of cafes, advertisement, artistic projects, etc. that are directed to the public with a specific aim and various means. In this way public space is charged with meaning. The actual or symbolic presence of such meanings over and beyond the existing boundaries of the buildings represents that "...dualist idea of a figure, ground continuity of mass and hollow space as the complementary appearance of one and the same room."2. Architecturally separated rooms are thus connected again by way of meaning.
The reciprocal influence of topography and fragmentation as well as rebuilt and open space results in reciprocal responsibility and permeation. Architecture does not just create inside and outside space but a system of rooms in which the other is present.

privatized public sphere
The basis for public life is common public space. This common space involves space given to the media and computer networks for public life as well as concrete public urban space in which "real" bodies reside.
Public urban space loses meaning as a result of the competition between media and virtual spaces. "We are living in a age of the double existence of "bodies of construction" and "bodies of information ", perceptible but defeated cities and non-perceptible and victorious non-cities."3 Public life is becoming ever more fragmented in partial public spheres. There is the tendency for public life to move from concrete urban spaces to private or least marked off areas and also into new media spaces.
A large part of the population thus remains excluded from participating in social life which calls into question seemingly fixed ideas of democracy and politics, social integration and culture. "This new policy without a polis, i.e., new social organization of coexistence without the traditional forms and boundaries of the city, presents democracy with new tasks. For the new rules dominate the networks."4
Public urban spaces are ever more reduced to pure traffic spaces. Together with parks they represent the remainder of publicly administered space. Other places (theaters, museums, sports grounds, pools, schools, etc.) that could serve as encounter points are becoming privatized.
New public spaces (shopping centers, fun parks, etc.) usually develop on the periphery of cities.
Even though privatization of such institutions is usually motivated by economic factors, political, social and cultural concerns also come to bear, insofar as they converge with the interests of private investors. Since private owners want to determine who does what in these spaces, they control the access to them. In order to be able to exercise this control more effectively, these new public spaces are usually located on the inside of the buildings. These new public spaces polarize, since they marginalize: "For me it is entirely clear: public space is dead. Sometimes it comes to life again, but that has nothing to do with architecture. The trouble with public space is the same as in politics, there is a sort of paralysis, inactivity. Public space is dead, since the city has become a system of interconnected inner spaces."5
With regard to concrete space, it could be asked whether one wants to reinforce and thus preserve traditional public spaces and/or promote the development of new centers. The question is what path should be taken, how one can arrive at a "both" from either a shopping center on the periphery or shops in the historical center.

publicized private sphere
Parallel to the changes in public space, private spaces have also become polarized. Given the existence of TV and computer networks in homes, the latter is no longer just private. "Given the omnipresence of television and global simultaneity, created by tele-machines and computer-backed networks, the earth is becoming a hearth, continents are shrinking to the size of cookies, continents are becoming living room furniture, countries are becoming dishes on the table of cities."6 As a result of computer-backed networks, and within these very networks, a different sense of dimension is emerging. Overcoming distance is not a question of the movement of bodies, the network encompasses the world and we move within it.
The structuring of private life only seems to assume peripheral meaning in view of the omnipresence of the public sphere. In current debates the issue being discussed is how labor, information, etc. (not really private areas) can be integrated in homes. "A possible way-out is the reintegration of labor possibilities in the home, as well as the elimination of the modernist separation and thus of the social and political standards obtained by means of this separation. For young people one's own home is only to a limited extent that what it used to be for the previous generation. Its main function is that of an operational basis for a style of life based on part-time labor, precarious jobs, a high degree of mobility."7
Changed ways of life and social conditions can bring about changes here. Basic financial security for all will give private initiative and the notion of labor a new basis. Subjective expressions in public consciousness will receive ever more meaning.
The actual event at a familiar place was the life of the nuclear family. The notion of "living" in today's usage is a product of modernity. Even though the share of nuclear family households is steadily declining, the standard of apartment building is still exclusively oriented after this style of life, thus hampering the development of other models. Sociological concepts such as intimate, private and public are not longer separated or nuanced but rather simultaneous and equivalent in what is referred to as home.
The central theme of contemporary living can be described in terms of self-determination, identity and meaning. In the sense of a self-governed style of life it seems logical to offer homes as an external framework for an individual sphere. That is, to once again call into question all separations and divisions.

