Alle unter einem Dach

DIN A4 Architektur
9. Juli 2021
Im Gruppenraum des Kindergartens (Foto: Andre Schönherr)

Markus Prackwieser und Conrad Messner erklären, wie sie mit ihrem Team von DIN A4 Architektur in Volders ein Generationenhaus mit Kinderkrippe und Kindergarten sowie Wohnungen für ältere Menschen, aber auch für junge Familien gestaltet haben.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Sicher in der Herausforderung, viele unterschiedliche Nutzungen unter einem Dach zusammenzubringen. Im Gebäude befinden sich Vereinsräumlichkeiten, ein Kindergarten, eine Kinderkrippe sowie betreutes Wohnen. Auch junge Familien leben dort. Zudem war das zur Verfügung stehende Grundstück unter Einbeziehung aller erforderlichen Freiräume sehr knapp bemessen. Denn ein Teil durfte nicht bebaut werden.

Eingangsbereich (Foto: Andre Schönherr)
Ostansicht (Foto: Andre Schönherr)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Ein bereits umgesetztes Projekt, die Revitalisierung eines brachliegenden Dorfzentrums, bei dem ebenfalls unterschiedliche Nutzungen zur bestehenden Schule hinzugefügt wurden, hat uns inspiriert. Dort hat sich über die Jahre als sehr bereichernd erwiesen, viele und auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Interessen zu verschmelzen. In Anlehnung an dieses Projekt wurde der Entwurf um einen gemeinsam genutzten überdachten Innenhof als zentrales Element aufgebaut, der zufällige akustische und visuelle Begegnungen zwischen Jung und Alt zulässt.

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Das Grundstück befindet sich in zweiter Reihe an der Hauptstraße. Die Nachbarschaft besteht aus den Parkplätzen eines Supermarktes und eines Veranstaltungssaals. Nordöstlich grenzt jene Parzelle an, auf der einst die alte Burg Schönwerth gestanden hat. In diesem Bereich konnten aufgrund der strengen Auflagen des Bundesdenkmalamtes keinerlei Baumaßnahmen stattfinden. So war der tatsächlich bebaubare Bereich sehr stark beschränkt. Die Lösung wurde mit dem besagten gemeinsamen Innenhof gefunden, wo sich Bewohner und Kinder geschützt vor allen äußeren Einflüssen aufhalten können. Abgewandt von Verkehr und Lärm orientiert sich in weiterer Folge der Spielplatzbereich in Richtung des freibleibenden Grundstücksteils, der an die Schlossparzelle grenzt.

Aufenthaltsbereich »Marktplatz« (Foto: Andre Schönherr)
Gemeinsamer Mittagstisch von Kinderkrippe und Kindergarten (Foto: Andre Schönherr)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


In der ersten Planungsphase indirekt durch die Vorgaben des Raumprogramms, in weiterer Folge durch hilfreiche Inputs in Bezug auf individuelle interne Tagesabläufe in den Bereichen Kindergarten, Kinderkrippe, Mittagstisch und Freizeitgestaltung.

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Es ist aus unserer Sicht ein weiteres Projekt, das sich durch konsequente Planung und den starken Einbezug der Bauherrschaft und der Nutzer auszeichnet. Es ist das Eine, seine Vorstellungen und Gestaltungswünsche umzusetzen. Doch die vollständige Zufriedenheit aller – vom Bauherrn bis zu den beteiligten Firmen und Nutzern – erreicht man nur, wenn es gelingt, alle ins Boot zu holen.

Überdachter Innenhof – Spielbereich des Kindergartens (Foto: Andre Schönherr)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Ja, in energetischer Hinsicht: Das Bauwerk wurde im Passivhausstandard umgesetzt und mit »Klimaaktiv Silber« ausgezeichnet.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Mit Sicherheit war der große Anteil des Baustoffs Holz entscheidend. Wir haben ihn sowohl an der Fassade als auch im Innenraum bei den Decken- und Wandverkleidungen sowie für die Böden und die furnierten Möbeln in den Kindereinrichtungen eingesetzt. Auch wurden die gut nutzbaren Balkonbereiche der Kleinwohnungen in Holz gestaltet.

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Schnitt
Bauwerk
Haus der Generationen
 
Standort
Schönwerth-Park 1, 6111 Volders
 
Nutzung
Kinderbetreuung, Wohnungen für Senioren und junge Familien sowie Räumlichkeiten für Vereine
 
Auftragsart
Geladener Wettbewerb, 1. Preis
 
Bauherrschaft
Neue Heimat Tirol Gemeinnützige WohnungsGmbH, Innsbruck
 
Architektur
DIN A4 Architektur, Innsbruck
Projektleiter: DI Markus Prackwieser
 
Fachplaner
Generalunternehmer: Bodner Hans Ing. BaugesmbH & CO KG, Kematen
Statik: ZSZ – Ingenieure ZT GmbH, Innsbruck
Bauphysik: Fiby ZT-GmbH, Innsbruck
Planung Elektro: Obwieser GmbH, Absam
Planung HKLS: Klimatherm GmbH, Zirl
 
Bauleitung 
Bodner Hans Ing. BaugesmbH & CO KG, Kematen
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Energiestandard
Passivhausstandard
 
Kunst am Bau
Patricia Karg 
 
Fotos
Andre Schönherr

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