Aussicht und Einsicht

Snøhetta
17. Januar 2020
Foto: Christian Flatscher  

Snøhetta hat einen »Perspektivenweg« auf der Nordkette oberhalb von Innsbruck gestaltet. Patrick Lüth, Managing Director der Niederlassung des Büros in der Tiroler Landeshauptstadt, erklärt uns die Überlegungen hinter dem Entwurf.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die architektonischen Elemente unseres Projekts »Perspektivenweg« auf der Innsbrucker Nordkette geben sich zurückhaltend. Die kleinen Eingriffe helfen den Besucher*innen, die Besonderheiten der alpinen Welt umher zu entdecken. Im Vordergrund steht die spektakuläre Bergkulisse und keine aufsehenerregende Aussichtsplattform. Wir sind der Meinung, dass man in einer so schönen Umgebung unbedingt Zurückhaltung üben muss. Unsere gestalterischen Interventionen fügen sich nahtlos in die Landschaft.

Foto: Christian Flatscher  
Foto: Christian Flatscher  
Foto: Christian Flatscher  
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Die Nordkette ist einerseits ein Ort, der Extremsportler*innen viele Möglichkeiten für ihre Bergabenteuer bietet. Andererseits nutzen viele Tourist*innen die Nordkettenbahn, um ins Hochalpin zu gelangen. Unser »Perspektivenweg« bietet nun allen die Möglichkeit, bei einem Spaziergang die Bergwelt zu entdecken. Viele nutzen die Holzplattformen auch als Rastplätze. Kurzum: Unser »Perspektivenweg« ermöglicht jedem ein individuelles Bergerlebnis.

Foto: Christian Flatscher  
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Die Bergkulisse war natürlich der prägende Faktor für alle weiteren Überlegungen: Welche Perspektive betonen wir, wo sollen Besucher*innen verweilen, wie wird der Blick mit beinahe unmerklichen gestalterischen Gesten inszeniert, wie animieren wir die Besucher*innen, den Schritt in die »raue Bergwelt« zu wagen… All diese ortsspezifischen Fragen wirkten auf den Entwurf ein. Ebenso bestimmte die Umgebung die Materialwahl: Der rostige Stahl der nahen Lawinenverbauungen inspirierten uns zur Nutzung von Cortenstahl. Und mit Lärchenholz kam ein Material der alpinen Regionen zum Einsatz. 

Der Ort regt natürlich auch zur Reflexion an. Diese innere Einkehr sollen Zitate des Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889–1951) zusätzlich stimulieren, die wir bei jedem Element platziert haben. Ein Teil des Wittgenstein-Nachlasses befindet sich übrigens im Innsbrucker Brenner Archiv. 

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Bei all unseren Projekten spielen die Bedürfnisse der künftigen Nutzer*innen und des Auftraggebers eine wesentliche Rolle. Soweit sich diese antizipieren lassen, fließen sie in den Entwurf ein.

Foto: Christian Flatscher  
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?

Die ersten Überlegungen der Bauherrschaft gingen eher in Richtung »spektakuläres Bauwerk«. Im Dialog haben wir dann gemeinsam die zurückhaltenden Interventionen entwickelt, welche die spektakuläre Landschaft in den Mittelpunkt stellen.

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Viele unserer Projekte entstanden aus einer intensiven Auseinandersetzung mit der Landschaft. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Kontext und mit den Gegebenheiten vor Ort ist uns sehr wichtig – so gesehen fügt sich der »Perspektivenweg« nahtlos in die Reihe unserer Bauten und in unsere Philosophie.

Foto: Christian Flatscher  
Lageplan
Name des Bauwerks
»Perspektivenweg«
 
Ort
Seegrube, 6020 Innsbruck
 
Nutzung
Aussichtspunkte und Rastplätze
 
Bauherrschaft
Nordkettenbahnen Betriebs GmbH
 
Architektur
Snøhetta, Innsbruck
 
Fachplaner 
Statik: Tragwerkspartner ZT GmbH, Innsbruck
Wittgenstein Expertise: Professor Allan Janik
 
Jahr der Fertigstellung
2018
 
Fotos
Christian Flatscher   

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