fragment and image
By overlapping the concrete spaces with media space, the meaning of architecture becomes blurred. It loses its function as a screen vis-a-vis a public sphere that is making inroads into the private sphere. The dynamization triggered by this confronts us with the challenge of constantly oscillating between various realms (labor/leisure time, intimate/public life, etc.) A vision of a city, namely at one place, but connected with all other places, seems to have become reality. Entirely in the spirit of relativity, various strata of the real city and economic, media, cultural networks exist simultaneously and with equivalently. "In the normal case, cities were and are deeply embedded in the economic circumstances of their region, often reflecting their characteristic features... In some cases various systems of reference become overlapped: Paris or London, for instance, are not just integrated in their national system of cities but also in the transnational European and the global system of cities."8 Urban development always moves on numerous levels of discourse at the same time: from global positioning to the improvement of the concrete situation on site, in the district and in the neighborhood.
The overlapping of the resources of cities never and nowhere produce the same images. The topography, the specificities of architecture and of the city layout, the history and the past as well as the present economic, political and cultural situation are always unmistakable taken together. In the analysis of existing urban structures the question arises as to where these resources culminate, i.e., complex interrelations for further strategies of urban development exist to let these existing, but often invisible values have a new effect again. Positive analysis deals less with the deficits of existing structures, but it also does not mainly seek to remove them but rather to use given situations to reinforce values and identity.
An important consideration is based on the experience that the assessment of a situation or of a building is never absolute. It always yields different results from various perspectives and points in time. This means that a method must be used that can make do without assessment, with the advantage of being able to seriously play through non-moral scenarios as well. Holistic methods of planning in the urban realm tend to erase existing meanings instead of integrating them. This devaluation or marginalization of given material subsequently reduces the scope of action.
The value of urban fragmentation resides the ability to be immediately translated into reality. Each single piece produces meaning. Fragmented elements can be used like "homeopathic injections" to initiate developments without having to fulfill a complete image, They are not primarily aesthetic – often quite the contrary. "You can basically only know from experience that city planning is something different than architecture. (...) The most important thing about city planning is that it really never has to give shape to something."9 Concepts of city planning must ensure building development and its adaptability to changing conditions. A fixed, detailed idea of the city or its appearance would also be its end. Thus it cannot be the goal of an urbanistic method.
As a rejoinder, one could say: why is something something and not nothing? With this I mean that planning without a structure, without an "image" is also not sufficient in city planning.
The art thus lies in designing "strategic" images of a future city that is perfectly incomplete.

1 Bernhard Hoesli, Transparente Formorganisation als Mittel des Entwurfes, in: Transparenz, Colin Rowe und Robert Slutzky, Addendum 1982, Birkhäuser Verlag gta Basel Boston Berlin, 4th expanded edition, 1997, p. 90
2 Bernhard Hoesli, idid., p. 92
3 Martin Pawley, Das Verschwinden der Architektur, in "Spektrum", Die Presse, 6.7.1997, p. 2.
4 Peter Weibel, Die virtuelle Stadt im telematischen Raum, in: Mythos Metropole, eds. Fuchs, Moltmann and Prigge, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M., 1995, p. 227.
5 Rem Kohlhaas on the catchword "public space", in: Babylon Berlin etc., das Vokabular der europäischen Stadt, ed. Hans Stimman, Birkhäuser Verlag, Basel Berlin Boston, 1995, p. 175.
6 Peter Weibel, Die virtuelle Stadt im telematischen Raum, in: Mythos Metropole, eds. Fuchs, Moltmann und Prigge, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M., 1995, p. 223.
7 Dieter Hoffmann-Axthelm, Wohnen als fixe Idee, in: Daidalos 60, June 1996, Bertelsmann Fachzeitschriften GmbH, Gütersloh, 1996, p. 41.
8 Saskia Sassen, Metropolen des Weltmarkts, Campus Verlag, Frankfurt/New York, 1998, p. 74.
9 Joost Meuwissen, Netze der Architektur, Liqueur, Forum Stadtpark Graz 1996, p. 19.

Karl Meinhart

abstract

one room

Architektonischer Raum entsteht nicht nur durch die Abgrenzung von, sondern auch durch die gleichzeitige Verbindung mit der Umgebung. Das Zimmer definiert sich aus seinen Grenzen, um diese als solche zu erfahren, ist die transzendente Anwesenheit des Aussen notwendig. Licht und Luft stellen neben der praktischen Notwendigkeit auch eine symbolische Präsenz des Kontinuums im separierten Teil dar. Architektonische (Fenster, Tür, Kamin, etc) und transzendierende Verbindungen (künstliches und natürliches Licht, Pflanzen, Medien, Kunst, Bücher, etc.) zum ganzen Raum thematisieren permanent diese Verhältnisse. Das Zimmer ist die Bewusstseinsmaschine, die dem Subjekt jenes Spielfeld abgibt, auf dem sein Verhältnis zur Umgebung thematisiert wird. Obwohl der Anteil der Kleinfamilien an den Haushalten ständig abnimmt, orientiert sich der Standard der Wohnbauproduktion heute noch ausschliesslich an dieser Lebensform und hemmt so die Entwicklung anderer Modelle. Praktisch sind soziologische Begriffe wie intim, privat und öffentlich, in dem was Wohnung heisst, nicht mehr getrennt oder abgestuft, sondern gleichzeitig und gleichwertig vorhanden. Das zentrale Thema zeitgenössischen Wohnens ist mit den Begriffen Selbstbestimmung, Identität und Sinn beschreibbar. Im Sinne einer selbstbestimmten Lebensführung scheint es logisch, die Wohnung als einen äusseren Rahmen für eine individuelle Sphäre anzubieten, also alle Separierungen und Abteilungen neu zu hinterfragen. Der Architektur bleibt die Definition zwischen fremd- und selbstbestimmt, also im Wesentlichen der tragenden Konstruktion und der Hülle, als Thema. Die "Mission" der Architektur und der Architekt/inn/en (Architektur beeinflusst Lebensweise, Architekt/inn/en kennen die richtige) kann beendet werden.

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