Die Welt von morgen?

Katinka Corts
5. Dezember 2019
Das Zukunftsszenario »Post-Anthropozän« kann man wohl als positivste Variante der zukünftigen Welt lesen – solange einen heftige Reglementierungen nicht stören. (Illustration © Arup) 

Inmitten der Vorweihnachtszeit und kurz bevor gute Vorsätze wieder Hochkonjunktur haben, publiziert Arup vier Zukunftsszenarien für 2050. Sterbende Ökosysteme bei gleichzeitig besserer Bildung der Menschen oder ein tragbarer Temperaturanstieg dank autoritärer Regime? Oder doch endlich die Besiedlung des Mondes? Es liegt in unserer Hand, findet das britische Ingenieurbüro. 

Laut aktuellen Prognosen wird die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 um weitere zwei Milliarden Menschen von 7,7 auf 9,7 Milliarden anwachsen. Vor diesem Hintergrund skizziert das britische Ingenieurbüro Arup unter dem Titel »2050 Scenarios: Four Plausible Futures« vier unterschiedliche Wege langfristiger ökologischer und gesellschaftlicher Entwicklung. Die vier Szenarien »Humans Inc., Extinction Express«, »Greentocracy« und »Post-Anthropozän« beschreiben mögliche Entwicklungen, die von der existenziellen Krise der Menschheit und des Planeten bis hin zum erfolgreichen Wandel zur ökosozial gerechten Welt reichen. Jedem Szenario ist eine Zeitleiste zugeordnet, die beschreibt, wie es über die Jahrzehnte entstanden ist. In je einem »Augenzeugenbericht« aus der Zukunft ist zu lesen, wie »es einem so geht« in dieser Welt und welche Erfahrungen man dann machen könnte.

Grafik © Arup
»Each of the resulting scenarios are compelling for different reasons: from a world in which both the societal systems and natural systems move towards collapse, to one where sympathetic symbiosis is the baseline for all activities on our planet. We believe that these four worlds are consistent, coherent and plausible. Indeed, there are indications that each can already be found somewhere on Earth.«

Arup

Im Zukunftsszenario »Human Inc.« kann dem Klimawandel nicht wirksam begegnet werden und die Erderwärmung schreitet weiter voran. Die Menschen kämpfen mit Hilfe von global koordinierten Maßnahmen ums Überleben. Immer gravierender werdende Wetterereignisse wirken sich nachteilig auf die Städte und Ökosysteme aus, doch dank des technologischen Fortschritts konnte die Armut reduziert, die Bildung verbessert und die Anzahl der Arbeitsplätze gesichert werden.

»Extinction Express« beschreibt den dramatischen Zusammenbruch unseres Ökosystems und unserer Gesellschaft bei einem weltweiten Temperaturanstieg von weit mehr als zwei Grad Celsius. Die Untätigkeit unserer Gesellschaft und die kontinuierliche Ausbeutung unserer ökologischen Ressourcen führten hier schließlich zur Gründung von Kolonien auf dem Mond und unter Wasser.

Beim Zukunftsszenario »Greentocracy« erholt sich das Ökosystem unseres Planeten, wofür massive Einschränkungen im gesellschaftlichen Leben notwendig sind. Die Lebensbedingungen haben sich stark verschlechtert, Konflikte und autoritäre Regime herrschen vor. Der globale Temperaturanstieg bleibt aufgrund von Klimaschutzmaßnahmen und der Förderung der Biodiversität bei unter 1,5 Grad Celsius.

Im »Post-Anthropozän« leben die Menschen in Harmonie mit der Natur. Einschneidende Folgen des Klimawandels wie beispielsweise das Schmelzen von 15 Prozent des arktischen Meereises katalysieren die globale Zusammenarbeit für Klimaschutzmaßnahmen und helfen dabei, den globalen Temperaturanstieg unter 1,5 Grad Celsius zu halten. Die Gesellschaft verbraucht nur noch so viele Ressourcen, wie unser Ökosystem regenerieren kann. Für jeden Menschen wird eine Kohlendioxidquote festgelegt.

Grafik © Arup

Die einzelnen Szenarien hat Arup auf Basis detaillierter Trendforschungen und Prognosen von Think Tanks, Regierungen, NGOs und Forschungseinrichtungen sowie der Auswertung statistischer Daten entwickelt. Sie zeigen, wie mögliche Fortschritte beim Erreichen der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN SDGs) unsere Ökosysteme und unsere gesellschaftliche Entwicklung positiv beeinflussen können. »Bei der nachhaltigen Entwicklung der gebauten Umwelt geht es darum, ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der wachsenden Weltbevölkerung und den ökologischen Grenzen unseres Planeten herzustellen«, erläutert Jo da Silva, Leiterin für Global Sustainable Development bei Arup. »Als Planer und Berater haben wir dafür Sorge zu tragen, dass sich heute getroffene Entscheidungen positiv auf unsere Zukunft auswirken. In unserem gemeinsamen Streben nach einer sicheren, resilienten und ressourceneffizienten Welt müssen wir jetzt handeln.«

Wie gut, dass quasi zeitgleich der bundesdeutsche Ableger der »Worldwide Collective Architects' Declaration on Climate Breakdown and Biodiversity Loss Emergency« seine Geburtsstunde feierte (German-Architects.com berichtete). Wir freuen uns darauf, bald über immer mehr Projekte berichten zu können, bei denen diese hehren Ziele in Zusammenarbeit mit kompetenten, zukunftsorientierten und eher im grün-blauen Bereich des Diagramms handelnden Bauherrschaften erreicht wurden!

Vorgestelltes Projekt

Marc-Olivier Mathez

Schule Stübenhofer Weg

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