Raum für Kinder

Innauer Matt
16. April 2021
Foto: Adolf Bereuter

Sven Matt spricht über den neuen Kindergarten am Engelbach in Lustenau. Der schöne, architektonisch reiche Bau genügt nicht nur heutigen pädagogischen Anforderungen, sondern leistet auch einen wichtigen städtebaulichen Beitrag.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Kindergärten sind eine besondere Bauaufgabe. Für die Kinder ist es der erste Ort, an dem sie außerhalb des Familienkreises sowohl zu ihrem »Selbst« als auch zu dem »anderen« finden. Klare Strukturen, Ordnung und Achtsamkeit unterstützen sie bei diesem Prozess – Grundbegriffe, die das Fundament der sozialen Entwicklung legen, aber auch ein baukulturelles Grundvokabular beschreiben, welches die Kinder ein Leben lang begleiten wird.

Foto: Adolf Bereuter
Foto: Adolf Bereuter
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Der Neubau des Kindergartens birgt eine vielschichtige Innenwelt mit hoher Offenheit nach innen und außen sowie großzügigen Erschließungs- und Kommunikationszonen. Die äußere wie innere Erscheinung ist geprägt von einer feingliedrigen Architektursprache, welche in ihrer Maßstäblichkeit Motive in der speziellen Nutzung findet. 

Naturbelassenes Holz aus der Region und in Metall gefasste Fenster prägen die einfache und doch stimmungsvolle Semantik des Hauses. Das Materialkonzept im Innenraum schafft eine der Nutzung angemessene Stimmung, bleibt aber zurückhaltend. Solide Oberflächen aus Holz, mineralische Materialien und sorgfältig abgestimmte Farben bereichern den Raum mit ihrer angenehmen Erscheinung und Haptik, lassen jedoch den Kindern und Pädagogen genügend Gestaltungsspielraum zur eigenen Entfaltung.

Foto: Adolf Bereuter
Foto: Adolf Bereuter
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Der Ortraum im Sprengel Hasenfeld entspricht der für Lustenau typischen Struktur der Streusiedlung. Der überwiegend konturlose Siedlungskörper wickelt sich entlang der Hasenfeldstraße linear ab, nur wenige raumbildende Elemente gliedernden Straßenraum.

Der gegenständliche Ort umschreibt einen grünen Binnenraum, welcher sich zwischen Hasenfeldstraße und Grindelkanal erstreckt und nördlich sowie südlich durch Siedlungsbauten heterogenen Charakters abgeschlossen wird. Es war erklärtes Ziel, diesen zu erhalten, klar zu fassen und in seiner öffentlichen Funktion zu stärken. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet der neue Kindergarten in seiner Rolle als öffentlicher Ort mit besonderer Identifikation.

Foto: Adolf Bereuter
Foto: Adolf Bereuter
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Das Gebäude wurde als Mischbau aus Holz und Beton erstellt, welcher die heutigen energetischen und ökologischen Anforderungen insbesondere bezüglich der Nachhaltigkeit gut erfüllen kann. Eine Grundstruktur aus aussteifenden Kernwänden wird durch vorgefertigte Wand- und Deckenelemente aus Holz ergänzt. Der Einsatz hochwertiger, ökologischer und regional verfügbarer Materialien, energieeffizienter Haustechniksysteme und die Nutzung von erneuerbarer Energie schonen Natur und Umwelt. All das schafft einen positiven Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Holz!

Foto: Adolf Bereuter
Situation
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Schnitte
Bauwerk                              
Kindergarten am Engelbach
 
Standort
Hasenfeldstraße 35, 6890 Lustenau
 
Nutzung
Kindergarten
 
Auftragsart
Wettbewerb, 1. Preis
 
Bauherrschaft
Marktgemeinde Lustenau
 
Architektur
Innauer Matt Architekten, Bezau
Projektleitung: DI Tobias Franz
 
Fachplaner
Statik: Merz Kley Partner ZT Gmbh, Dornbirn
HSL-Planung: GMI Ing. Peter Messner Gmbh, Dornbirn
Elektroplanung: Ludwig Schneider Elektroplanung, Egg
Bauphysik: DI Günter Meusburger, Schwarzenberg
 
Bauleitung 
Planschmiede BM Ing. Wolfgang Fetty, Lustenau
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Gebäudevolumen
7700 m3
 
Energiestandard
Heizwärmebedarf: 12,1 kWh/m2a(Ap)
Gesamtenergieeffizienzfaktor: 0,53 (A++)
 
Maßgeblich beteiligte Unternehmer 
Holzbau: Kaspar Greber Holzbau, Bezau
 
Fotos
Adolf Bereuter, Dornbirn

Voriges Jahr diskutierte Sven Matt mit Peter Haimerl und Roman Hutter über das Architekturgeschehen im deutschen Sprachraum und insbesondere das Bauen in ländlichen Gebieten.

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