Michael Meier und Christoph Franz arbeiten gegen die Finanzialisierung von Wohnraum an

Manuel Pestalozzi
10. September 2021
Die Installation im 3. Bezirk besteht aus einer schön detaillierten Plattform aus Backstein. Wer hinaufsteigt, findet Textbeiträge aus dem Buch »Zwischen Anlagen Anderer«. (Foto © Michael Meier & Christoph Franz, 2021)

In Wien haben die beiden Künstler auf Einladung der Institution Kunst im öffentlichen Raum eine Installation geschaffen. Sie dient als Gefäß für kritische Texte.

Die Skulptur »Zwischen Anlagen Anderer« stammt vom deutsch-österreichischen Künstlerduo Michael Meier und Christoph Franz, das von Zürich aus operieren. Sie steht am Landstraßer Gürtel im 3. Bezirk. In dieser Gegend sind derzeit zahlreiche Bauprojekte in Arbeit. Und natürlich geht es dabei vielfach zuvorderst um Rendite. Viele Menschen investieren mittlerweile in Immobilien – sei es nun, indem sie in Pensionsfonds einzahlen, als Crowd-Investoren auftreten oder klassisch Besitzer sind. Dass dies Auswirkungen auf unsere Städte hat, ist hinlänglich bekannt. Eine besonders interessante Form des Investments sind sogenannte Vorsorgewohnungen, wie sie aktuell eben auch im 3. Bezirk entstehen. Auf diese Eigentumswohnungen, die von den Käufern nicht bewohnt, sondern vermietet werden, haben die beiden Künstler ihren Fokus gelegt. Das Modell erfreut sich in Wien großer Beliebtheit. 

Die Wände der Installation bestehen aus recycelten Backsteinen. Sie wurden auf Baustellen in der Umgebung gesammelt. (Foto © Michael Meier & Christoph Franz, 2021)

Doch was verbirgt sich hinter »Zwischen Anlagen Anderer« genau? Die beiden Künstler haben allerhand Stimmen zur Finanzialisierung von Wohnraum gesammelt und in einem Buch veröffentlicht. Die Druckplatten dieser Publikation sind nun auf dem Boden der Skulptur aus Backstein ausgelegt. Die Steine stammen dabei von Baustellen in der unmittelbaren Umgebung, wo sie als Abfall anfielen. Die Texte erzählen davon, wie aus Wohnungen Renditeobjekte werden und der Wohnungsbau in den Dienst der Profitmaximierung gestellt wird. Auch wenn in der Hauptstadt überdurchschnittlich viele Menschen in kommunalen oder gemeinnützigen Wohnbauten leben, nimmt die Zahl der Anlageobjekte auch dort seit einigen Jahren rasant zu. Daran möchte die Institution Kunst im öffentlichen Raum (KÖR) diesen Herbst erinnern. Die Installation bleibt bis zum 6. November dieses Jahres stehen und kann besichtigt werden.

Der Boden der Plattform ist mit den Druckplatten des Buches »Zwischen Anlagen Anderer« bedeckt. (Foto © Michael Meier & Christoph Franz, 2021)
Zwischen Anlagen Anderer

Zwischen Anlagen Anderer
Michael Meier und Christoph Franz

245 x 345 Millimeter
112 Seiten
Fadengehefteter Festeinband
ISBN 9783959054492
Spector Books
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