Von der Architektur über die Fotografie bis hin zur Philosophie und Pädagogik: Elisabeth Baudisch zeigte in vielen Disziplinen außergewöhnliches Talent

Manuel Pestalozzi
8. April 2022
Das wohl bekannteste Werk von Elisabeth Baudisch ist die Christuskirche in Völkermarkt aus dem Jahr 1958. (Foto: Johann Jaritz via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Sie galt als Grande Dame der Kärntner Architektur. Elisabeth Baudisch war eine wichtige Pionierin der österreichischen Nachkriegsmoderne. Am 16. März 2022 ist die vielseitig begabte Architektin verstorben.

 

Die Wahlkärntnerin Elisabeth Baudisch wurde 1929 in Innsbruck geboren und arbeitete nach ihrem Architekturstudium zunächst als Assistentin an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Bald machte sie sich als Architektin selbstständig und führte ein eigenes Büro. 1955 eröffnete sie dann zusammen mit Eberhard Klaura (1930–2013) in Klagenfurt ein Architekturbüro. Zudem gab sie ihr Wissen als Lehrerin weiter: Baudisch unterrichtete an der Höheren Technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt Ferlach. Das wohl bekannteste Werk von Baudisch und Klaura ist die 1958 fertiggestellte Christuskirche in Völkermarkt. Das Bauwerk gilt heute als eines der bedeutendsten Zeugnisse der Nachkriegsarchitektur Kärntens. In dem 2020 erschienenen Ausstellungskatalog »Land der Moderne – Architektur in Kärnten 1945–1979« werden Elisabeth Baudisch und Eberhard Klaura als zwei der »vielen Unbekannten, die gute Architektur gemacht haben«, erwähnt. Herausgeber Lukas Vejnik lässt durchblicken, dass die beiden zeitlebens im Schatten der auch international sehr bekannten und geschätzten »Stars« wie Roland Rainer und Clemens Holzmeister standen.

Elisabeth Baudisch war vielseitig interessiert und ein wahres Allroundtalent: Ab 1978 arbeitete »Li« auch als freischaffende Fotografin, 1990 erlangte sie an der Universität Klagenfurt ein Doktorat der Philosophie. Sie verfasste etliche Bücher. Der Band »Li. Photos von Elisabeth Baudisch« (2009) zeigt eindrücklich die Vielfalt ihrer Interessen: Im Buch sind verschiedene Anlässe wie etwa die Begehung eines Grenzstreifens, die Annäherung an diverse Städte, Naturkatastrophen oder eine Opernaufführung dokumentiert. Zuletzt machte Baudisch als großzügige Gönnerin von sich reden: Sie bedachte das SOS-Kinderdorf in ihrem Testament. 

Mit Elisabeth Baudisch verliert Österreich eine beeindruckende Architektin und Künstlerin. Hoffentlich wird ihr Vermächtnis entsprechend pfleglich behandelt.

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