Wohnhaus in Trebesing von Morpho-Logic Architekten BDA Stadtplaner

Hanghaus und Kuhwiese

 Thomas Geuder
27. November 2017
Der Wunsch nach einem Rückzugsort, einem Refugium, für zwei vielarbeitende Architekten und ein geerbtes Hangwiesengrundstück in Kärnten gaben den Ausschlag dieses Haus zu bauen. (Bild: Michael Heinrich / Morpho-Logic Architekten)
Ein Rückzugsort für zwei vielarbeitende Architekten und ein minimierter Eingriff in die Natur: Die Architekten von Morpho-Logic aus München habe ein Haus kreiert, das sich harmonisch in die Umgebung einfügt und viel Raum zur Einkehr schafft.
Projekt: Wohnhaus „Kuhwiesenhanghaus“ (Trebesing, AT) | Architektur: Morpho-Logic Architekten BDA Stadtplaner (München, DE) | Bauherr: privat | Hersteller: Rauh Fensterbau GmbH (Zapfendorf / Sassendorf, DE), Kompetenz: Holzfenster und Holz-Alu Pfosten-Riegel-Elemente | Hersteller: easyTherm (Unterwart, AT), Kompetenz: Infrarotheizung | weitere Projektdaten siehe unten
In Österreichs Kärnten gibt es einige wunderbare Täler, in denen die Uhr noch langsamer zu ticken scheint. Vordergründig betrachtet ist auch das Liesertal oberhalb des Millstätter Sees ein solches, sogar mit historischer Römerstraße und ehemaligem Bergbau. Doch hier verläuft auch die Tauernautobahn, eine wichtige Verbindung in Nord-Süd-Richtung zwischen Salzburg und dem Wörthersee bzw. Slowenien. Dennoch haben die Bewohner um Trebesing Glück: Im Bereich der kleinen Gemeinde wurde die Autobahn auf einer Länge von rund einem Kilometer komplett eingehaust, wodurch viel von der ursprünglichen Qualität des Ortes gewonnen wird.

Kein schlechter Ort mehr also, um sich hier einen Rückzugsort vom geschäftigen Alltag zu schaffen. Das zumindest dachten sich zwei Architekten, die hier in Trebesing ein Hangwiesengrundstück erbten, etwas außerhalb vom Ortskern, dafür mit einer Hangneigung von 16 Grad. Das am Westhang gelegene Grundstück ist auch Heilquellenschutzgebiet und dient den Rindern eines benachbarten Bauernhofs als Nahrungsquelle, mit Blick zum Katschberg im Norden und zu den Karawanken im Süden sowie gegenüber zum Tschiernock, Teil der knapp 2.500 m hohen Nockerberge. Die Idee von Morpho-Logic Architekten war folglich, den Eingriff in den Hang so klein wie möglich zu halten und das Gebäude so weit wie möglich gestalterisch in die Umgebung zu integrieren. So ordneten sie das Häuschen zunächst mit einem Abstand zum Gelände an, es ruht nun auf einem Stahlgerüst, drunter kann das Gras weiterwachsen.
Das kleine Haus mit einer Nutzfläche von knapp 70 m² will so wenig wie möglich in die bestehende Umgebung eingreifen und ist deswegen mit Abstand aufs Gelände gesetzt. (Bild: Michael Heinrich / Morpho-Logic Architekten)
Das Haus selbst ist ein Holzhaus, das formal zu einen Teil dem Hangverlauf folgt, sich dann davon löst und sich dem Tag entgegenstreckt. Verstärkt wird dieses Entgegenstrecken noch durch die Grundrissform, die sich konisch zum Tal hin weitet. Die Außenhaut besteht aus einer unbehandelten Lärchenholzschalung, die allmählich eine silbergraue Patina erhält, wodurch das Haus in Zukunft weniger wie ein Haus erscheinen wird, sondern sich – so das Ziel der Architekten – wie ein eigenwillig geformter Stadl sich in die ländliche Umgebung einfügt. Der Holzbau besteht aus vorgefertigten Elementen (Zellulosedämmung 28 cm, inklusive Außenschalung), wodurch die Bauzeit vor Ort erheblich verkürzt werden konnte.

