Lernort in alter Kirche

Manuel Pestalozzi
16. Februar 2021
Die denkmalgeschützte Pauluskirche soll nicht länger leer stehen. Aktuell wird ihre Umnutzung in einem geordneten Prozess vorangetrieben. (Foto: Dr. W. Strickling via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Im deutschen Gelsenkirchen wird die architektonisch wertvolle Pauluskirche in einen Lernort verwandelt.

Seit Pfingsten vorigen Jahres finden in der evangelischen Pauluskirche in Gelsenkirchens Quartier Bulmke-Hüllen keine Gottesdienste mehr statt. So hatte es das Presbyterium bereits 2018 beschlossen. Seither steht das Bauwerk leer. Zuvor hatte das Gotteshaus einiges erlebt: 1911 von Arno Eugen Fritsche aus Elberfeld errichtet, wurde es nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zwischen 1955 und 1957 unter Regie von Otto Prinz wiederaufgebaut. Das Projekt ist ein typisches Beispiel für einen sogenannten reduzierten Wiederaufbau, verschiedene Künstler aus der Gelsenkirchener Künstlersiedlung »Halfmannshof« waren an ihm beteiligt. Heute steht das Kirchengebäude unter Denkmalschutz.

Die Einstellung der Gottesdienste war lange schon absehbar. Die Zukunftsplanung für das Gebäude erfolgte bisher in Stufen: Der Förderverein Ev. Pauluskirche zu Bulmke wurde 2009 gegründet. 2015 trat die Ev. Kirchengemeinde Bulmke der Ev. Apostel-Kirchengemeinde Gelsenkirchen bei. Die Eigentümerin strebt eine Nutzungsänderung an: Die Kirche soll zukünftig ein Lern- und Kulturort sein. Es gibt bereits eine Kooperation mit dem benachbarten Gymnasium, dessen Räumlichkeiten begrenzt sind, und ein guter Kontakt zum Bildungsreferat der Stadt Gelsenkirchen ist geknüpft. Eine Projektgruppe entwickelt aktuell ein Zukunftskonzept. Sie bemüht sich um die Erstellung eines aktualisierten Bauzustandsberichtes. Geklärt werden soll, welche Möglichkeiten zur Veränderung der Eigentumsverhältnisse unter Beibehaltung des Status einer nicht entwidmeten Kirche (Kirchengemeinde, Förderverein, Stiftung) bestehen. Außerdem soll festgestellt werden, welche Bildungsräume im Kirchenraum sinnvoll untergebracht werden können – etwa für die Schulen in der Umgebung. Das Projekt soll auf Gelsenkirchens Programme als »Lernende Stadt« ausgerichtet sein. 

Begleitet wird der Wandel des Sakralbaus vom Verein Baukultur Nordrhein-Westfalen. Dieser hat auch die Website Zukunft Kirchen Räume ins Leben gerufen, die sich umfassend mit der Problematik der Umnutzung von Kirchenräumen auseinandersetzt. Zwar gibt es seit Jahren bereits einige Beispiele für die Umgestaltung von Gotteshäusern für weltliche Nutzungen, dennoch ist die Bauaufgabe in dieser Form noch vergleichsweise neu. Es ist interessant, welche Lösungen in den nächsten Jahren entwickelt und umgesetzt werden. Welchen Verlauf wird das Gelsenkirchener Projekt nehmen?

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