Peter Lorenz gegenüber der Tiroler Tageszeitung: »Wie wir mit dem Land umgehen, ist kriminell«

Manuel Pestalozzi
27. April 2022
In jüngerer Zeit hat die Gemeinde Weer im Inntal durch eine Kontroverse um Umwidmungen von sich reden gemacht. (Foto: Haneburger via Wikimedia Commons, PD)

Der Architekt Peter Lorenz fordert einen Widmungsstopp in Tirol. Nur so könne man dem »Flächenfraß« noch Einhalt gebieten, glaubt er. Dass das Thema allmählich Eingang in die politische Debatte findet, freut ihn.

 

Der Architekt Peter Lorenz hat sich schon mehrfach in der Öffentlichkeit kritisch zum unkontrollierten Wachstum der Siedlungsgebiete in Tirol geäußert. Im Rahmen der Videoserie »Tirol Live« der Tiroler Tageszeitung erklärte er nun am 11. April, zu seinen Stellungnahmen habe es zwischenzeitlich »eine unglaubliche Welle der Zustimmung« gegeben. Er führt dies interessanterweise auch auf die Corona-Pandemie zurück: In deren Verlauf hat Tirols Image stark gelitten und dessen Werbewirksamkeit Schaden genommen. Doch diese negative Entwicklung sei auch eine große Chance: Es geht nun darum, das Ansehen des Landes wiederherzustellen – auch mit architektonischen und raumplanerischen Mitteln.

Einen Grund für die nach seinem Dafürhalten viel zu hohe Anzahl von Umwidmungen von Agrarflächen und Freiland sieht er in den großen Kompetenzen der einzelnen Tiroler Gemeinden. Jede betreibe ihre eigene Raumplanung und könne auf lokale Begehrlichkeiten ohne Schranken eingehen. Nach seiner Meinung bräuchte es in Tirol dringend einen Widmungsstopp. Darüber werde, so Lorenz, inzwischen tatsächlich nicht mehr nur nachgedacht, sondern auf politische Ebene konkret gesprochen, – wenn auch noch sehr vorsichtig. Darüber freut sich der engagierte Architekt, obgleich ihm noch zu wenig Schwung in der Debatte ist.

 

Die Schönheit des Landes erkennen und wertschätzen

Die Zersiedelung hat nicht nur dramatische Konsequenzen für den Verkehr, die Umwelt oder die Infrastrukturkosten der Gemeinde, vor allem geht auch die Schönheit des Landes und seiner Dörfer unwiederbringlich verloren. Besonders schmerzt Lorenz, wenn am Rande von Ortschaften Flächen mit Gewerbeanlagen bebaut werden. Diese Entwicklung gehe in Tirol leider mit einer enormen Geschwindigkeit vor sich, mahnt er. Sehr viele Bauten entstehen dabei, ohne dass Architekt*innen beteiligt wären. Entsprechend selten seien architektonisch wertvolle Neubauten.

Wünschen würde sich Peter Lorenz eine konsequente Verdichtung der bestehenden Siedlungen. Dazu wurde durch eine kleine Arbeitsgruppe unter Landesrat Tratter und mit Beteiligung des Architekten ein Impulspapier erarbeitet. Darin wird das Bauen in die Höhe explizit vorgeschlagen. Mit der vertikalen Schichtung von Parkplätzen, Nutzräumen und begrünten Freiflächen hat Lorenz selbst in seiner Berufspraxis schon Erfahrung sammeln können. Gerade hinsichtlich bestehender Gewerbegebiete sieht er in der Aufstockung mit Wohnungen eine sinnvolle Strategie zur Eindämmung des Flächenverbrauchs. 

Wünschenswert wäre indes auch, die Bevölkerung stärker zu sensibilisieren. In Vorarlberg sei man diesbezüglich bereits weiter und habe damit gute Erfahrungen gemacht, so Lorenz. Und die Zeit drängt: »Wir müssen die baukulturelle Qualität, die wir in Tirol so vernachlässigt haben, generell ganz massiv erhöhen. Da sind wir weit zurückgefallen«, so Lorenz eindringlich.

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