Zukunftsweisendes Quartier: In Lustenau lernen Kinder bald dort, wo ältere Menschen wohnen

Manuel Pestalozzi
21. Oktober 2021
Der Baukomplex ist in eine parkartige Landschaft eingebettet. (Visualisierung © Aberjung)

Gerade begann die Marktgemeinde die Arbeiten am größten Hochbauprojekt ihrer Geschichte: dem Bildungscampus Rotkreuz. In den nächsten Jahren wird abgerissen, saniert, umgestaltet und neu gebaut.

Ausgangspunkt für das neue Quartier ist eine Schulanlage aus den 1960er-Jahren. Sie stammt von der Arbeitsgruppe C4 Architekten. Ihre Mitglieder gelten in Vorarlberg als Pioniere des Neuen Bauens. Noch bis zum 9. Jänner 2022 ist im Vorarlberg Museum eine Ausstellung über sie zu sehen. Die inzwischen veraltete Turnhalle und der Kindergarten aus dem interessanten, qualitätsvollen Ensemble werden abgebrochen. Sie weichen einer Doppelturnhalle und einem Ganztagskindergarten. Die Volksschule und das angegliederte Sonderpädagogische Zentrum werden derweil saniert und im Sinne einer Clusterschule um Lernlandschaften und Räume für die Ganztagsbetreuung erweitert.

2019 wurde ein Architekturwettbewerb durchgeführt, der von dem steirischen Büro fasch&fuchs architekten gewonnen wurde. Der Entwurf des Teams befreit die zu erhaltenden Bestandsgebäude und führt sie auf ihre ursprüngliche architektonische Aussage zurück. Der Geist der Schule der Architektengruppe C4 bleibe trotz der notwendigen Zubauten erhalten, lobte die Jury damals.

Auf diesem Modellfoto sind die Bestandsbauten mit ihrem Innenhof links unten zu erkennen. Der nördlich davon verlaufende Neubautrakt ergänzt die Anlage mit diskreter Bestimmtheit. (Modellfoto: fasch&fuchs architekten)

Der Neubauteil des Ensembles definiert unter Einbezug des Bestands einen großzügigen, differenzierten Hofraum, der sich zu einer Heimkehrersiedung hin öffnet, die in den 1940er-Jahren für Menschen aus Südtirol gebaut wurde. Entlang der nordseitigen Grundstücksgrenze wird die Schule über einen großzügig gedeckten Freibereich erreicht. Mehrere Eingänge führen in eine reizvolle Erschließungszone, die alle unterschiedlichen Funktionsbereiche miteinander verbindet. Die Aula als räumliche Erweiterung dieser Zone kann sowohl intern als auch extern gut genutzt werden und orientiert sich mit ihrer Längsseite zum Innenhof, der bei Veranstaltungen mit einbezogen werden kann. 

In einem ersten Schritt werden jetzt die erwähnten Abrissarbeiten erledigt. Danach werden die Neubauten errichtet. Bis Sommer 2023 soll diese erste Bauetappe abgeschlossen sein. In einer zweiten Etappe wird dann das Volksschulgebäude saniert, umgebaut und erweitert. Das große Bauvorhaben wird indes auch verschiedene Generationen zusammenbringen: Ein »Generationenpark« soll Schule und Kindergarten mit einem geplanten Gebäude für betreutes Wohnen und Kleinkinderbetreuung der Vorarlberger gemeinnützige Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft m.b.H (Vogewosi) verbinden, das in unmittelbarer Nachbarschaft entstehen wird. Ermöglicht wird diese sinnvolle und schöne Kombination durch einen Grundstückstausch zwischen der Gemeinde und der Vogewosi.

Grundriss und Schnitt zeigen, wie das Projekt die Schulanlage zu einem ausgedehnten Campus machen soll, der auch die Nachbarschaft mit einbezieht. 

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