Fließ setzt weiter auf Architektur

Manuel Pestalozzi
18. November 2021
Das große Sportfeld bildet eine Hangterrasse, die berg- wie talseitig eingefasst ist. (Foto © tschinkersten fotografie, AllesWirdGut)

Vor 20 Jahren gestaltete das Team von AllesWirdGut ein Gemeinschaftszentrum für das Tiroler Bergdorf, um der Abwanderung entgegenzuwirken. Jetzt ist das neue Sportzentrum der Gemeinde fertig – entworfen haben es ebenfalls die Wiener Architekten.

2001 wurde im historischen Ortskern der Berggemeinde Fließ hoch über dem Inntal das Gemeinschaftszentrum DOZ von AllesWirdGut eröffnet. Mit dem Projekt sollte damals der Abwanderung aus dem Dorf ins Unterland entgegengewirkt werden. 

Etwas außerhalb, an einem locker mit Stadeln überbauten Hang nordwestlich des Dorfes, steht jetzt ein Sport- und Freizeitzentrum des Wiener Büros. Das Team hatte 2018 den Wettbewerb um dessen Gestaltung gewonnen. Die neue Anlage umfasst ein Vereinshaus für den lokalen Fußballklub, Turnier- und Trainingsplätze mit Tribünen sowie Tennis- und Leichtathletikanlagen. Außerdem wurde das benachbarte Schwimmbad saniert und erweitert. Der kompromisslos moderne Campus hat in der alpinen Landschaft rundherum, die von traditionellen Bauten geprägt ist, einen Inselcharakter. 

Ein Sichtbetonbau ist an der Südwestecke des großen Sportfeldes platziert. (Situation © AllesWirdGut)

Die ausgedehnte Geländeterrasse mit den Spielfeldern wird an den Kanten nördlich und südlich eingefasst. Über der nördlichen Stützmauer befinden sich kleinere Sportplätze. Entlang der talseitigen Geländekante erstreckt sich die überdachte Tribüne, an deren westlichem Ende sich ein dreigeschossiger, teils in den Hang hineingebauter Sichtbetonbau befindet. Darin sind Umkleiden, Räume für die Schiedsrichter sowie ein Trainingsbereich mit Duschen und Toiletten untergebracht. Die Tribünenüberdachung bildet eine lange Terrasse, die am westlichen Ende am Obergeschoss des besagten Gebäudes vorbeiführt und als expressive Kanzel über dem Dorf endet.

Blick vom Dorf auf die neue Anlage. Sie dominiert das Bild deutlich, doch das ist nicht unangenehm. (Foto © tschinkersten fotografie, AllesWirdGut)

Über eine Außentreppe gelangen die Besucher*innen vom Haupteingang auf dem Niveau der Sportfelder zur Tribünenterrasse. Im Obergeschoss, das auf dieser Ebene als Pavillon in Erscheinung tritt, sind das Vereinslokal mit Ausschank und ein Gastraum untergebracht. Es ist vollverglast und auch jenseits der Tribünenterrasse mit einem umlaufenden Balkon versehen. 

Die Anlage in Sichtbeton mit wuchtigen Stützen, markanten Brüstungsbändern und einer Dachpergola ist weithin sichtbar. Sie dominiert die Umgebung. Doch diese kraftvolle Geste stört nicht. Das Projekt trägt dazu bei, das Bergdorf für seine Bewohner*innen attraktiv zu halten und der Abwanderung weiterhin entgegenzuwirken.

Die Tribünenterrasse bietet eine schöne Aussicht auf das Sportfeld, aber auch die imposante Bergwelt ringsherum. (Foto © schinkersten fotografie, AllesWirdGut)

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