Gemeinsam Wohnen

Sebastian Illichmann
7. Februar 2020
Nordseite der Tagesgruppe mit Blick in den Innenhof vor den Therapieräumen (Foto: Kurt Kuball)

Sebastian Illichmann hat für die Eckenstein-Geigy-Stiftung und die Keil-Bastendorff-Privatstiftung eine Anlage für junge Menschen mit Handicap entworfen. Sie umfasst vier eingeschossige Holzbauten. Er erklärt seine schöne Gestaltung, die Ruhe und ein gewisses Maß an Selbstverständlichkeit ausstrahlt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Wir haben für junge Erwachsene mit leichten und auch schweren Behinderungen gleich mehrere Einrichtungen geschaffen: eine Wohngruppe für 12 Bewohner*innen und eine Tagesgruppe mit Therapieräumen, Administration, Küche sowie einem Speise- und Mehrzwecksaal für bis zu 120 Personen; zudem ein Schulungsgebäude mit Bewegungsraum und ein Therapietierhof. All das konnte an einem Standort dank des Engagements der Eckenstein-Geigy-Stiftung und der Keil-Bastendorff-Privatstiftung umgesetzt werden.

Situation mit Tagesgruppe und Schulungsgebäude; im Hintergrund ist die Reithalle zu sehen. (Foto: Kurt Kuball)
Innenhof der Tagesgruppe mit Blick auf das Schulungsgebäude (Foto: Kurt Kuball)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Der Anspruch, für die jungen Bewohner*innen mit speziellen Bedürfnissen einen Ort zu schaffen, der nicht nur »gut funktioniert«, sondern an dem sie sich auch wohlfühlen. 

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Das Projekt hätte ursprünglich in Wien umgesetzt werden sollen. Nachdem sich dies dann aber als unmöglich herausstellte, ergab sich die Option, auf Gänserndorf als Standort auszuweichen. Die Größe des Grundstücks ermöglichte die ebenerdige Konzeption aller vier Bauwerke. Der Zuschnitt der einzelnen Gebäude ist das Ergebnis der funktionalen Anforderungen und des jeweiligen Bauplatzes.

Eingangsbereich der Wohngruppe (Foto: Kurt Kuball)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Mit den beiden Stiftungen gab es eine intensive Projektentwicklungs- und Bearbeitungsphase. Es fanden über einen längeren Zeitraum wöchentliche Projektbesprechungen statt. Auch die zukünftigen Bewohner*innen beziehungsweise deren Eltern als Vertretung wurden intensiv in die Planung eingebunden.

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?

Der Entwurf war das Ergebnis einer intensiven Beschäftigung mit den sehr speziellen Anforderungen. Wie gesagt, wurde das Projekt über einen langen Zeitraum gemeinsam mit der Trägereinrichtung und auch den Bewohner*innen bearbeitet. Dadurch gab es keine relevanten Abweichungen zwischen Entwurf und vollendetem Bauwerk. 

Foyer der Tagesgruppe mit Blick in den Innenhof beziehungsweise in Richtung Speisesaal (Foto: Kurt Kuball)
Gang- beziehungsweise Allgemeinflächen der Wohngruppe (Foto: Kurt Kuball)
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Indem wir bei jedem Projekt genau hinsehen und -hören, was wirklich gefragt und benötigt wird. Darauf versuchen wir immer sinnvolle und adäquate Antworten zu finden. Dadurch bekommen unsere Bauwerke eine gewisse Selbstverständlichkeit und Ruhe.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Um ein ökologisch bewusstes Bauen kommen wir nicht mehr herum. Und das ist auch gut so! Da diesbezüglich der Holzbau viele Vorteile bietet und sich bereits hinlänglich bewährt hat, setzen wir immer wieder auf diese Bauweise.

Lageplan
Grundriss Wohngruppe
Schnitte Wohngruppe
Grundriss Tagesgruppe
Schnitte Tagesgruppe
Grundriss Schulungsgebäude
Schnitte Schulungsgebäude
Name des Bauwerks
»NGG – Natürlich Gemeinsam in Gänserndorf«
 
Ort
Hochwaldstrasse 41 beziehungsweise 37, 2230 Gänserndorf
 
Nutzung
Wohn- und Tagesgruppe sowie ein Schulungsgebäude für Schwer- und Leichtbehinderte 
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Eckenstein-Geigy-Stiftung gemeinsam mit der Keil-Bastendorff-Privatstiftung
 
Architektur
Architekt DI Sebastian Illichmann, Maria Pernegger
 
Fachplaner 
Tragwerksplanung, Brandschutz und Bauphysik: Timbatec
Haustechnikplanung: SundP
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Gesamtkosten 
EUR 3,96 Mio.
 
Gebäudevolumen
9'200 m3
 
Kubikmeterpreis 
EUR 430
 
Energiestandard
Niedrigenergiestandard
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer
Baumeister und Holzbau: Lieb Bau Weiz
Fenster: Kapo
Dachdecker/Spengler: Wukitsevits
 
Fotos
Kurt Kuball

Vorgestelltes Projekt

Sauerbruch Hutton

M9 Museumsquartier, Venedig-Mestre

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