Berlin will die „besten Architekten der Welt“ nicht

 Ulf Meyer
20. November 2017
Innenraum des geplanten Museums (Bild: Herzog & de Meuron Basel Ltd.)
Im November 2016 war es die Sensation: Herzog & de Meuron Architekten und Vogt Landschaftsarchitekten gewannen den Wettbewerb "Museum des 20. Jahrhunderts". Eine Veranstaltung schürte nun die Aufregung um die hauptstädtische „Kunstscheune“.
Soviel moderne Architektur ist Berlin gar nicht mehr gewöhnt: Nach den langen Diskussionen um die Wiedererstellung der Gebäude in der historischen Stadtmitte hat die Wahl des Entwurfs von Herzog & de Meuron für das Museum der Moderne am Berliner Kulturforum einen dauerhaften Schock ausgelöst: Selbst ein Jahr nach der der Entscheidung des Wettbewerbs haben sich die Wogen noch nicht gelegt, wie eine große, trotz Hallen-Erweiterung schnell ausverkaufte Diskussion in der Akademie der Künste im Berliner Hansaviertel zeigte. Jacques Herzog stellte seinen Entwurf erneut geduldig und eloquent vor. Sein Schweizerisches diplomatisches Geschick verführte ihn jedoch zu der Aussage, dass der Entwurf „in den kommenden Wochen“ noch einmal leicht (?) überarbeitet werden würde. Das (miss-)verstand der Hauptgastgeber, Wilfried Wang, als Einladung zur öffentlichen Entwurfskritik, nachdem Matthias Sauerbruch, ebenfalls von der „Sektion Baukunst der Akademie der Künste“, die beiden anwesenden Basler Heroen noch nur halb-scherzhaft als „die besten Architekten der Welt“ vorstellte. Das für seine Krawallfreudigkeit bekannte Berliner Publikum stieß weitenteils in das Horn des Architekturprofessors Wang: Endlich gab es Gelegenheit, zwei Pritzker-Preisträgern zu sagen, was an anderen „Entwürfen vielfach besser“ war und ist. Wang selbst nutzte die Gelegenheit ausführlich, seine – wenn auch intelligent begründete – Kritik an dem Entwurf en detail zu artikulieren. Derartiges „design by committee“ ist er von den Entwurfskritiken der Hochschule gewohnt. Ein Mandat dafür hatte er als Moderator des Abends nicht.
Die anwesenden Berliner Lokal-Politiker wurden aufgefordert, die jahrelang Baustelle „kulturell zu bespielen“ (Torsten Wöhlert, Staatssekretär für Kultur) – respektive die Potsdamer Straße zu verlegen und zu beruhigen (Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen).
Tatsächlich ist die Gestaltung der Außenräume am Berliner Kulturforum ein entscheidender Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg der Rieseninvestition mitentscheiden wird: Herzog und de Meuron haben mit ihren perforierten Fassaden, der doppelten Durchwegung der „Scheune“ und der Formulierung eines teilgeschützten Außenraums in Richtung der Philharmonie dafür gute Impulse gesetzt. Dass der „Dialog der umgebenden Institutionen“, die jahrzehntelang autistisch agiert haben, allein mit architektonischen und städtebaulichen Mitteln gelingen könnte, glauben weder die Architekten noch ihre Kritiker.
„Wo genau ist das Kulturforum?“ fragten die aufgebrachten Saalgäste. „Es ist eine Sequenz aus Räumen, die teils außerhalb und teils in der neuen Galerie liegen“, lautete die kluge Antwort von Pierre de Meuron. An diesem Maßstab wird Berlins wichtigster Kulturbau einer Generation gemessen. Einstweilen wird das Kulturforum die nächsten zwanzig Jahre lang eine Großbaustelle sein. 
Der Museumsneubau am Berliner Kulturforum soll die "Neue Nationalgalerie" ergänzen (Bild: Herzog & de Meuron Basel Ltd.)

Verwandte Artikel

Vorgestelltes Projekt

ADEPT

Cortex Park

Andere Artikel in dieser Kategorie