Bürohaus Vista in Frankfurt am Main von KSP Jürgen Engel Architekten

Fassadenflimmern

3. Mai 2017
In Frankfurt am Main haben KSP Jürgen Engel Architekten einen Büroneubau errichtet, der mit der Dynmaik des Ortes spielt. (Bild: hiepler, brunier,)
Inmitten übermächtiger Hochhäuser zu bauen, kann eine Herausforderung für den Architekten sein. In Frankfurt am Main reagieren die Planer von KSP Jürgen Engel Architekten auf diese Vertikalität mit einer horizontalen Dynamik.
Projekt: Bürohaus Vista (Frankfurt am Main, DE) | Architektur: KSP Jürgen Engel Architekten (Frankfurt am Main, DE) | Bauherr: Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH (Frankfurt am Main, DE) | Hersteller: diverse | Metallbauer Fassade: IGM GmbH (Medard, DE) | vollständige Bautafel siehe unten
Frankfurts Skyline ist speziell, vornehmlich wegen der mittlerweile zahlreichen Hochhäuser, die sich wie an einer Perlenschnur entlang der Friedrich-Ebert-Anlage und der Mainzer Landstraße aufreihen und schließlich auf Höhe der Taunusanlage in einer Art Vertikal-Cluster enden. Neubauten, die in genau diesem Kontext errichtet werden sollen, haben es in Sachen Gestaltung nicht ganz einfach zu bestehen, denn der Raum zwischen den Himmelsstürmern kann mitunter recht beengt wirken. Den Planern von KSP Jürgen Engel Architekten (ebenfalls in Frankfurt beheimatet) stand für einen Büroneubau ein Baugrund in der Mainzer Landstraße genau zwischen dem gestalterisch nach oben strebenden FBC- und dem markant dreieckigen Trianon-Hochhaus zur Verfügung, beide bekannte Größen in der Stadt. Hier befand sich bis vor Kurzem ein recht dunkles Gebäude aus den 1980er-Jahren mit großzügigen, verspiegelten Glasflächen, das Anfang 2015 schon abgebrochen wurde. Im Auftrag der Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft wurde auf dem knapp 3.000 m² großen Grundstück nach Plänen von KSP Architekten nun das Bürogebäude «Vista» errichtet, mit einer Bruttogeschossfläche von insgesamt 10.385 m² auf sieben Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss.
In direkter Nachbarschaft befinden sich Hochhäuser wie das markante Trianon mit auf einem Dreieck basierender Gebäudeform. (Bild: hiepler, brunier,)
Der Baukörper will deutlich spürbar alles andere als eine Schuhschachtel mit Schießscharten-Fenstern sein. Zur Mainzer Landstraße entwickelt er durch geschicktes Verknüpfen von schwarzen, eher zurückgesetzten sowie alufarbenen Fassadenteilen eine Z-förmige Silhouette. Die Glas-Aluminium-Fassade selbst ist zunächst horizontal gegliedert, versehen dann mit drei verschieden breiten, vertikalen Lisenentypen (aus eloxiertem Alu), deren Flächen jeweils in einem anderen Winkel angeordnet sind. Abhängig von der Sonneneinstrahlung verändert sich so das Fassadenbild immer wieder. Die Grundidee der Architekten war es, mit einer «flimmernden» Fassade die Dynamik der Mainzer Landstraße architektonisch zu übersetzen, in einen ebenso dynamischen, hellen, silberfarbenen und technisch anmutenden Solitär. Dieses Spiel mit den Helligkeiten ist gleichzeitig ein Spiel mit der Tiefe von den hellen Aluminiumelementen außen zu den dunklen Glasscheiben innen.
Drei verschieden breite vertikale Lisenentypen sollen je nach Wetterlage und Uhrzeit ein sich stets veränderndes und flimmerndes Bild im Stadtraum erzeugen. (Bild: hiepler, brunier,)
Schrägstehende Stützen im westlichen Sockelbereich ermöglichen einen großzügigen Zugang zum Innenhof über zwei Fahrspuren und markieren außerdem den Haupteingang. Drinnen folgt zunächst ein zweigeschossiges Foyer, in dem die Idee der dynamisch bewegten Fassade fortgeführt wird. Die gefalteten Wandflächen aus großformatigen, dreieckigen Holzelementen sollen mit ihrer warmen Materialität auch einen Gegenpol zur kühlen, technischen anmutenden Materialität der Fassaden bilden. Auch die schwarzen Fassadenelemente finden ihre Entsprechung im schwarzen Bodenbelag des Foyers und der schwarzen Glasverkleidung der Aufzugskabine. Da die Stützen des Tragwerks sich in Fensterebene befinden, sind die Geschosse stützenfrei und flexibel nutzbar, mit Tageslichtarbeitsplätzen entlang der Fassade und einer Mittelzone für Nebenräume und Mitarbeiterlounge. Das Pendant zum gläsernen Eingangsbereich bildet schließlich ein schwarzer Glaspavillon im fünften Obergeschoss mit elegant sechs Meter hohen Glasscheiben. Derzeit strebt das Büro- und Verwaltungsgebäude eine LEED Gold Zertifizierung an.
Eine Staffelung in der Tiefe erzeugen die Architekten durch die Aluminium-Fassade mit den Lisenen in Kombination mit schwarzen Fassadenelementen. (Bild: hiepler, brunier,)
Kontext Mainzer Landstraße (Quelle: KSP)
Lageplan (Quelle: KSP)
Grundriss Regelgeschoss (Quelle: KSP)
Grundriss Erdgeschoss (Quelle: KSP)
Fassadenansicht und -detail (Quelle: KSP)
Musterfassade 2015 vor Ort (Bild: KSP)
Im zweigeschossige Foyer haben die Architekten die Idee der bewegt-dynamischen Fassade fortgeführt. (Bild: hiepler, brunier,)
Die Büroräume sind stützenfrei und bieten neutralen Raum für die individuelle Gestaltung. (Bild: hiepler, brunier,)
Das Bürohaus «Vista» reagiert auf den Ort mit einer horizontalen Gliederung und vertikal erzeugter Dynamik in der Fassade. (Bild: hiepler, brunier,)
Projekt
Bürohaus Vista
Frankfurt am Main, DE

Architektur
KSP Jürgen Engel Architekten
Frankfurt am Main, DE

Hersteller
Elementfassade: Schüco
Gläser: Guadrian Sunguard
Sonnenschutz außen/innen: Warema
Metall-Heiz-Kühldecke: Peukert
Außenbeleuchtung: Bega

Metallbauer
IGM GmbH
Medard, DE

Fassadenbleche
Aluminium Eloxal E6/EV1

von:
Pohl Fassaden- und Abkanttechnik
Köln, DE

Bauherr
Groß & Partner Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH
Frankfurt am Main, DE

BGF
ca. 8.260 m² oberirdisch / ca. 2.125 m² unterirdisch

BRI
40.930 m³

Fertigstellung
2016

Fotografie
hiepler, brunier,
KSP
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