Neue Arbeitswelt

ATP architekten ingenieure
1. November 2019
Die Aula dient als weitläufige Begegnungszone und stimuliert den Austausch unter den HOFER-Mitarbeiter*innen. (Foto: ATP/Pierer)

Wo einst Solarpaneele gefertigt wurden, sitzen heute 500 Menschen an Schreibtischen: ATP architekten ingenieure haben für HOFER ein Innovations- und Kompetenzzentrum in einer leerstehenden Industriehalle eingerichtet. Die unkonventionelle Arbeitswelt entspricht dem ABW-Konzept (Activity-Based Working). Architektin Lilo Dellantonio und Design-Chef Paul Ohnmacht beantworten unsere Fragen.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

In eine weitläufige Produktionshalle von 20'000 Quadratmetern Fläche, in der früher Solarpaneele hergestellt wurden, haben wir eine zeitgemäße Bürolandschaft für etwa 500 Personen eingebaut. Die Arbeitsplätze werden von unterschiedlichen Menschen mit sehr verschiedenen Anforderungen genutzt und wurden daher zoniert. So herrscht in dem Innovations- und Kompetenzzentrum ein Klima, das die Arbeitsleistung fördert. Um dieses Flächenprogramm erfolgreich umzusetzen, bedurfte es allerdings genauer Kenntnisse der Kernprozesse und Erfahrung mit den Erfordernissen von Activity-Based Working (ABW). Zudem waren besondere Eingriffe in Sachen Akustik und Gestaltung nötig.

Die Arbeitsplätze befinden sich unter einem sieben Meter hohen Sheddach. (Foto: ATP/Pierer)
Viele Pflanzen sorgen für eine angenehme Atmosphäre. (Foto: ATP/Pierer)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Mit unserem offenen Bürokonzept reagieren wir auf aktuelle Trends und Entwicklungen im Bereich neuer Arbeitswelten. Wir stellen den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Arbeitsplätze sollen heute ansprechend gestaltet sein, smart und bedürfnisorientiert. Wir haben versucht, diesem Anspruch gerecht zu werden, indem wir den Grundgedanken von ABW aufgreifen. Das bedeutet, dass es innerhalb des Gebäudes verschiedenartige Arbeitsbereiche in unterschiedlichen Zonen und Räumen gibt. Je nach Aufgabe, Tätigkeit oder aktuellem Bedürfnis können die Mitarbeiter*innen einen Arbeitsplatz auswählen. Es stehen ihnen sowohl Einzelarbeitsplätze und »Fokusräume« für konzentriertes Arbeiten als auch Teambereiche für Kommunikation und Zusammenarbeit zur Verfügung. Die loftartige Bürolandschaft bietet außerdem vielfältige Rückzugs- und Aufenthaltsmöglichkeiten – etwa in der großen Aula, die mit Bäumen bestückt ist. 

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Unser Konzept basiert auf einer eingehenden Nutzungs- und Bedarfsanalyse, die wir zusammen mit M.O.O.CON durchgeführt haben. Durch diese intensive Recherchearbeit gingen wir sicher, die Anforderungen genau zu verstehen, bevor wir uns an den Entwurf machten. Der Bauherr hat sich sehr offen auf das ABW-Konzept und auf unseren Entwurf eingelassen.

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Das Projekt ist gewiss kein gewöhnlicher Bürobau, sondern eine einzigartige Arbeitswelt, die in Zukunft flexibel an sich ändernde Anforderungen angepasst werden kann. Der Industriecharakter der ehemaligen Produktionshalle ist weiterhin ablesbar. Die Höhe der Halle von sieben Metern und die weitläufigen Flächen ermöglichen zum Beispiel auch die Nutzung als Veranstaltungszentrum.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Die hellen Besprechungs- und Arbeitsräume haben wir wie »Hügel« zoniert in der Halle platziert. Auf halber Höhe »schweben« scheinbar schwerelos die Schulungsbereiche – wir nennen sie »Schiffe«. Diese prägen die Gestaltung stark. Es war wichtig, sich hinsichtlich der Dimensionen dem Maßstab des Bestands anzupassen, um eine ausdrucksstarke Architektur zu entwickeln. Die »Schiffe« wurden aus Stahl und Holz konstruiert. Die Wahl dieser zudem recycelbaren Materialien machte eine kostengünstige und zügige Montage möglich.

Zu den Besonderheiten unserer Gestaltung zählt ferner auch die Bestückung mit zahlreichen mitunter meterhohen Bäumen in Betongefäßen und die komplett in Holz realisierten Helmholtz-Resonatoren an den Innenfassaden.

Aus den Seminar- und Schulungsräumen in den »Schiffen« hat man die ganze Bürolandschaft im Blick. (Foto: ATP/Pierer)
© ATP architekten ingenieure
© ATP architekten ingenieure
Name des Bauwerks ALPHA Retail Network
Ort Solarstraße 7, 4653 Eberstalzell
Nutzung Innovations- und Kompetenzzentrum
Bauherrschaft HOFER KG, Eberstalzell
Architektur ATP architekten ingenieure, Innsbruck: Lilo Dellantonio (Gesamtprojektleiterin), Paul Ohnmacht (Design und Research ABW)
Jahr der Fertigstellung 2018
Fotos ATP/Pierer

Vorgestelltes Projekt

SPF:a

Wallis Annenberg Center for the Performing Arts

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