Architektur der Stille

STUDIO LOIS
20. September 2019
Foto: David Schreyer

Gemeinsam mit dem japanischen Büro Kengo Kuma AA hat STUDIO LOIS einen Meditationsraum in einem Waldstück nahe dem bayerischen Krün bei Klais gestaltet. Barbara Poberschnigg spricht mit uns über den zauberhaften Ruheort und beantwortet unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Unser Ziel war, am Bauplatz keine Narben zu hinterlassen. Der Pavillon steht mitten im Wald. Einen Weg gibt es nicht. Keine abgeholzte Stelle erinnert an den Bauprozess. 

Foto: David Schreyer
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Das Gebäude wirkt für die Ankommenden wie eine hölzerne Schutzhülle. 1'600 Tannenbretter falten sich auf und bilden eine Gewebe. Sie sind in 20 vertikalen Reihen diagonal angeordnet. Dabei folgen sie einem Rhythmus und sind ähnlich ineinander geschoben wie verschränkte Hände. Es entsteht eine dichte, schützenden Hülle um die Fassade. An einigen Stellen sind die Maschen dieses Gewebes weiter und das Gebäude gewinnt an Transparenz. Der große Meditationsraum ist rahmenlos verglast, das Dach scheint darüber zu schweben. Durch eine breite Schiebetür betritt man das Haus. Der Waldboden fliesst bis unmittelbar an die Glasfassaden heran. So spüren die Besucher*innen gleich beim ersten Schritt aus dem Pavillon ihre Umgebung, den Wald. 

Foto: David Schreyer
Foto: David Schreyer
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Der Ort, die Waldlichtung, war prägend für die Materialisierung des Baus und hat uns zu seiner schlichten Geometrie inspiriert. Wir haben den Baukörper zwischen die lichten Stellen im Wald an eine Geländekante gesetzt. Die erwähnte Brettschlichtung erzeugt gemeinsam mit den umliegenden Bäumen veränderliche und stimmungsvolle Schattenspiele.

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?

Nein, denn zwar wurde die Materialgebung prozesshaft erarbeitet, aber die Grundstruktur war im Entwurf unserer japanischen Kollegen Kengo Kuma und Katsuhito Komatsu bereits gegeben.

Foto: David Schreyer
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Der Pavillon gehört zu einem Hotel und steht auf dessen Grundstück. In seiner Einfachheit und Schlichtheit bildet er einen bewussten in Kontrast zum hektischen Hotelbetrieb – und dem Komfort und materiellen Luxus unserer Konsumgesellschaft. Ruhe und Kontemplation sind Kostbarkeiten, die man schwerlich kaufen kann. Sie bedeuten wahren Luxus. Das möchten wir den Nutzer*innen mit unserem Pavillon vor Augen führen und bewusst machen. Der sanfte Umgang mit der Natur war wichtig, um einen Ruheort zu schaffen und diese erlebbar zu machen.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Wie erwähnt ist die wichtigste Eigenschaft unseres Pavillons seine Einfachheit. Dabei spielt die Materialität eine wesentliche Rolle; zuvorderst zu nennen ist die unbehandelte Weißtanne, die wir verbaut haben.

Foto: David Schreyer
Lageplan
Grundriss
Schnitt
Name des Bauwerks Meditationshaus im Wald
Ort Kranzbach 1, 82494 Krün bei Klais, Bayern (Deutschland)
Auftragsart Direktauftrag
Bauherrschaft Hotel Kranzbach GmbH, Geschäftsführung Dr. Jakob Edinger
Architektur Architektengemeinschaft aus Kengo Kuma AA, Tokyo, Japan (Kengo Kuma, Kasuhito Komatsu) und STUDIO LOIS Architektur und Design, Innsbruck, Österreich (Barbara Poberschnigg, Mario Huber)
Fachplaner  Haustechnik: A3 JP GmbH, Innsbuck | Statik: Ing. Frühholz & Wörmannn, Garmisch (Deutschland)
Jahr der Fertigstellung 2018
Gebäudevolumen 825 m3
Auszeichnung Iconic Award: Innovative Architecture, Best of the Best | Architekturpreis Tourismus und Architektur Artouro 2019: Nominierung, die Preisverleihung findet im November 2019 statt.
Fotos David Schreyer

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