Von Architekturvermittlung profitieren alle

Manuel Pestalozzi
9. Dezember 2021
Foto: Karolina Grabowska via Pexels

Viel wird hierzulande bereits für die baukulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen getan – zum Beispiel in der Kunst- und Architekturschule bilding und am Architekturzentrum Wien. Diese Arbeit muss fortgesetzt und intensiviert werden.

Für Nobert Philipp, Autor bei Die Presse, sind Kinder und Jugendliche die »kleinen Retter der Baukultur«. In einem Artikel über Architekturvermittlung, der auf die Arbeit der Innsbrucker Kunst- und Architekturschule bilding und des Architekturzentrums Wien (Az W) fokussiert, schreibt er, es sei wichtig, mündige Bürger*innen mit einem grundlegenden Verständnis für Architektur zu erziehen. Dem ist wenig hinzuzufügen. Tatsächlich wäre wünschenswert, dass alle die Qualität von Architektur einigermaßen beurteilen können und in der Lage sind, sich konstruktiv in Debatten um die gebaute Umwelt einzubringen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter und vor allem steiniger Weg. In Österreich kümmern sich verschiedene Institutionen mit großem Engagement darum, jungen Menschen Baukultur zu vermitteln; Zeit, ihre Arbeit zu würdigen.

Architekturvermittlung in Innsbruck und Wien

Doch wie gehen bilding und Az W die Baukulturvermittlung an? Wie sieht ihre Herangehensweise aus? In Innsbruck können Kinder und Jugendliche unter Anleitung von Architekturschaffenden und Künstler*innen Erfahrungen mit Malerei, Bildhauerei, Grafik, Fotografie, Film und natürlich mit Architektur sammeln. Das Experiment, das Machen und eine breite künstlerische Allgemeinbildung stehen im Fokus. Übrigens stößt dieser Ansatz auch im benachbarten Ausland auf reges Interesse und Zustimmung: Unlängst wurde Monika Abendstein von dem Verein Archijeunes, hinter dem sich die Schweizer Berufsverbände SIA und BSA verbergen, nach Zürich eingeladen, um bilding dem Schweizer Publikum als inspirierendes Positivbeispiel zu präsentieren und dessen Fragen zu beantworten.

Am Az W werden altersgerechte Führungen und Exkursionen angeboten. Auffällig ist, dass man in Wien versucht, die Vermittlung mit Formaten wie »Kindergeburtstag« oder der »LEGO Baustelle« möglichst spielerisch auszugestalten. Das heißt allerdings nicht, dass Kinder und Jugendliche nicht an wichtige Themen wie die Klimakrise, den dringend nötigen Umweltschutz oder das Bauen mit Lehm herangeführt werden. Sowohl den Verantwortlichen in Wien als auch jenen in Innsbruck geht es darum, eine neue Generation zu erziehen, die unsere Fehler nicht wiederholt und die Probleme, die wir mit erzeugt haben, vielleicht gar lösen kann.

Die Arbeit, die nicht nur in Wien und in Innsbruck, sondern in ganz Österreich für die Baukulturvermittlung geleistet wird, ist großartig. Dennoch: Es muss noch mehr unternommen werden. Es stellt sich zum Beispiel die Frage, wie man sperrige Themen wie Haftung, Verantwortung oder die Opposition gegen Bauvorhaben näherbringen kann. Denn gerade im Hinblick auf künftige Beteilungsprozesse wäre hier eine gewisse Sensibilität wünschenswert und ein echter Gamechanger. Je genauer die Bevölkerung über Architektur und das Bauen generell Bescheid weiß, desto besser für Architekt*innen.


Im September dieses Jahres fand in Zürich ein internationales Symposium zur baukulturellen Bildung statt. Eingeladen waren auch Expert*innen aus Österreich.

Verena Konrad kümmert sich am Vorarlberger Architektur Institut um Architekturvermittlung. Wir haben mit ihr über ihre Arbeit gesprochen.

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