Kraftort

noa* network of architecture
23. Oktober 2020
Das »Lake House Völs« steht inmitten der herrlichen Bergkulisse des Schlern (Foto: Alex Filz)

Die Architekt*innen von noa* network of architecture haben eine Schwimmhütte am Völser Weiher in Südtirol gestaltet. Keine leichte Aufgabe, galt es doch, der schönen Gebirgslandschaft ringsherum mit Respekt und Demut zu begegnen und zugleich eine ausdrucksstarke Architektursprache zu finden.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Der Völser Weiher ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Im Sommer kommen die Menschen für ein erfrischendes Bad, im Winter zum Schlittschuhlaufen. Dafür brauchte es eine neue Infrastruktur: Ein modernes, zeitgemäßes Gebäude sollte die in die Jahre gekommene Anlage ersetzen. Die Gemeinde gab eine kleine Schwimmhütte mit öffentlichen Umkleiden und Sanitäreinrichtungen in Auftrag. Wichtig war, dass sich die Architektur des Neubaus mit der schönen Umgebung zu einem harmonischen Ganzen verbindet.

Das gesamte Projekt versinnbildlicht unser Bestreben, behutsam und verantwortungsvoll mit dem Kontext umzugehen und dabei zugleich unserem architektonischen Anspruch treu zu bleiben. Zwischen dem frisch angelegten Schilfgürtel und dem neuen Kinderbereich kann man nun noch besser die Natur genießen und die Seele baumeln lassen.

Das Gebäude verbindet sich harmonisch mit der Berglandschaft rundherum. (Foto: Alex Filz)
Blick vom Badesteg auf den See (Foto: Alex Filz)
Foto: Alex Filz
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Inmitten einer herrlichen Bergkulisse und umgeben von satten, grünen Lärchen, liegt der Völser Weiher auf 1000 Metern Seehöhe. Er ist etwa einen Hektar groß. Die Idylle ist echt: Das Gebiet steht unter Naturschutz. Viele Menschen, Einheimische wie Tourist*innen, kommen zu allen Jahreszeiten gern, um sich zu erholen und Muße zu finden. 

Die Duschen im Außenbereich (Foto: Alex Filz)
Foto: Alex Filz
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Der Fußboden und die vertikalen Flächen werten den Raum mit einer Besonderheit zusätzlich auf: Um die Architektur mit dem Ort, an dem sie steht, noch stärker zu verbinden, ließen wir in die Harzspachtelmasse ein traditionelles Südtiroler Spitzenmuster einarbeiten. Dazu wurden die Motive kurz in die feuchte Masse eingedrückt und dann rasch wieder abgezogen. Der dreidimensionale Effekt, der manchmal mehr, manchmal weniger in Erscheinung tritt, bringt mitsamt seiner Unregelmäßigkeit eine außergewöhnliche Note und einen Hauch von sympathischer Spontanität in den Raum. Die verschiedenen Grüntöne schaffen dabei überdies eine fließende Verbindung zur Natur. 

Die Anlage besteht aus zwei Gebäudeteilen, die miteinander verbunden sind. Während der eine in etwa dem Volumen des Vorgängerbaus folgt und charakteristische Präsenz zeigt, tritt der zweite – so unser Konzept – optisch stark in den Hintergrund. Das Bauvolumen entlang der Querachse wird von einer Holzrahmenkonstruktion geprägt, die gleichzeitig als Tragstruktur für Rankpflanzen fungiert. Die Begrünung soll die Kubatur vom See her betrachtet ›verschwinden‹ lassen. Vorgesehen ist schnell wachsender Jasmin, der die Umkleiden schon in wenigen Monaten in ein natürliches, grünes Blätterwerk gehüllt haben wird.

Foto: Alex Filz
Foto: Alex Filz
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Entscheidend war vor allem, die Schönheit und Idylle des Bauplatzes zu erhalten. Um die Maßstäblichkeit in dieser besonderen Umgebung dezent und klein zu halten, sieht unser Konzept, wie eben erklärt, zwei kleine, entlang einer Querachse miteinander verbundene Baukörper mit zurückhaltender Kubatur vor. Der eine Teil, die neue Gaststätte mit klassischem Satteldach, beinhaltet die halb offene Küche mit Speisenausgabe und einen Tresen, an dem Getränke ausgeschenkt werden.

Beim Haupteingang befindet sich ein Kiosk. (Foto: Alex Filz)
Im Bereich des Eingangs zu den Sanitäranlagen und Umkleideräumen sind im Außenraum Duschen vorhanden. (Foto: Alex Filz)
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Wichtig ist die Lärchenholzfassade, für die wir uns bewusst entschieden haben. Sie wird – frei von jeglicher Behandlung – natürlich altern und sich mit der Zeit und unter dem Einfluss der Witterung langsam verändern. Dies stärkt die zurückhaltende Wirkung der Architektur und ihren Bezug zur Natur.

Hintereingang zu den Sanitäranlagen und Umkleideräumen (Foto: Alex Filz)
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Name des Bauwerks
»Lake House Völs«
 
Standort
Völser Weiher, 39050 Völs am Schlern, Südtirol
 
Nutzung
Seehütte mit Umkleiden, Sanitäreinrichtungen und Restaurant
 
Bauherrschaft
Gemeinde Völs
 
Architektur
noa* network of architecture, Bozen und Berlin
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Fotos
Alex Filz

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