Auch im Innenraum ist Lärchenholz das vorherrschende Material. Hier wird das räumliche Konzept deutlich: Die Außenwände bilden drinnen gleichzeitig ein zusammenhängendes Raumvolumen im selben Material, mit Höhen zwischen 2,5 und 3,6 m. Eine räumliche Gliederung findet dann durch die Höhenstaffelung bzw. die sich darauf ergebenden Ebenen sowie ein paar wenige, nicht ganz bis zur Decke reichender Wände, die zusammen eher als eingestellte Raumskulptur wahrgenommen werden. Diese Skulptur grenzt den Schlafraum oben vom restlichen Wohnraum ab, beherbergt das Badezimmer und bildet schließlich die Rückwand für die Küche. Ein fest eingebautes Sitzelement eine Ebene weiter unten fungiert als Auftakt zum großzügigen Hauptwohnraum mit vorgelagerter, überdachter Terrasse. Um den Blick von hier aus auf die reizvolle Landschaft, der vor allem über die Gebäudeecken funktioniert, möglichst wenig zu stören, haben die Planer Fenstersysteme mit möglichst geringen Profilbreiten gewählt (Rauh SR Fensterbau). Damit sich dieser Ausblick auch im Winter wohlig warm genießen lässt, sind an der Innendecke Infrarot-Heizpaneele (easyTherm) angeordnet, mit deren Strahlungswärme ein angenehmes Raumklima garantieren soll. Auf dem Dach übrigens befindet sich sogar eine zweite Terrasse, die per Leiter und Dachluke erreichbar ist – und von wo aus man geschützt und uneinsehbar den Blick auf die gegenüberliegenden Zweitausender oder den Sternenhimmel genießen kann.
Hinter der dem Hang zugewandten Rückseite, die sich eher geschlossen gibt, befindet sich das Schlafzimmer. (Bild: Michael Heinrich / Morpho-Logic Architekten)
Der Innenraum ist als Gesamtraum entworfen, in dem nicht ganz deckenhohe Wände einzelne Bereich abtrennen. An der Decke: die Infrarot-Heizelemente. (Bild: Michael Heinrich / Morpho-Logic Architekten)
Sehr offen, mit raumhohen Fenstern über die Ecke, gibt sich der Wohnraum. Lediglich eine Wandscheibe in der Mitte dient als räumliche Grenze. (Bild: Michael Heinrich / Morpho-Logic Architekten)
Lageplan (Zeichnung: Morpho-Logic Architekten)
Grundriss Dachgeschoss (Quelle: Morpho-Logic Architekten)
Grundriss Wohngeschoss (Quelle: Morpho-Logic Architekten)
Längsschnitt (Quelle: Morpho-Logic Architekten)
Detail raumhohe Verglasung Wohnraum (Quelle: Morpho-Logic Architekten)
Die umgebende Wiese – immerhin mit einer Neigung von 16 Grad – dient den Rindern eines benachbarten Bauernhofs als Nahrungsquelle. (Bild: Morpho-Logic Architekten)
Versteckt am Westhang bietet das „Kuhwiesenhanghaus“ einen idealen Ort zum Ausruhen. (Bild: Morpho-Logic Architekten)
Projekt
Wohnhaus „Kuhwiesenhanghaus“
Trebesing, AT

Architektur
Morpho-Logic Architekten BDA Stadtplaner
München, DE

Team
Michael Gebhard, Prof. Ingrid Burgstaller

Bauherr
privat

Hersteller
Rauh Fensterbau GmbH
Zapfendorf / Sassendorf, DE

Kompetenz
Holzfenster IV67 Lärche, 2-fach-Verglasung mit Fensterfalz-Lüfter
Holz-Alu Pfosten-Riegel-Elemente mit Ganzglasecken, innen Lärhce Brettschichtholz, außen Alu-Deckeschalen RAL 9006 Weißaluminium

Hersteller
easyTherm GmbH
Unterwart, AT

Kompetenz: Infrarotheizung

weitere Hersteller
Fenster- Türgriffe: FSB
Leuchten: Artemide, BEGA,
Armaturen Bad/ Küche: Hansgrohe
Schalterprogramm: Jung LS 990
Dach: Sarnafil

Holzbau
Weissenseer Holz-System-Bau GmbH
Greifburg, AT

Auszeichnung
2017 Holzbaupreis Kärnten

Fertigstellung
2017

Fotografie
Michael Heinrich
Morpho-Logic Architekten
Projektvorschläge
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