Leben lernen

AllesWirdGut
6. März 2020
Foto: tschinkersten fotografie

Das Team von AllesWirdGut hat den neuen Schulcampus Hanhoopsfeld in Hamburg gestaltet. Die Anlage gehört zu den größten Bildungsbauten, die es bisher verwirklichen konnte. Friedrich Passler erklärt das Projekt und schildert, welche Herausforderungen zu meistern waren.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Zwei Schulen sollten auf einem gemeinsamen Campus in einen parkartigen Grünraum mit starkem Gefälle und altem Baumbestand eingebettet werden. Ein Mehrzweckgebäude mit Aula und Mensa sollte dabei das Zentrum und die Schnittstelle von Alexander-von-Humboldt-Gymnasium und der Lessing-Stadtteilschule bilden.

Foto: tschinkersten fotografie
Foto: tschinkersten fotografie
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Anstelle der ursprünglich vorgesehenen drei Baukörper konzipierten wir fünf freistehende, wohlproportionierten Solitäre, um auf Topografie und Baumbestand zu reagieren und die gewünschte Platzbildung zu gewährleisten. Die zueinander versetzten Bauten sind in ihrer Höhe dezent gestaffelt und fügen sich gut in die Dynamik des markanten Geländesprungs ein. Das gemeinsam genutzte Mehrzweckgebäude – Schnittstelle und Zentrum des Campus – liegt auf direkter Blickachse mit den beiden Haupteingängen und bildet einen allseits sichtbaren städtebaulichen Bezugspunkt.

Im Inneren der Unterrichtsgebäude sind die Klassenräume wie die Flügel eines Windrades um ein zentrales Atrium angeordnet. Offene Bereiche und Nischen bieten Möglichkeiten für eine Vielzahl an Unterrichts- und Lernformen.

Foto: tschinkersten fotografie
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Das gesamte Projekt wurde in intensiver Abstimmung und sehr konstruktiver Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft und den Nutzer*innen weiterentwickelt. Dabei standen ökonomische Aspekte ebenso im Fokus wie pädagogische Möglichkeiten. Aber auch Fragen der Organisation und Gestaltung wurden gemeinsam diskutiert. Diesen Entwicklungsprozess kann man als vorbildlich bezeichnen. Getragen wurde er vom Verständnis für die Anliegen der jeweils anderen Beteiligten und vom Respekt und der Wertschätzung für deren Kompetenz.

Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Das Projekt hat sich auch wegen dieser intensiven Abstimmung in seinen grundsätzlichen Qualitäten nicht verändert. Aus ökonomischen und betrieblichen Gründen konnte allerdings die Sporthalle nicht versenkt werden, wie wir es zunächst geplant hatten. Die Organisation der Cluster-Gebäude mit den Unterrichtsräumen wurde an die Anforderungen der Nutzer*innen angepasst, das Ensemble als Ganzes mit seinen räumlichen, funktionalen, organisatorischen und atmosphärischen Qualitäten und Zusammenhängen wurde aber von allen Beteiligten mitgetragen und gefördert.

Foto: tschinkersten fotografie
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

In diesem Zusammenhang ist die Reduktion von haustechnischen Anlagen zur Lüftung und Kühlung eine Besonderheit. Schulen sind aufgrund der inneren Lasten – vor allem durch dichte Personenbelegung – einem großen Überhitzungsrisiko ausgesetzt. Die hohen rechtlichen Anforderungen an die Dämmung und Dichtheit der Gebäudehülle sind bei dieser Bauaufgabe kontraproduktiv, da die innen entstehende Wärme nicht entweichen kann. Insofern ist die Lüftung nicht nur eine Frage der Luftqualität, sondern auch der Gebäudekühlung. Ein ausgeklügeltes System zur natürlichen Nachtlüftung sorgt dafür, dass die Räumlichkeiten quergelüftet werden und wieder auskühlen können. Die witterungsgeschützten Lüftungsfenster können dabei nicht nur nachts, sondern auch bei Schlechtwetter geöffnet werden. Sogar die Aula als Veranstaltungsstätte konnte ohne Lüftungsanlage ausgeführt werden.

Schwarzplan
Grundriss Ebene 0
Schnitt
Name des Bauwerks 
Schulcampus Hanhoopsfeld
 
Ort
Hanhoopsfeld 21, 21079 Hamburg, Deutschland
 
Auftragsart
Zweistufiger Wettbewerb, 1. Preis
 
Bauherrschaft
GMH / Gebäudemanagement Hamburg GmbH
 
Architektur
AllesWirdGut Architektur ZT GmbH, Wien und München
 
Fachplaner
Landschaftsplanung: DnD landschaftsplanung, Wien
Statik: Ingenieurbüro Horn + Horn, Rostock, Schumacher + Gerber Ingenieurbüro, Hamburg
Elektroplanung: Arcus Planung + Beratung, Cottbus,
Haustechnik KMG Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
Fachraumplanung: Spinzig + Spinzig GbR, Hamburg
Küchenplanung: Cooking Solutions GbR, Hude
Bauphysik: D3-Architekten, Hannover, BZE-Ökoplan, Hamburg
Bauakustik: OSJ Ingenieure, Hamburg
Brandschutz: BIB Concept, Stelle
Ausschreibung: MRO Architekten, Hamburg, Zietz GmbH, Thedinghausen
Projektsteuerung: PMD Gesellschaft für Projektmanagement, Düsseldorf
 
Bauleitung  
Zietz GmbH, Thedinghausen
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Fotos 
tschinkersten fotografie, Wien

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