Gedruckte Betonteile aus Vorarlberg

Manuel Pestalozzi
25. März 2021
Foto: Udo Mittelberger © Concrete 3D

Die Concrete 3D GmbH druckt Betonteile. Nach erfolgreicher Pilotphase steht der Marktstart bevor.

Viele verbinden Vorarlberg mit großartigen Holzbauten und einer beeindruckenden Handwerkstradition. Doch auch im Betonbau spielt das Land vorne mit: Die Firma Concrete 3D druckt, wie der Name schon sagt, Bauteile aus Beton. Inzwischen hat sie die Pilotphase erfolgreich abgeschlossen und kann nun auf den Markt bringen, woran international vielerorts seit längerem geforscht wird. Hinter der neuen Firma stehen die Unternehmen JOLO Betonfertigteile und Tomaselli Gabriel Bau. Die beiden Gesellschafter Markus Loacker und Philipp Tomaselli haben sich in den vergangenen zwei Jahre intensiv mit der 3D-Druck-Technologie beschäftigt und sehr viel recherchiert, bis sie eine bereits praxistaugliche Anlage fanden, die sich zur Serienfertigung eignet. Sie investierten nach eigenen Angaben rund EUR 300 000. 

Zum Einsatz kommt ein 6-Achs-Industrieroboter mit einem Aktionsradius von fast drei Metern. Die Betondruckbahnen haben Stärken von einem bis maximal drei Zentimeter. Sie werden über eine Druckdüse aufgetragen, während eine Mörtelpumpe für Nachschub sorgt. In die stetige Weiterentwicklung der Technik fließt auch das Know-how der beteiligten Unternehmen ein. Die ersten auf diese Weise 3D-gedruckten Teile kamen in Projekten der Gesellschafter zum Einsatz. So konnte der Nachweis über die Praxistauglichkeit erbracht werden.

Foto: Udo Mittelberger © Concrete 3D

Was im Betonbau lange schwer vorstellbar war und unlängst in Projekten verschiedener Forschungseinrichtungen erfolgreich vorgemacht wurde, kommt nun in der Baupraxis an: Freiformen können ohne Schalung produziert werden. »Wir können komplexe Geometrien herstellen – und das in Serie«, freut sich Michael Gabriel, Bereichsleiter bei Concrete 3D. Außerdem lasse sich, so Gabriel weiter, der Materialeinsatz durch den 3D-Druck auf das konstruktiv notwendige Mindestmaß reduzieren – das spare Geld und schone das Klima. Letzteres ist wohl vor allem ein Werbeargument, ändert sich doch nichts daran, dass Beton kein klimafreundlicher Baustoff ist. Zumindest aber könnten die neuen Möglichkeiten mittelfristig dazu beitragen, den Verbrauch etwas zu senken. 

Das Unternehmen setzt seine Drucker zunächst vor allem zur Produktion von Halbfertigteilen und Fassadenelementen ein. Letztere sollen Architekt*innen neue Ausdrucksmöglichkeiten bieten. Es bleibt die spannende Frage, wie die neuen Möglichkeiten angenommen werden und welche Auswirkungen sie mittelfristig – über das Aufhübschen von Fassaden hinaus – auf die Gestaltung zeitigen.


Sigrid Brell-Cokcan (RWTH Aachen), Kathrin Aste und Frank Ludin (Universität Innsbruck, LAAC) sowie Philippe Jorisch (JOM) diskutierten die Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Disziplin.

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