Foto © Giancarlo Gardin
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Mehrfamilienhaus Chesa al Crep aus Sichtbeton

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Jahr
2008

Kurz bevor in Maloja die Hochebene des Engadins ins Bergell übergeht, fällt ein neues mehrstöckiges Haus, etwas abseits der Kantonsstrasse und ein Steinwurf entfernt vom historischen Hotel Schweizerhaus und der Casa Giovanni Segantini, ins Auge. Während die beiden alten Holzbauten reich verziert sind, zeichnet sich das Mehrfamilienhaus durch klare, reduzierte Formsprache aus: der Baukörper  lehnt sich geometrisch (unregelmässiges Sechseck) wie auch farblich am gegenüberliegendem Felsen aus rötlich-braunen Gneis an. Durch die Form, die an Fischerboote auf dem nahen See erinnert, wird eine bessere und längere Besonnung gewährleistet. Das Besondere ist jedoch die Art der Gebäudehülle, die aus eingefärbten Sichtbeton besteht; eine Haut, die man eher einem städtischen als einem Haus in den Bergen zugesteht. In Maloja jedenfalls wirkt sie entschieden fremd. Auch bedeutet der Einsatz von Sichtbeton im Werk von Renato Maurizio, der bis dahin die Fassaden aus Naturstein, Holz und Verputz plante, eine Zäsur. Ein Zeichen, dass sich der Horizont in seinem Atelier dank der Energie der neuen Generation erweitert hat.

Beim verwendeten Material handelt es sich um einen eingefärbten selbst verdichteten Beton mit Brättlischalung. Ferner ist er mit Eisenoxyd gefärbt, was den rötlich-braunen Farbton ergibt, der die Farben des Felsen widerspiegelt. Dieses charakteristische Farbspiel ist nicht etwa effekthascherisch oder banal malerisch, sondern entspricht dem Bestreben des Entwerfers, einen sichtbaren Bezug zur Natur herzustellen. Damit wirkt die Konstruktion lebendig und nimmt durch diese Metamorphose das Fliessen der Zeit, die wechselnden Wetter- und Lichteinflüsse auf.

Im Innern ist das Treppenhaus dunkel ausgestaltet. Der Bodenbelag besteht aus schwarzem Granit und das Treppengeländer aus schwarz-rötlichen Eisenplatten. Die Wände sind Anthrazit gestrichen. In den Wohnungen – eine pro Stockwerk – ist der Wohnraum das Herzstück mit seiner Fensterfront gegen Süd-West die einen unglaublichen Ausblick auf das atemberaubende Panorama der Bergeller Berge bietet. Ein Korridor, der die Form des sechseckigen Grundrisses aufnimmt, erschliesst die Schlafräume. Diese vom Architekten geschaffene Anordnung ist höchst rational und bietet eine puristisch minimalistische Bühne. Jdeal, Design mit antikem Mobiliar und diese mit zeitgenössischen Kunstwerken zu mischen. So wird das Haus in den Bergen, indem eine Beziehung zwischen dem Ort und dem zeitgenössichen Geschmack gesucht und hergestellt wird, auf radikale Art neu erdacht.

Text Riccardo Bianchi aus "Häuser in den Bergen", Archideos Verlag

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